Bildtext einblenden
Einiges los war am Berchtesgadener Hauptbahnhof durch die Sperrung der Bahnstrecke auch am Sonntagmorgen. Eine BRB-Mitarbeiterin dirigierte die Fahrgäste zu den Bussen und beantwortete geduldig alle Fragen zum Schienenersatzverkehr. (Foto: Thomas Jander)

Verwirrung um Sperrung der Bahnstrecke

Berchtesgaden – Mitten in der Hochsaison: Verwirrung herrscht über die Sperrung der Bahnstrecke zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden. Am Freitagnachmittag informierte die Bayerische Regiobahn (BRB) als Betreiber der Strecke, dass – extrem kurzfristig – der Zugverkehr ab sofort gesperrt werden musste.


Ersatzweise wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen den beiden Knotenpunkten eingerichtet. Der sollte vorerst und »voraussichtlich bis zum Betriebsschluss am Sonntag, 24. Juli« eingesetzt werden.

Als Grund für die sehr kurzfristige Maßnahme wurde seitens der BRB angegeben, dass die DB Netz AG den Streckenabschnitt zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden am Freitagmorgen »zu Kontrollzwecken« gesperrt hatte. Die Schieneninfrastruktur ist ja nach wie vor Eigentum der Deutschen Bahn AG, die BRB bedient die Strecke nur als Betreiber mit ihren Zügen. Weitergehende Informationen gab es zunächst nicht.

Am Sonntagmorgen – bei bestem Ausflugswetter – war einiges los am Hauptbahnhof Berchtesgaden, allerdings natürlich nicht am Bahnsteig. Dafür bei den Bussen. Eine BRB-Mitarbeiterin lenkte die Fahrgäste zu den Bussen des Schienenersatzverkehrs, erklärte die Situation und gab geduldig und bereitwillig Auskünfte. Die Menschen waren einigermaßen entspannt, der Andrang wurde aber mehr: Der Bus, der aus Bad Reichenhall kam, war voll.

Laut der BRB-Mitarbeiterin sollte eine »Gleisverwerfung« schuld sein an der Streckensperrung; dabei handelt es sich um eine unbeabsichtigte Verformung von Eisenbahnschienen. Auch bei dem schweren Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen Anfang Juni wurde über eine solche Gleisverwerfung als mögliche Ursache spekuliert.

Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat gestern bei der Deutschen Bahn nachgefragt, was die Hintergründe der Streckensperrung sind. Ein Sprecher der Presseabteilung in Berlin hat eingeräumt, dass am Freitag tatsächlich eine Gleiskontrolle stattgefunden hat. Über die Gründe konnte er allerdings nichts sagen und gestern auch niemanden befragen. Von einer »Gleisverwerfung« sei allerdings nichts bekannt, ebenso stellte er richtig, dass die Strecke nicht auf Veranlassung der DB gesperrt wurde: »Das liegt nicht an unserer Infrastruktur. Die Strecke ist noch am Freitag wieder frei gegeben worden.«

Bei der BRB räumte Geschäftsführer Arnulf Schuchmann gestern hinsichtlich der vermeintlich durch die DB gesperrten Strecke einen »Kommunikationsfehler« ein. Ein Problem gibt es aber tatsächlich: Am Freitag wurden an vier von fünf Zug-Garnituren stark abgefahrene Räder festgestellt und deswegen der Betrieb eingestellt.

Die Ursache indes ist unklar; Schuchmann vermutet einen Zusammenhang mit der von der DB Mitte Juni aufgrund eines »Gleislagefehlers« angeordneten Geschwindigkeitsbegrenzung am Hallthurmer Berg auf 20 km/h statt der regulären 50 km/h. Möglicherweise hat dies Auswirkungen auf die Schmierung der Räder. Das versucht die BRB gerade mit der DB zu klären, denn der Schaden geht laut Schuchmann »in die Zehntausende, wir haben einen unvorstellbaren Verschleiß«.

Zwar wurden drei Züge mittlerweile wieder einsatzfähig gemacht. Aber aus Sicherheitsgründen findet bis zur Klärung der Ursache kein Zugverkehr auf der Strecke statt. Vorerst bleibt es beim Schienenersatzverkehr. 

Thomas Jander

Mehr aus Berchtesgaden