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Stadtflucht nach »Corona-Lockdown«

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Das Berliner Ehepaar Heiderose und Christian Passow fühlt sich in dieser schwierigen Zeit in Berchtesgaden gut aufgehoben. (Foto: Bernhard Stanggassinger)

Berchtesgaden – Selten haben Heiderose und Christian Passow so einen erholsamen Urlaub verbracht wie dieser Tage in Berchtesgaden. Der lange »Corona-Lockdown« war für das Berliner Ehepaar in der Enge der Großstadt kaum zu ertragen. Und so kamen die beiden am 30. Mai – genau dem Tag, an dem die Betriebe wieder öffnen durften  – für drei Wochen nach Berchtesgaden. Ihr Fazit: »Wir haben alles richtig gemacht.«


Dabei hatten die beiden Berliner bereits einen Hotelaufenthalt mit Wellness in Bad Reichenhall gebucht. Telefonisch erfuhren sie, dass der Wellnessbereich nicht zu benutzen sei und es die gewünschten Buffets nicht gebe. Auf die Frage nach einem Preisnachlass wurde ihnen gesagt, sie sollten froh sein, dass sie keinen Coronaaufschlag zahlen müssten. Daraufhin haben sie den Hotelaufenthalt storniert und sich für den Aufenthalt in einer Ferienwohnung in Berchtesgaden entschieden. Doch die Gefühle vor dem Urlaubsantritt waren auch hier gemischt.

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Zwar hatten die beiden in den Jahren zuvor schon viele Reisen gemacht, doch diesmal war es anders. Während des Kofferpackens sagte der Ehemann zur Frau: »Freu dich mal nicht zu früh.« Doch für die beiden war klar, dass sie der Stadt nach all den Einschränkungen für einige Zeit den Rücken kehren mussten.

»Es war so schrecklich in der Stadt«, erinnert sich Heiderose Passow und nennt einige Beispiele. So hatte sie einen Arzttermin bei einem Orthopäden, niemand durfte ins Wartezimmer. Nur zwei Personen durften in die Praxis, die anderen mussten auf der Straße warten und hatten nicht einmal die Möglichkeit, sich zu setzen. Man konnte zu keinem Friseur und bekam keinen Zahnarzttermin.

Christian Passow arbeitet bei der Justiz, seine Arbeitszeit wurde auf 50 Prozent reduziert. Das Einkaufen in der Stadt in den Lebensmittelgeschäften war schlimm. Es wurden Hamsterkäufe getätigt und die Leute zeigten untereinander ein aggressives Verhalten. »Es gab eine unerträgliche Massenhysterie«, erzählen Heiderose und Christian Passow.

Wegen der geschlossenen Geschäfte in den Einkaufszentren gab es eine gruselige, gähnende Leere. Genauso leer waren die U-Bahnen und Busse. »Ich brauchte einen neuen Föhn und mein Mann Socken«, erinnert sich Heiderose Passow und erklärt: »Was blieb uns anderes übrig, als über Amazon zu bestellen?«

In ihrem Bekanntenkreis wurde sogar jemand aufgrund von Corona depressiv. Einige Geschäfte sind in Berlin bereits pleite. »Wir haben uns immer von unserer Lieblingspizzeria beliefern lassen, um sie zu unterstützen«, berichten die beiden Berliner, für die nach vielen »Lockdown«-Wochen klar war: »Wir müssen raus aus der Stadt.« In Berchtesgaden hat das Ehepaar schließlich genau das gefunden, was es gesucht hat.

»Hier ist alles gut. Es ist hier die wahre Freude, die frische Luft, die Berge, das herrliche Grün der Natur und die Menschen sind ganz normal. Hier kann man alles vergessen«, erzählen sie euphorisch. Und die Maske beim Einkaufen ist für die beiden kein Problem. Schließlich könne man sich überall frei bewegen und beim Wandern vergesse man all die Belastungen der letzten Monate.

Heiderose und Christian Passow sind sich einig: »Wir haben's richtig gemacht.« Deshalb verlängerten sie ihren dreiwöchigen Urlaub sogar noch um zwei Tage, denn an ihrem Abreisetag beginnt ihr Sohn einen 14- tägigen Urlaub in Schönau am Königssee. »Da verbringen wir hier noch zwei gemeinsame Tage«, strahlen die beiden Städter. Bernhard Stanggassinger

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