Vom Kaiserschnitt bis zur Schwangeren-Impfung

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Privatdozent Dr. Dietmar Schlembach aus Berlin hat zum achten Mal 16 Referenten und 160 Mediziner zum deutsch-österreichischen Symposium Pränataldiagnostik nach Berchtesgaden eingeladen. (Foto: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Prä – (vor der Geburt) und Perinatalmediziner (um die Geburt) aus Deutschland, Österreich und Luxemburg kommen seit vielen Jahren nach Berchtesgaden, um bei einem Symposium zu lernen und sich auszutauschen. Organisiert und wissenschaftlich geleitet wird das Symposium heute und morgen von Privatdozent Dr. Dietmar Schlembach, Chefarzt der Klinik für Geburtsmedizin am Vivantes-Klinikum Berlin-Neukölln. Unter den 16 Referenten sind wiederum namhafte Pränataldiagnostiker und Geburtsmediziner sowie interdisziplinäre Spezialisten aus Deutschland und Österreich, die 160 insgesamt Medizinerinnen ihr Wissen vermitteln.


Dr. Schlembach organisierte bereits im letzten Jahr das Symposium unter strengsten Auflagen in Präsenz. Und auch in diesem Jahr ist der Berliner einer von wenigen, die sich in Coronazeiten an eine Präsenzveranstaltung heranwagen. Voraussetzungen dafür sei der großzügig ausgelegte AlpenCongress und eine Topmannschaft um Kongresshausleiter Josef Wenig, lobte Dr. Schlembach.

Der Begriff Pränataldiagnostik bezeichnet die Zeit vor der Geburt. Die perinatale Medizin ist die Phase zwischen siebtem Schwangerschaftsmonat und zehntem Lebenstag des Neugeborenen. »Was tun, wenn«?  – Diese Frage stellt sich jedem Arzt, speziell in der Pränataldiagnostik. Leitlinien helfen in der täglichen Arbeit mit Schwangeren, indem sie evidenzbasierte Empfehlungen geben, die gleichwohl kontrovers diskutiert werden können. Ein besonderes Kriterium in der Pränataldiagnostik sind die ersten drei Monate einer Schwangerschaft, wobei ein relativ neuer Bluttest eine zunehmende Rolle spielt.

Aber selbst wenn alle Untersuchungen in der Schwangerschaft »unauffällig« sind, ist das noch keine Garantie für ein gesundes Kind. Denn auch bei der Geburt können jederzeit unerwartete Probleme auftauchen, gibt Dr. Schlembach zu bedenken. Neben einem Update zum Management der fetalen Wachstumsrestriktion werden beim Symposium auch der Kaiserschnitt und die vaginale Geburt ein großes Thema sein.

Immerhin bringen circa 30 Prozent der Frauen ihr Kind durch Kaiserschnitt auf die Welt. Bei wiederholten Kaiserschnitten ist die Operation durch Verwachsungen im Bauch und eventuelle Probleme mit der Plazentaeinnistung eine ganz besondere Herausforderung.

Dennoch ist die »natürliche Geburt« der wünschenswerte und zu bevorzugende Geburtsmodus, so der Mediziner. Ob ein Kaiserschnitt indiziert ist, kann nur der behandelnde Arzt in Absprache mit der Schwangeren entscheiden. Dr. Schlembach erinnert sich bei dieser Problematik immer an seinen Professor, der von drei Möglichkeiten sprach: Wenn eine Frau eine vaginale Geburt möchte, ist das ebenso in Ordnung wie ein gewünschter Kaiserschnitt. Wenn jedoch ein Arzt zu einer vaginalen Geburt rät und dennoch ein Kaiserschnitt nötig wird, ist die Unzufriedenheit »vorprogrammiert«.

Dr. Schlembach räumt auch mit dem Argument auf: einmal Kaiserschnitt – immer Kaiserschnitt. Dieser vor etwas mehr als 100 Jahren geprägte Spruch stimme schon lange nicht mehr. Auch im Hinblick auf Covid 19 gibt es für die Impfung von Schwangeren eine Empfehlung. Das Robert-Koch-Institut teilte erst jüngst mit, dass ein möglicher Impfschaden bei Schwangeren oder Stillenden von der Bundesregierung übernommen wird. Damit wird es auch für den Arzt sicher, Schwangeren einen »mRNA«-Impfstoff zu verabreichen, wie es von den geburtshilflichen Fachgesellschaften empfohlen wird.

Dr. Schlembach beziffert die Stammteilnehmer des Symposiums auf circa die Hälfte. Viele der Mediziner nehmen auch die Annehmlichkeiten und die Schönheit Berchtesgadens zum Anlass, regelmäßig teilzunehmen.

Christian Wechslinger

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