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»Strafzeit« an bayerischen Schulen

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Über 120 Eltern haben sich bereits der Initiative angeschlossen und einen Antrag an das Kultusministerium gesendet. (Foto: Lena Klein)

Berchtesgaden – Fünf Frauen und Männer aus dem Landkreis Berchtesgadener Land haben sich zusammengeschlossen und wehren sich gegen die Corona-Maßnahmen an bayerischen Schulen. Sie haben Kinder, die in Berchtesgaden zur Schule gehen und sind der Meinung, dass es Zeit ist, wieder zur Normalität zurückzukehren. Dafür haben sie die Bürgerinitiative »Zum Wohle der Kinder« gestartet und Anträge an das Kultusministerium gesendet. Inzwischen wissen sie von rund 120 Unterstützern. Der »Anzeiger« hat mit Kerstin Peters, Eileen Wolf und Christian Kessel gesprochen.


»Seit das Virus aufgetreten ist, gibt es zwei Lager. Aber nur eines wird gehört«, sagt Christian Kessel. Als zwei Wochen vor den Pfingstferien die Schule für viele Kinder und Jugendliche nach der langen Corona-Pause wieder startete, mussten sie sich an neue Umstände gewöhnen: Die Klassen sind auf Empfehlung des Ministeriums auf 15 Schüler zu begrenzen, die Räume sollen nicht gewechselt werden, beim Verlassen des Platzes sowie in den Pausen und beim Gang zur Toilette müssen Masken getragen werden. »Das gilt im Übrigen auch für die öffentlichen Verkehrsmittel, also die Schulbusse«, sagt Kerstin Peters. Ihr Sohn ist elf Jahre alt. »Wir haben sogar ein Attest vom Arzt, das bescheinigt, dass er keine Maske tragen soll, denn er ist Allergiker.« Akzeptiert wird dieses Attest von der Schule aber nicht. »Es ist Wahnsinn, wie viel Druck auf die Kinder ausgeübt wird«, sagt Eileen Wolf. »Die Mimik geht durch das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung verloren – dabei sollten Kinder unbeschwert und frei aufeinander zugehen können.« Darüber hinaus werde den Kindern auch Angst gemacht. »Sie sollen sich ihren Großeltern nicht nähern, denn sie könnten ja daran schuld sein, wenn es Oma und Opa danach schlecht geht.«

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In ihrem Antrag an den Kultusminister bemängeln die Eltern genau diese Punkte. Auf mehreren Seiten beschreiben sie, inwiefern sich die Maßnahmen negativ auf die Schüler auswirken. So führe das Teilen der Klassen auf 15 Schüler beispielsweise dazu, dass der Klassenzusammenhalt verloren gehe und wichtige Freundschaften auseinandergerissen würden.

Laut Ministeriumsempfehlung soll die Pause im Klassenzimmer oder in Gruppen zeitversetzt stattfinden. Dabei sind die Abstandsregeln einzuhalten. »Die Pause verkommt zu einer Strafzeit ohne Erholungswert«, so die Antragsteller.

Die Eltern zweifeln die Notwendigkeit einer Maske an: »Das Robert-Koch-Institut schreibt selbst, dass eine Maske nur dann Schutzwirkung entfalten kann, wenn zusätzlich der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird«, so Wolf. Aus der Empfehlung des Ministeriums gehe aber hervor, dass die Kinder gerade dann eine Masken tragen müssen, wenn der notwendige Abstand nicht gegeben ist. »Dann ist die Maske überflüssig.«

Auch Pädagogen und Ärzte schlagen teilweise Alarm, denn Kinder würden Angst- und Zwangsstörungen entwickeln. Das geht unter anderem aus einer Stellungnahme der pädagogisch-medizinischen Arbeitsgruppe Witten/Herdecke hervor.

»Eine Datenanalyse aus Island zeigt, dass Kinder weniger am Corona-Virus erkranken und auch keine wesentlichen Treiber sind«, so Kerstin Peters. In dem Empfehlungsschreiben des Ministeriums werden als wichtigste Maßnahmen die Handhygiene, die Niesetikette und das Abstandhalten genannt. Diese Maßnahmen unterstützen auch die Eltern. Alles darüber hinaus soll beendet werden. »Auch die Zahlen in der Region sprechen dafür«, fügt Christian Kessel an. »Wir müssen zurück zur Normalität.«

Die Schreiben der Familien sind im Ministerium eingegangen. »Sie werden im regulären Geschäftsgang bearbeitet«, teilte Zoran Gojic, stellvertretender Pressesprecher des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus dem »Anzeiger« auf Anfrage mit. »Die Schreiben werden dann natürlich beantwortet.«

Die Bürgerinitiative kann per E-Mail (zum-wohle-der-kinder@gmx.de) kontaktiert werden. Lena Klein

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