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Thomas Hettegger und Vroni Schlagbauer sollen es richten

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Links: Thomas Hettegger steht seit Montag an der Spitze der Aktiven Unternehmen Berchtesgaden.(Archiv-Foto: Ulli Kastner) Rechts: Lisa Seiberl hat die traurige, gähnende Leere im Markt Berchtesgaden im Bild festgehalten. Dabei ist Einkaufen eigentlich erlaubt.

Berchtesgaden – Corona wirbelt auch bei den Aktiven Unternehmen Berchtesgaden einiges durcheinander. Seit den Unstimmigkeiten innerhalb der Werbegemeinschaft nach der Absage des Salz-Sonntags im August war klar, dass sich die Mitglieder zwei neue Vorsitzende suchen müssen.

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2. Vorsitzender Stefan Schlagbauer war damals sofort zurückgetreten und 1. Vorsitzende Steffi Kohl hatte ihren Rückzug spätestens zur Hauptversammlung angekündigt. Weil die nicht stattfinden konnte, wählte der Vorstand am Montagabend »Ersatzmitglieder«. Bis zur Hauptversammlung im Mai steht Thomas Hettegger (Jenneralm GmbH) als 1. Vorsitzender an der Spitze der Aktiven Unternehmen, 2. Vorsitzende ist Vroni Schlagbauer (Schuhhaus Angerer GmbH).

Bis zum Auftauchen des Virus waren die Aktiven Unternehmen eine richtige Erfolgsgeschichte. Mit gut besuchten verkaufsoffenen Sonntagen, Events wie »Berchtesgaden leuchtet«, dem großen Marktfest im August oder »Montag auf d'Nacht werd Musi gmacht« zog man Tausende von Gästen und Einheimischen in den Markt. Corona brachte die große Einigkeit im Sommer aber erstmals zum Bröckeln.

Es ging um den traditionellen Salz-Sonntag, der nach Ansicht der Vorsitzenden Steffi Kohl und Stefan Schlagbauer trotz des Virus hätte stattfinden können und sollen. Obwohl die Entscheidung pro Salz-Sonntag bereits gefallen war, sagten einige größere Geschäfte im Markt ihre Teilnahme über die sozialen Medien kurzfristig ab. Plötzlich ging ein Bruch durch die Aktiven Unternehmen, Stefan Schlagbauer trat noch am selben Tag zurück, Steffi Kohl, erst seit gut einem Jahr im Amt, kündigte ihren Rückzug für die kommenden Neuwahlen an.

In einem offenen Brief hatte Stefan Schlagbauer die Mitglieder am 4. August wissen lassen: »Grund ist nicht die Absage des verkaufsoffenen Sonntags, sondern vielmehr, wie es zur Absage kam. Einige Mitglieder erklärten durch mehr oder weniger populistische Beiträge in den sozialen Medien, dass sie am Sonntag nicht öffnen. Weitere Mitglieder sprangen (...) auf den Zug auf und brachten eine seit Langem genehmigte Veranstaltung kurzfristig zum Kippen. Dies ist mir unverständlich.«

Chance für die jungen Mitglieder

Die Entscheidung zum Rücktritt war bei Steffi Kohl auch bereits im Sommer gefallen. Das teilte die Berchtesgadenerin den Mitgliedern per E-Mail gestern Mittwoch mit. Durch die Reaktionen auf die Absage des Salz-Sonntags im August sei ihr schnell bewusst geworden, dass sie die Verantwortung so nicht mehr tragen könne. Mit dem Kraxn-Sonntag sei ihr Entschluss, den Verein zum nächstmöglichen Termin zu verlassen, festgestanden. Kohl betont zwar, dass der Kraxn-Sonntag eine »außerordentlich gut geplante, sehr gut organisierte und erfolgreiche Veranstaltung war, die insbesondere durch Claudia Schüleins Engagement größte Anerkennung verdient«. Kritik äußert die scheidende Vorsitzende aber dennoch an Einzelnen: »Es bleibt mir unverständlich, dass manch einem offensichtlich der Ernst der Lage nicht bewusst war und trotz der Absage des Rahmenprogramms Musik organisiert wurde.«

Versöhnlich klingen die Sätze Steffi Kohls, mit denen sie in die Zukunft blickt: »Mit unserem neuen, frisch gestaltetem Auftritt haben wir ein erstes Zeichen gesetzt und unsere Jungen haben jetzt die Chance, etwas zu verändern. Wir haben so viele positive, motivierte, junge Mitglieder im Verein. Nutzt jetzt die Zeit, euch einzubringen und dieses starke Fundament des Vereins aufzustocken, zu erweitern oder einfach das Bestehende weiter zu festigen.« Die Nachfolger für die beiden scheidenden Vorstände hätten eigentlich am Montag im Rahmen der Jahreshauptversammlung im AlpenCongress gewählt werden sollen. Als Ersatz für die abgesagte Hauptversammlung traf sich der Vorstand, um »Ersatzmitglieder« für die Zeit bis zur neu angesetzten Hauptversammlung im Mai zu wählen. 1. Vorsitzender ist bis dahin Thomas Hettegger, 2. Vorsitzende Vroni Schlagbauer. Und weil 1. Schriftführer Florian Schmidt auf der Hauptversammlung ebenfalls nicht mehr kandidieren will, vergab der Vorstand das neue Amt des 2. Schriftführers an Ruwen Lauck.

