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Ungebetener Gast am Alten Friedhof

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Berchtesgaden: Dachs als ungebetener Gast am Alten Friedhof
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Vor wenigen Tagen bemerkten Friedhofsmitarbeiter und eine Einheimische Schäden an manchen Gräbern des Alten Friedhofs. Nun berät sich Friedhofsverwalter Hans Hallinger mit dem Landratsamt über weitere Maßnahmen. (Foto: Christian Wechslinger)
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Derzeit gilt es am Alten Friedhof besonders auf seine Pflänzchen aufzupassen. Ein Dachs treibt sich herum und hinterlässt seine Spuren. (Foto: Irmi von Chaulin)

Berchtesgaden – Er ist wieder da: Ein Dachs treibt auf dem Alten Friedhof im Markt Berchtesgaden sein Unwesen. Er verwüstet mit Vorliebe frisch bepflanzte Gräber, wie Friedhofsverwalter Hans Hallinger am Ende vergangener Woche feststellte. Drei dieser Tiere haben den Markt schon im Jahr 2016 beschäftigt, damals mussten zwei Dachse erlegt werden.


Wie geht es nun weiter? Darüber informierte Hallinger den »Berchtesgadener Anzeiger« am Montag auf Nachfrage.

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Eine unerfreuliche Entdeckung hat eine Ramsauerin in der vergangenen Woche gemacht: Das frisch bepflanzte Grab ihrer Familie am Alten Friedhof im Markt Berchtesgaden war zerwühlt, Pflanzen herausgerissen. Das teilte sie dem »Anzeiger« am Montag mit.

Auf Nachfrage bei Hans Hallinger ertönt ein Seufzer. »Ja, das haben wir schon mitbekommen«, erzählt der Friedhofsverwalter. Nun kann so ein Dachs nicht einfach erschossen werden. Denn für das Tier gilt eigentlich derzeit eine Schonzeit. Erlegt werden dürfte er nur zwischen August und Oktober. Jetzt ist der Fang und die Tötung von Wild, das dem Jagdgesetz unterstellt ist, verboten.

Die Jagdzeiten und Schonzeiten sind in einer Bundesverordnung, beziehungsweise in den Jagdzeitenverordnungen der Bundesländer festgelegt. Deswegen muss Hallinger nun eine Sondergenehmigung beim Landratsamt beantragen. »Das ist alles nicht so einfach«, betont er. Denn der Markt gilt obendrein als jagdfreies Gebiet. Das heißt, das Tier muss lebend gefangen werden und woanders hingebracht, am besten ausgewildert werden.

Hier berichtet der Berchtesgadener von den Erfahrungen aus der letzten Dachs-Plage im Jahr 2016: »Auch damals hatte der Jäger eine Lebendfalle aufgestellt, ist aber fast verzweifelt. Es war wie verhext, die Dachse wollten sich partout nicht fangen lassen. Schließlich mussten beide Tiere erschossen werden.« Hallinger will sich nun mit dem Landratsamt in Verbindung setzen und über die möglichen Maßnahmen reden.

Währenddessen hat es der Dachs auf seine Leibspeise abgesehen: Insekten, vor allem Maden, die sich anscheinend gerne in frisch bepflanzten Gräbern aufhalten. Laut Hallinger wurden in den vergangenen Tagen etwa zwischen fünf und zehn Gräber verwüstet. Und woher kommt das Tier? »Wir wissen nicht, wo der Bau ist. Das ist ja das Problem.«

Eigentlich hat der Markt Berchtesgaden genug um die Ohren, Stichwort Corona-Virus, und zuletzt die Wahlen, so Hallinger. Nun steht der Dachs als nächstes Projekt an. Dass der ungebetene Gast ausgerechnet jetzt in der Pflanzzeit wütet, sei für die Grabpfleger natürlich besonders unangenehm. Jeder möchte außerdem zu Ostern ein schön hergerichtetes Familiengrab. Das versteht der Friedhofsverwalter und sagt: »Wir werden uns bemühen.« Er hofft, das in dieser Sache bald etwas vorangeht. Sobald es mehr Informationen zur Causa Dachs am Alten Friedhof gibt, will er die Lokalzeitung informieren.

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Derzeit gilt es am Alten Friedhof besonders auf seine Pflänzchen aufzupassen. Ein Dachs treibt sich herum und hinterlässt seine Spuren. (Foto: Irmi von Chaulin)

Annabelle Voss

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