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Teures Vergnügen: Für viele Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, bedeuten die anhaltend hohen Benzinpreise eine hohe finanzielle Belastung. (Fotos: Wechslinger)

Umfrage: Spritpreisnachlässe sind »Augenauswischerei«

Berchtesgaden – Die Bundesregierung hat angekündigt, dass die aktuell hohen Spritpreise merklich fallen sollen. So sollte ab dem 1. Juni für eine Entlastung von 30 Cent bei Super und 14 Cent beim Diesel dafür sorgen, dass die Verbraucher etwas weniger bezahlen. Das Instrument dazu ist eine befristete Absenkung der Energiesteuer auf das EU-weite Mindestniveau. 


Doch nach den ersten drei Tagen des angekündigten Preisnachlasses ist davon nicht viel zu bemerken. Die Mineralölfirmen geben die Nachlässe noch nicht wirklich an die Autofahrer weiter. Dies ergab eine Umfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« bei fünf Tankstellenbetreibern in Berchtesgaden, Bischofswiesen und Schönau am Königssee.

Dagegen sieht es im nördlichen Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein schon weitaus besser aus. Eine Tankstellenbetreiberin in der Strub führt dies auf den »Tanktourismus« im grenznahen Berchtesgaden zurück. Allerdings hat man auch in Österreich bei den Preisen gehörig nachgezogen. Am Donnerstag kostete der Liter Super jenseits der Grenze rund 1,92 Euro.

Um Mitternacht vom 31. Mai auf den 1. Juni sollte in Deutschland der sogenannte »Tankrabatt« greifen. Doch auch drei Tage nach der Ankündigung müssen die Verbraucher feststellen, dass nicht viel davon ankommt. Sie müssten schon an den Tankstellen lauern, um günstiger zu tanken. Denn die Mineralölkonzerne sind noch einigermaßen zurückhaltend. Von den angekündigten Vorgaben sind die Preise immer noch ein gutes Stück entfernt.

So ist von den Autofahrern bisher viel Unmut zu vernehmen. Einige freie Tankstellen bekamen vor dem 1. Juni nicht einmal mehr genügend Sprit und waren mit ihren Reserven schon am Limit. Im Bundesdurchschnitt lagen die Preise in den letzten drei Tagen bei 1,88 Euro für Benzin und 1,93 Euro für Diesel.

Dass die angekündigte Vergünstigung nicht durchgeschlagen hat, lag wohl auch daran, dass die Preise vor der Steuersenkung zunächst angehoben wurden und der Rabatt nicht so wie erwartet zum Tragen kam. Die Preisumstellung läuft nämlich automatisch durch die Konzerne, in die Technik selbst können die Tankstellenmitarbeiter nicht eingreifen. Noch vor einigen Jahren wurden die Betreiber ungefähr eine halbe Stunde vorab per Mail über die Preisänderung informiert. »Früher kam unser Tankstellen-Manager mehr-mals im Jahr, um nach dem Rechten zu sehen. Seit einiger Zeit erscheint er einmal im Jahr und zuckt nur mit den Schultern. Es macht auch keinen Sinn, bei der Firma anzurufen, weil niemand ans Telefon geht«, erzählt Alfred Zange von der Tankstelle am Königssee.

Er spricht davon, dass sich die Preise täglich fünf bis sechs Mal ändern und er darauf überhaupt keinen Einfluss habe. Von allen Tankstellenbetreibern war zu erfahren, dass sich die Kunden über dieses Gebaren mächtig ärgern und ihren Unmut über die Spritfirmen auch kundtun. »Den Rabatt merkt man nicht so ganz, aber man muss ja tanken«, ärgern sich die Autofahrer.

Tankstellenbetreiber Michael Kortas am Ortseingang von Berchtesgaden betrachtet die ganze angekündigte Senkung als »Augenauswischerei«, was viele Kunden bei ihm auch ansprechen. Die Bundesregierung mag gut gemeinte Gründe für die Senkungen gehabt haben, doch die Mineralölfirmen kochen nach Ansicht vieler Bürger »ihr eigenes Süppchen«.

Letztlich sehen die Tankstellenkunden mehrheitlich die Verantwortung bei den Mineralölkonzernen. Die Autofahrer müssen ja auch Preise um zwei Euro und mehr hinnehmen, weil viele auf das Auto angewiesen sind, gerade im ländlichen Raum. Das momentane Verkehrsaufkommen lässt zumindest nicht darauf schließen, dass mehr Menschen das Auto stehen lassen.

Zusammenfassend lässt sich als Ergebnis der Umfrage an Talkessel-Tankstellen festhalten, dass sich die Verbraucher verschaukelt vorkommen und die Situation so hinnehmen müssen. »Wir werden mit den Preissteigerungen nicht nur an der Tankstelle, sondern in allen Bereichen leben müssen. Am härtesten trifft dies wiederum die Menschen, die ohnehin schon am Limit angekommen sind«, befand einer der Befragten.

Und die meisten glauben nicht, dass die Konzerne den von der Politik beschlossenen Tankrabatt auch an die Kunden weitergeben.

Christian Wechslinger

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