Thomas Hettegger sieht seine Wahl als »Notlösung«. Er habe sich nur zur Verfügung gestellt, weil es sonst keinen Kandidaten gab. Deshalb geht er aktuell auch davon aus, dass er den Posten im Mai abgeben wird. Bis dahin will er die Arbeit im Vorstand neu strukturieren. »Wir müssen die Arbeit halt auf mehrere Schultern verteilen«, sagt er und spricht seinen Vorstandskollegen das volle Vertrauen aus. »Das passt jetzt ganz gut.«

Geschäfte werben mit reduzierter Ware

Thomas Hettegger ist klar, dass er die Führung der Aktiven Unternehmen in äußerst schwieriger Zeit übernommen hat. »Es ist im Sommer einfach blöd gelaufen. Jetzt müssen wir schauen, dass wir wieder alle in ein Boot bekommen.« Doch die rund 160 Mitglieder der Werbegemeinschaft wissen aktuell selbst nicht, wie es weitergeht. Obwohl Einkaufen auch während des »Lockdowns« eigentlich erlaubt ist, bleiben die Geschäfte im Markt leer. Die Folge sind völlig unterschiedliche Geschäftszeiten, manche Läden öffnen nur bis 15 Uhr, manche schließen ganz. Und diejenigen, die weiterhin voll geöffnet haben, warten und warten und warten. »Es geht fast nichts mehr, viele kämpfen um ihre Existenz«, sagt Lisa Seiberl vom gleichnamigen Modehaus. Die Geschäftsfrau erklärt: »Es fehlen die Umsätze, um weiterhin Mitarbeiter und vor allem georderte Ware zu bezahlen. Unser Angebot ist keine Kommissionsware, die zurückgegeben werden kann. Nun fehlen uns im Frühjahr sechs umsatzstarke Wochen. Eigentlich sind es zehn Wochen, da die Grenze geschlossen war und Hotels nicht öffnen durften. Jetzt im Herbst wieder vorerst sechs sehr wichtige Wochen. Die Soforthilfe im Frühjahr entsprach ganz und gar nicht der zunächst versprochenen Hilfe. Und jetzt sind viele Leute verunsichert. Sie wissen oft gar nicht, dass sie trotz der Beschränkungen zum Einkaufen gehen können.« Vor allem abends sei es gruselig, wenn es früh dunkel ist und in vielen Geschäften kein Licht mehr brennt. Um Kunden zu gewinnen, haben sich nun mehrere Geschäfte dazu entschlossen, Teile ihres Sortiments zu reduzieren.

Der Markt soll trotzdem weihnachtlich werden

Die Absage des Berchtesgadener Advents drückt die Stimmung bei den heimischen Geschäftsinhabern zusätzlich. Ob vielleicht das eine oder andere Standl doch noch aufgebaut werden kann, weiß Thomas Hettegger, gleichzeitig Vorsitzender der Berchtesgadener Advent GmbH, aktuell nicht. Allerdings kündigt er genauso wie seine Stellvertreterin Vroni Schlagbauer an, dass der Markt weihnachtlich gestaltet werden soll. »Wir können den Markt ja nicht so lassen, wie er jetzt ist«, betont der Chef der Jenner-Gastronomie. Dekorationen wie Bäume und Figuren sollen auf jeden Fall Weihnachtsstimmung verbreiten. Die Kosten dafür könnten sich Aktive Unternehmen, Advent GmbH und Marktgemeinde Berchtesgaden teilen, schlägt Hettegger vor. Eventuell will man auch den Emmaus-Rundweg eröffnen. »Ansonsten kann man einfach aktuell nichts planen. Wir Gastronomen wissen nicht einmal, wann wir wieder aufsperren können.«

Und während Thomas Hettegger am Telefon von seinen Ideen erzählt, lädt ein Lkw vor dem Lager der Advent GmbH Am Anger stapelweise Glühweintassen ab. 50 000 Stück sind es, verpackt in über 1 000 Kartons auf rund 20 Paletten. »Die müssen wir bis nächstes Jahr einlagern«, sagt Hettegger. Aber man hat mitgedacht. Weder auf den Tassen noch auf den ebenfalls bereits gedruckten Prospekten findet sich eine Jahreszahl. ⋌Ulli Kastner

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