Tücken der Technik bei Sitzung im AlpenCongress

Bildtext einblenden
Nicht alle der zugeschalteten Räte verstanden auf Anhieb, was Landrat Bernhard Kern in der Kreistagssitzung fragte. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – Der Staubsauger brummt, Mikros, die nicht sofort funktionieren, »und eine tolle Musi läuft da im Hintergrund«, das war das Fazit, das Landrat Bernhard Kern zog. Für die Kreisräte des Berchtesgadener Landes war es die erste Sitzung mit Videoschalte. Dass diese nicht unentwegt reibungslos ablief, erheiterte so manchen Kreisrat.


»Herr Aschauer, sind Sie einverstanden? Herr Aschauer, ich meinte Sie. Herr Aschauer. Herr Aschauer!« Landrat Bernhard Kern blieb hartnäckig, als er Albert Aschauer, Grünen-Kreispolitiker, zu einer Antwort bewegen wollte. Dieser antwortete aber nicht. Aschauer war einer von neun Kreisräten, die sich per Videoschalte in den AlpenCongress nach Berchtesgaden dazu gesellt hatten.

Kamera auf »off«

Aschauer war technisch zwar anwesend und online, hatte seine Kamera aber auf »off« gestellt. »Vielleicht ist er ja gerade unterwegs«, schlussfolgerte Kern während der Abstimmung, ein bisschen ungeduldig. »Herr Aschauer, sind Sie einverstanden mit dem Beschluss«, wiederholte der Landkreis-Chef abermals. Doch von Aschauer kam zunächst kein Mucks. »Ich sage jetzt, das war einstimmig. Fürs Protokoll: Herr Aschauer hat an Tagesordnungspunkt zwei nicht teilgenommen«, quittierte Kern.

Mikro muss aktiviert sein

Das Problem bei einer Kreistagssitzung mit Videoschalte: Jeder nicht anwesende Rat muss einzeln zum Beschlussvorschlag befragt werden. Dafür muss Rat oder Rätin, sobald man an der Reihe ist, das Mikro aktivieren. Das zieht den Prozess in die Länge. Gepaart mit tückischer Technik wird die Situation zur ungewollten Komik. »Das Mikro von Markus Winkler funktioniert irgendwie nicht«, sagte Landrat Kern, nachdem er Angers Bürgermeister dieselbe Frage gestellt hatte. Schemenhaft glaubte man zwar zu erkennen, dass Winkler zustimmte, nur: Man verstand ihn nicht – bis das Mikro am Ende doch mitspielte.

Während alle Räte im Saal per Akklamation inklusive Handzeichen Einverständnis geben, sind die aus der Ferne Zugeschalteten auf Stimme und funktionierende Internetleitung angewiesen. Wenn in die Stille der Videoschalte plötzlich ein Staubersauger-Brummen dringt, ein paar Minuten später die Marschmusik folgt, dann ist für den Landkreis-Chef klar: »Eine tolle Musi ist das da im Hintergrund«, so Bernhard Kern, minimal genervt von den Techniktücken. Die Kreisräte lachen, finden es amüsant. Monika Feiglhuber (Freie Wähler) erreicht Kern erst nach wiederholtem Nachfragen, »ich verstehe Sie sehr schlecht«, sagte Feiglhuber. Wolfgang Koch (AfD) hört zunächst nichts, sitzt regungslos da, dann wippt er wiederholt mit seinem Oberkörper in Richtung Mikrofon, spricht ohne Ton, plötzlich dann doch seine Stimme: »Ja, ich bin einverstanden.«

Es hat länger gedauert, doch jeder Kreisrat kam dran. »Wird sich schon noch einspielen«, hofft ein Kreisrat aus der letzten Reihe des Saals.

Kilian Pfeiffer

Mehr aus Berchtesgaden