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Statt Ferienwohnungen: Franz Brandner vermietet am Weinfeld Liegen und Sonnenschirme

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Die ersten Gäste am Weinfeld kamen aus Holland: Mathias Havenaar und Stephanie Kloer ließen sich gerne in den April schicken. Foto: Bernhard Stanggassinger

Berchtesgaden – Dass Not tatsächlich erfinderisch macht, bewies Franz Brandner am 1. April. Weil sein Gästehaus Mitterweinfeld seit Monaten leer steht, vermietete er vor seiner Seligpreisungskapelle in aussichtsreicher Lage Liegestühle und Sonnenschirme. Die ersten Einnahmen hatte der »Weinfeld Franzei« schnell zu verzeichnen. Doch schnell stellte sich heraus: Die originelle Idee war lediglich ein Aprilscherz.


Die Coronapandemie bringt auch Franz Brandner schier zur Verzweiflung. Ferienwohnungen und Gästezimmer stehen seit Monaten leer. Sein Haus ist auf dem neuesten Stand. Wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten und Umbauten musste der Hausbesitzer Kredite aufnehmen. Staatliche Hilfen sind bis heute noch nicht eingegangen.

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Franz Brandner wusste nicht mehr ein noch aus. »Mir stehen die Schulden bis zum Hals. Im Markt klopfen sie auf Suppentöpfe und helfen tut dir keiner«, sagt er voller Frust. Kürzlich schaute der »Weinfelderer« hinauf zu seiner Seligpreisungskapelle. Jeden Tag tummeln sich dort über 50 Personen in der Sonne. Da kam dem Franzei eine Idee.

Die Liegestühle und Sonnenschirme vor seinen Gästezimmern und Ferienwohnungen waren unbenutzt. Brandner packte Schirme und Liegestühle kurzerhand zusammen, lud sie auf seinen Lader und fuhr sie zur Kapelle hoch. Fünf Liegen und fünf Schirme hat er in seiner Wiese vor der Weinfeldkapelle aufgestellt, dazu eine Kasse. Die stündliche Mietgebühr für einen Liegestuhl mit Schirm kostet 1,50 Euro. »Warum zur Kathedrale La Palma auf Mallorca und nicht zur Kapelle am Weinfeld?«, scherzt Franz Brandner. Der Ausblick zum Watzmann dürfte schließlich alles übertreffen. Finanziell erhofft sich der Weinfeld Franzei einiges. Das Liegenangebot könne er noch beliebig erweitern, verkündete Brandner, denn das Thema Abstand sei kein Problem.

Kaum waren die Liegen und Sonnenschirme am Gründonnerstag aufgestellt, kamen schon die ersten Gäste: Mathias Havenaar und Stephanie Kloer. Die beiden wohnen in Holland und besuchen über die Osterfeiertage Stephanies Mutter in Berchtesgaden. Sie waren von der Idee so angetan, dass sie gleich zwei Liegestühle und zwei Sonnenschirme für drei Stunden mieteten. Zur Begrüßung und weil sie die ersten Mieter waren, bekamen sie von Franz Brandner zusätzlich noch ein Bier.

Jetzt hofft der findige Unternehmer, und das ist kein Aprilscherz, dass die Familie auch ohne neues Geschäftsmodell ohne Konkurs durch die Krise kommt. Bernhard Stanggassinger

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