Weihnachtsschützen müssen daheim bleiben – Schießen in gewohnter Form verboten

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Dieses Bild wird es heuer nicht geben. Das Landratsamt untersagte das gemeinsame Schießen der Weihnachtsschützenvereine in der Weihnachtszeit. (Archiv-Foto: Bernhard Stanggassinger)
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Das Bemühen von Weihnachtsschützen-Vorstand Thomas Holm war erfolglos, denn es wird kein gemeinsames Schießen der Vereine geben. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – Trotz Hygienekonzept, trotz all der in die Wege geleiteten Maßnahmen werden die 3300 Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes dieses Jahr nicht in gewohnter Form schießen dürfen.


Die Thematik – immerhin geht es um ein immaterielles Kulturerbe – ist mittlerweile zum Politikum geworden, sogar der Wahlkreisabgeordnete Dr. Peter Ramsauer hatte sich eingeschaltet. Die Rechtsauffassung des Landratsamtes ist aber deutlich: »Veranstaltungen sind nach Paragraf 5 unzulässig«, heißt es in einem Schreiben der Juristin des Landratsamtes an alle Bürgermeister des Landkreises, das dem »Berchtesgadener Anzeiger« vorliegt. Der Vorsitzende der Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes, Thomas Holm, kontert und sagt: »Wir sind keine Veranstaltung.«

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Es war abzusehen, dass die Corona-Pandemie den Weihnachtsschützen einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Das 350 Jahre alte Brauchtum wird es in bekannter Form nicht geben. Da hilft auch das vierseitige Hygienekonzept nichts, das Thomas Holm eigens angefertigt hat.

Derweil geben bereits die »Sicherheitsregeln für Böllerschützen«, ausgegeben von der Regierung von Oberbayern, klar vor, dass ein Sicherheitsabstand von zwei Metern zwischen Handböllerschützen einzuhalten sei. Das Schießen wird nur alleine möglich sein, vor dem eigenen Haus, oder – wenn man in einem Wohngebiet wohnt – abseits dessen mit großem Abstand zur nächsten Bebauung.

Holm hatte im Vorfeld versucht, ein Hygienekonzept auf die Beine zu stellen, und darin den Ablauf während des Schießens am Standplatz unter Einhaltung aller notwendigen Regeln beschrieben: »Die Schützen kommen einzeln mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Abstand zum Schießstand.« Ein Zusammenrotten der Schützen vor und nach dem Schießen sei verboten, heißt es weiter. Spezielle Einweiser würden alle Schützen mit Namen und Adresse registrieren. Nach dem Schießen würde der letzte Schütze als erster seinen Platz verlassen und »mit Mund- und Nasen-Schutz nach Hause oder in die Kirche zum Gottesdienst« gehen.

Thomas Holm hat mehrfach mit Landrat Bernhard Kern Kontakt gehabt. Dieser hatte Anfang Dezember bereits grünes Licht für ein deutlich reduziertes Kramperl- und Buttnmandllaufen im Berchtesgadener Talkessel gegeben. Aus dem Schriftverkehr des Landratsamtes lässt sich aber herauslesen, dass man mit dem Ergebnis der Umsetzung nicht zufrieden war.

Darin heißt es: »Eine Ausnahmegenehmigung ist wegen des hohen Risikos von Menschenansammlungen infektionsschutzrechtlich nicht möglich. Dass diese nicht immer zu unterbinden sind, wurde uns leider durch die Erfahrungen des (...) Nikolauswochenendes in Bezug auf die Buttnmandl bestätigt.« Ist die Untersagung des Böllerschießens am Standplatz nun eine konsequente Folge daraus? Im Landratsamt geht man davon aus, dass es sich bei den Treffen der Weihnachtsschützen um eine »Brauchtumsveranstaltung« handelt. Dort erwartet man »viele Zuseher«. Thomas Holm entgegnet: »Wir sind keine Touristenattraktion.« Von Menschenmassen könne keine Rede sein.

Zudem, ergänzt das Landratsamt, hätten viele Mitglieder »keine Erlaubnis nach Paragraf 27 Sprengstoffgesetz«, alleine am jeweiligen Wohnort zu schießen. Bereits im Jahr 1994 hatten die Berchtesgadener Weihnachtsschützen eine Sammelgenehmigung für ihr Brauchtum erwirkt. Diese Ausnahmegenehmigung umfasst das Schießen ohne Erlaubnisschein für alle Schützen. Seit dem Jahr 2003 ist durch eine Neuregelung die Sammelgenehmigung nicht mehr nötig. »Es bedarf nur noch der Genehmigung der Ortsbürgermeister«, sagt Thomas Holm. Diese war von allen Talkessel-Bürgermeistern unbefristet erteilt worden.

In einem Schreiben richtete sich der Vorsitzende der Vereinigten Weihnachtsschützen zur Unterstützung auch an den heimischen Wahlkreisabgeordneten Dr. Peter Ramsauer. Dieser hatte sich bereits in der Vergangenheit häufiger für die Weihnachtsschützen eingesetzt. Es folgte ein Telefonat zwischen Ramsauer und Landrat Bernhard Kern, der dem einstigen Verkehrsminister mitteilte, kaum Spielraum zu haben, weil in vorliegendem Fall Bayerisches Landesgesetz greife.

In einem Telefonat zwischen dem Landrat und dem Vorsitzenden der Weihnachtsschützen kam es dann zur endgültigen Absage, wie Holm bestätigt. Unter aktiven Weihnachtsschützen ist das Ärgernis über das diesjährige Verbot des Brauchs in bekannter Form groß. Auch deshalb, weil man sich darauf beruft, sowieso unter freiem Himmel zu schießen und zu jeder Zeit alle Mindestabstände einzuhalten.

Thomas Holm sagt, dass sich so mancher Böllerschütze in diesem Jahr überlegen werde, schießen zu gehen: »Die Christmette, die normalerweise an Heiligabend um Mitternacht stattfindet, muss wegen der Ausgangssperre ab 21 Uhr vorverlegt werden.« Allerdings findet am frühen Abend bei vielen Familien im Talkessel das Räuchern und die Bescherung statt.« Und darauf, ist sich Holm sicher, wird so mancher Böllerschütze nicht verzichten wollen. Kilian Pfeiffer

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