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Stiftsland äußert sich: »Wir brauchen uns nicht zu schämen«

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Berchtesgaden: Stiftsland äußert sich zu Kündigung und Rücktritt: »Wir brauchen uns nicht zu schämen«
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»Die Gesamtsituation mit allen Mitarbeitern ist gut«, betont Verwaltungsleiter Michael Koller. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – Der Verwaltungsleiter des Stiftslandes Berchtesgaden, Michael Koller, hat dem »Berchtesgadener Anzeiger« am Donnerstag die Sicht des Pfarrverbands zum Thema Stefan Mohr geschildert. Wie berichtet, war dem Stiftskapellmeister eine Änderungskündigung vorgelegt worden, die dieser jedoch nicht annahm. Weiterhin gab das Stiftsland gestern eine Stellungnahme an die Presse heraus. Darin werden zudem die Formulierungen im Abschiedsschreiben von Dr. Andreas Leidinger kritisiert.


Zu Beginn des Telefonats versichert Michael Koller: »Die Gesamtsituation mit allen Mitarbeitern ist gut.« Es herrsche eher Enttäuschung darüber, dass ihr Arbeitsplatz »so schlecht gemacht« werde. Hier bezieht er sich auf das Schreiben von Leidinger, der seinen Rücktritt von allen Ämtern in der Kirche in einer E-Mail an einige Mitglieder des Stiftslandes Berchtesgaden bekannt gegeben hatte.

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»Mit großem Bedauern« nehme die Verwaltung des Stiftslandes Berchtesgaden den Rücktritt des Verbundspflegers, Lektors und Kommunionhelfers Dr. Andreas Leidinger zur Kenntnis, heißt es in der offiziellen Stellungnahme. Es sei schwierig, über diesen Weg alle Hintergründe zur Entscheidung zur Kirchenmusik darzustellen und das Stiftsland lege auch Wert auf eine angemessene und berechtigte Vertraulichkeit eines Arbeitsverhältnisses.

Der Beschluss, dem Stiftskapellmeister Stefan Mohr eine betriebsbedingte Änderungskündigung auszusprechen, sei demokratisch im Haushalts- und Personalausschuss gefällt worden. Diese habe laut Stellungnahme »den Zweck, den künftigen Stellenumfang an den tatsächlich angefallenen kirchenmusikalischen Diensten auszurichten«. Eine Fortführung des am früheren Bedarf orientierten Arbeitsverhältnisses ungeachtet der veränderten Lage wäre finanziell, und damit auch den Kirchensteuerzahlern gegenüber, »nicht verantwortbar«.

Laut Michael Koller gibt es genaue Vorgaben, wie viel Zeit für Kirchenmusik aufgewendet wird, auch für die Vor- und Nachbereitung. In den vergangenen Jahren seien nun zwei »Vollzeitpriester« aus dem Pfarrverband weggegangen und somit habe sich auch die Zahl der Gottesdienste im Talkessel verändert. Eine Vollzeitstelle ist also nicht mehr nötig.

Ausdrücklich beinhalte der Beschluss des Gremiums das Angebot zur Weiterbeschäftigung zu einer »angemessenen Wochenarbeitszeit« und entsprechenden Dotierung der Stelle. Laut der Erklärung des Stiftslandes, unterschrieben von Thomas Frauenlob, Michael Koller und Peter Moderegger, gingen dem Beschluss zahlreiche Gespräche voraus, die zum Ziel gehabt hätten, eine einvernehmliche und faire Lösung für alle zu finden. »Wir bedauern die Nichtannahme des Angebots, nicht zuletzt im Hinblick auf die sehr hohe fachliche Qualifikation unseres Kirchenmusikers, sehen aber angesichts unserer Verantwortung für die Zukunft leider keine Alternative.«

Die Zahl der verfügbaren Seelsorger erlaube es nicht mehr, Gottesdienste im früheren Umfang anzubieten. Zwangsläufig reduziere sich damit auch der Bedarf an Kirchenmusik. »Die Reduzierung geschieht unter intensiver Abwägung aller sozialen Aspekte«, heißt es weiter im Schreiben des Stiftslandes.

Die Kirche ist ein Betrieb, und laut Michael Koller muss im Falle einer Reduzierung nach sozialen Kriterien vorgegangen werden. Es gibt noch zwei weitere Kirchenmusiker im Pfarrverband, diese seien zehn und 20 Jahre im Dienst. Mohr erst seit fünf Jahren. Weiters handele es sich bei den anderen um Teilzeitstellen. Die noch weiter zu kürzen, sei nicht sozial. Auch die sozialen Aspekte Familie und Kinder spielten bei der Entscheidung eine Rolle.

Im Gespräch mit dem »Anzeiger« betont der Verwaltungsleiter, dass Corona nichts mit der Änderungskündigung zu tun habe. Es sei keiner der 40 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt worden und auch niemand unbezahlt freigestellt.

Es stehe außer Frage, so die komplette Verwaltung im Schreiben, dass es auch weiterhin qualitative Kirchenmusik für alle Altersgruppen geben wird – wie es schon jahrzehntelang Tradition sei. »Der pastorale Nutzen geeigneter Kirchenmusik ist in der Tat kaum zu überschätzen.«

Dennoch müsse alles Handeln der Leitung stets im Horizont des gesamten Pfarrverbandes geschehen. Zum Umgang mit den Mitarbeitern ist in der Stellungnahme zu lesen, jeder könne sich gern vom guten Miteinander und der positiven Arbeitsatmosphäre überzeugen – »ein Abstecher in ein Pfarrbüro genügt«.

Man befinde sich mitten im Prozess, den Pfarrverband zukunftsfähig aufzustellen, was auch bedeute, sorgfältig und verantwortlich mit den begrenzten Kirchensteuermitteln umzugehen. »Dafür brauchen wir uns nicht zu schämen.«

Michael Koller kann trotz allem den Unmut vieler Berchtesgadener, der unter anderem im sozialen Netzwerk Facebook geäußert wurde, teilweise nachvollziehen: »Ich finde es gut, dass die Leute das kritisieren.« Aber das Gremium habe die Entscheidung gut abgewogen. av/fb

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