Spezialsanierung für Kehlstein-Tunnel

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Ein kompliziertes Entwässerungssystem liegt hinter der Innenverschalung der Kehlstein-Tunnel. (Fotos: Kilian Pfeiffer)
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Spezial-Heizlüfter sollen die Tunnel am Kehlstein erwärmen.

Berchtesgaden – Die Kehlsteinstraße wird momentan aufwendig saniert – deutlich später als ursprünglich geplant. Mit 1,3 Millionen Euro Investitionskosten rechnet das Staatliche Bauamt Traunstein. Für die Tunnelsanierungen wird dabei spezielles Gerät verwendet.


Überdimensionale Heizlüfter sollen die aus den 1930er-Jahren stammenden, eng bemessenen Felsdurchfahrten auf bis zu 20 Grad Celsius erwärmen. Im Fels verborgen: ein kompliziertes Entwässerungssystem, das nun mit einer neuen Spritzbetonverkleidung ausgestattet werden muss.

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Dass die Maßnahme erst jetzt, nach Einbruch des Winters, stattfinden und nicht bereits im Sommer durchgeführt werden konnten, habe mit den langen Planungszeiten zu tun, heißt es beim Staatlichen Bauamt Traunstein, das für die Umsetzung der Maßnahme zuständig ist.

Wegen der Corona-Pandemie hatte die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK) entschieden, den Kehlsteinbetrieb in diesem Jahr gar nicht erst aufzunehmen. Rund 400.000 Besucher nutzen jedes Jahr den Bus, um bis zum großen Felsaufzug zu gelangen, der sie direkt in das Kehlsteinhaus bringt.

Der Weg nach oben führt über die im Jahr 1938 fertiggestellte schmale Straße, die sich an der Südseite des Kehlsteins entlang schlängelt. Der 6,5 Kilometer lange Weg führt durch fünf Tunnel, den Reck-, Martinswand-, Gams-, Hirsch- und Schwalbennesttunnel, und überwindet dabei einen Höhenunterschied von etwa 700 Metern, ehe er am Buswendeplatz auf knapp 1700 Höhenmetern endet.

Thomas Zumbrunnen vom Staatlichen Bauamt Traunstein arbeitet in der Abteilung »Georisiken, alpine Sonderbauweisen, Tunnelbau und -betrieb«. Er sagt: »Erst nach der Entscheidung der TRBK, den Betrieb der Kehlsteinstraße in diesem Jahr nicht aufzunehmen, konnten die alten Innenschalen entfernt und die für eine Sanierung notwendigen Bestandsdaten erfasst werden.«

Das Problem: Es gibt keine Pläne für die Tunnel. Die Tunnel-Querschnitte sind zudem klein, gerade so groß, dass die Kehlsteinbusse durchkommen. Spezialgerät für kleine Tunnel-Querschnitte ist am Markt derzeit nur schwierig zu bekommen. Die alten Innenverschalungen mussten abgefräst und ein Blick riskiert werden, was dahinter liegt. Laserscans halfen bei der Arbeit. Dort fanden sich etliche Schläuche, die durch die Felswand mäandern und ein kompliziertes Tunnel-Entwässerungssystem bilden, das auf selbe Weise wiederhergestellt werden musste.

Die späte Entscheidung der TRBK und die notwendigen Planungen hätten sich in die Länge gezogen, sodass die Baustelle erst im Herbst dieses Jahres an Fahrt aufnehmen konnte, teilt Christian Rehm, Behördenleiter des Staatlichen Bauamtes Traunstein, mit. Bei der Auftragsvergabe wurde eine Spezialfirma ausgewählt. »Diese Firmen sind auf Monate hin ausgebucht«, sagt Thomas Zumbrunnen. Von vier Firmen, die für gewöhnlich an großen Tunnelprojekten arbeiten, hatte nur eine Ressourcen für die Arbeiten am Kehlstein.

Weil das Lichtraumprofil der Tunnel gering ist und der Spritzbeton, der die Innenverschalung bildet, nur wenige Zentimeter dick ist, ging man beim Staatlichen Bauamt Traunstein von einer schnellen Auskühlung des Betons aus. Dies hätte aber zu einer verstärkten Rissbildung führen können. Hinzu kommt: Auf dem Kehlstein ist mittlerweile tiefster Winter, die Temperaturen liegen im Minusbereich. »Aus diesem Grund müssen für die Betonarbeiten gewisse Mindesttemperaturen eingehalten und eine Luftströmung vermieden werden«, sagt Behördenleiter Christian Rehm.

Überdimensionale Heizlüfter wurden auf den Kehlstein gekarrt, die die mit Wärmematten und Vlies verhängten Tunnels auf eine konstante Temperatur aufheizen mussten. Damit der von Spezialbaggern aufgetragene Spritzbeton rissfrei aushärten kann, bedurfte es einer Temperatur von rund 20 Grad Celsius im Tunnelinneren – über den Zeitraum von knapp einer Woche.

Welche Mehrkosten damit verbunden sind, weiß man beim Staatlichen Bauamt Traunstein nicht: Da im Sommer in diesen Höhenlagen ebenfalls hohe Temperaturschwankungen zu erwarten seien, wären ebenfalls zusätzliche Maßnahmen erforderlich geworden, heißt es von Behördenseite. Eine Bezifferung etwaiger Mehrkosten sei demnach nicht möglich.

Die Arbeiten sollen noch heuer abgeschlossen werden, heißt es auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«. In diesem Jahr war bereits die Stützmauer unterhalb des Recktunnels saniert worden – mit Ausnahme der Brüstungsmauer. Die Erneuerung dieser ist für das Jahr 2021 vorgesehen. Zudem war ein Wendehammer vor dem Recktunnel erstellt und der Steinschlagschutz zwischen Hausrinne und Ligeret-Abfahrt fertiggestellt worden. Kilian Pfeiffer

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