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Müll auf den Bahnsteigen des Berchtesgadener Bahnhofs. Nicht nur der Marktgemeinde, sondern auch den Bürgern ist die fehlende Sauberkeit ein Dorn im Auge. Die Situation war am Mittwoch Thema auf der Bürgerversammlung. (Foto: Ulli Kastner)

Vermüllter Bahnsteig sorgt für Kritik auf Bürgerversammlung

Berchtesgaden – Im Bahnsteigbereich des Berchtesgadener Hauptbahnhofs fehlt es an Sauberkeit. Das war das Hauptthema auf der Bürgerversammlung am Mittwoch im AlpenCongress. Bürgermeister Franz Rasp stimmte der von einem Bürger geäußerten Kritik zu und gab zu verstehen, dass man in dieser Sache bereits seit längerer Zeit in Verhandlungen mit der Bahn stehe. Weitgehend ohne Erfolg.


Die Diskussion auf der Bürgerversammlung war so mager wie der Besuch. Nur wenige Wortmeldungen gab es, wobei über die Zustände am Bahnhof noch am längsten diskutiert wurde. Ein Bürger wollte zunächst wissen, wie der Sachstand beim seit Jahren gesperrten Bahnhofssteg sei, um dann die fehlende Sauberkeit im Bereich der Bahnsteige zu kritisieren.

»Beim Steg gibt es nichts Neues, der bleibt bis auf weiteres so«, lautete die kurze Antwort des Bürgermeisters. Länger war seine Antwort zum Thema Sauberkeit. Rasp machte deutlich, dass das Bahnhofsgebäude sich zwar in Privatbesitz befindet, die angesprochenen Bahnsteige aber gehörten der DB Station & Service AG. Und die Züge gehören wieder einer anderen Firma. »Und einer schiebt's auf den anderen«, betonte Rasp. Nun sei man so weit, dass die eigentlich nicht zuständige Marktgemeinde in Eigenregie mit der Kehrmaschine für Sauberkeit sorge, auch in der Unterführung helfe man mit, »obwohl es nicht unsere Aufgabe ist«.

Bei dieser Gelegenheit teilte der Rathauschef auch mit, dass es Verbesserungen bei der Toilettenanlage geben soll. Für notwendig hält Franz Rasp beispielsweise auch das Angebot eines besetzten Fahrkarten-Informationsschalters, aber hier tue sich aktuell wenig. »Das Thema ist jedenfalls unsererseits erkannt.«

Keine zufriedenstellende Antwort konnte Rasp auch einem Bürger geben, der auf eine Erweiterung des Fernwärmenetzes wartet. Nach den Worten des Bürgermeisters arbeitet das Heizkraftwerk in der Schönau aktuell an seiner Leistungsgrenze. Derzeit gebe es Überlegungen, einen dritten Kessel zu bauen. Erst dann stünden wieder Erweiterungen des Versorgungsnetzes im Raum.

Thema waren auch die aufwendigen und enorm teuren Sicherungsarbeiten für die Kehlsteinstraße. Der Bürger, der dieses Thema ansprach, regte an, hier vielleicht einmal über den Bau einer Seilbahn nachzudenken.

Thomas Holm, 1. Vorstand der Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes, bedankte sich beim Marktbürgermeister für die Mundartbuch-Aktion, die den Schützen wieder Geld in die Kassen gespült habe. Franz Rasp erklärte den Hintergrund: Jeder Grundschüler, der nach vier Jahren die Schule verlässt, bekommt vom Bürgermeister der jeweiligen Gemeinde das beim »Berchtesgadener Anzeiger« gedruckte Buch »Berchtesgadener Mundart«. Ein Teil des Erlöses fließt an die Weihnachtsschützen, die damit laut Thomas Holm »Jungschützen ausbilden«.

Eine durchaus provokante Frage, die Bürgermeister Rasp aber nachvollziehen konnte, stellte ein anderer Bürger: »Wie erklärt man den Leuten, dass sie Strom sparen sollen, wenn derzeit überall Hunderte von Ladesäulen gebaut werden?« Laut Bürgermeister machen Ladestationen für E-Autos »nur im ländlichen Raum Sinn, wenn der Strom aus regenerativen Energien wie aus der Fotovoltaikanlage kommt«. In den meisten Städten sei dies aktuell »kompletter Irrsinn«.

Und dann ging es noch kurz um das Thema Aufstiegshilfe vom Salinenplatz hoch zur Maximilianstraße. Ein Bürger wollte wissen, ob dieses in früheren Jahren öfters diskutierte Projekt heute noch aktuell sei. Dass das wohl nicht der Fall ist, machte Franz Rasp deutlich. »Wenn es einmal einen kostenlosen Viertelstunden-Takt zwischen dem Bahnhof und dem Markt gibt, dann brauche ich so einen Aufzug nicht mehr.«

Zuvor hatte Berchtesgadens Polizeichef Stefan Scharf über die Sicherheitslage im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Berchtesgaden informiert. Demnach gehört der Raum Berchtesgaden zu den sichersten Regionen Deutschlands. Die Straftaten gingen im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent, in der Gemeinde Berchtesgaden sogar um 7,4 Prozent zurück. Und die Zahl der Verkehrsunfälle reduzierte sich im Talkessel um 15,35 Prozent beziehungsweise in Berchtesgaden um 18,25 Prozent. Enorm angestiegen ist dagegen die Zahl der Bergtoten. Sie erhöhte sich im letzten Jahr von 4 auf 18. Aufmerksam lauschten die Zuhörer auch den Ausführungen des Ersten Polizeihauptkommissars zu den Gefahren des Legendenbetrugs. Die Bürger erfuhren detailliert, wie man sich gegen betrügerische Anrufe und WhatsApps schützen kann.

Ulli Kastner

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