Weniger Spaltung, mehr Hoffnung – Vorsätze und Erwartungen für das neue Jahr

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Pater Kajetan. (Fotos: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Zum Jahreswechsel definieren sich Menschen oftmals neu. Manche haben sich für das neue Jahr vorgenommen, etwas in ihrem Leben zu ändern. Die einen möchten das Rauchen aufgeben, andere schwören dem Alkohol, Snus oder weiteren schädlichen Genussmitteln ab. Das Problem bei den guten Vorsätzen ist nur, dass die Vorhaben schnell wieder kippen. Dann kommt es zu Frustrationen und so nehmen sich viele Berchtesgadener lieber gar nichts für das neue Jahr vor, sondern hoffen auf ein besseres Jahr als die beiden vergangenen. Das geht aus der Umfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« hervor.


»Als Senior mit 83 Jahren habe ich keine Vorsätze mehr«, erklärte der ehemalige ZDF-Reporter Klaus Angermann. Er hofft, gesund zu bleiben, mit seiner Frau noch ein paar Jährchen auf die Diamantene Hochzeit draufzusetzen und weiterhin im Berchtesgadener Land Urlaub machen zu können. Schließlich kommt Angermann schon seit 1964 nach Berchtesgaden. »Auch die erste Kunsteisbahn der Welt würde ich gerne wieder in alter Schönheit erleben. In mehr als 50 Jahren ist sie ein Teil von Berchtesgaden geworden. Die Entscheidungsträger sollten sich beeilen«, blickt der Wiesbadener voraus.

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Klaus Angermann (r.) und Sepp Lenz.

Die große Skihoffnung Christof Brandner, der wegen einer Verletzung eine mögliche große Karriere aufgeben musste, hofft, dass das nächste Jahr gut wird. Vorsätze hat Brandner keine. Ihm reicht es, wenn vieles so bleibt, wie es ist.

Falkner Wolfgang Czech ist die Situation um Corona und dessen Auswirkungen allmählich zu viel. Der Jäger konzentriert sich auf die Natur und lebt im Einklang mit Fauna und Flora. »Die Natur ist nicht an Zeiten gebunden und sie gibt es schon etwas länger als die Menschen.«

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Wolfgang Czech.

Unternehmer Franz Grassl freut sich auf schöne Skitage und wünscht seinen beiden Töchtern bei ihren Skirennen viel Erfolg.

Gastronom und Seilbahnchef Thomas Hettegger wünscht sich aufgrund von Corona weniger Spaltung in der Gesellschaft. »Viele nehmen für sich in Anspruch, tolerant zu sein. Doch das kann ich weder bei den Geimpften noch bei den Ungeimpften feststellen, vielmehr einen zunehmenden Fundamentalismus. Die geschürte Spaltung der Gesellschaft muss aufhören«, mahnt Hettegger an. Für das Jahr 2022 wünscht er sich viele Skiausflüge und in der wärmeren Jahreszeit schöne Bergerlebnisse.

Pater Kajetan vom Franziskanerorden hält nichts davon, sich für das neue Jahr große Änderungen vorzunehmen, die dann zumeist nicht lange anhalten, denn Umstellungen in der Lebensweise sind schwierig. Das Jahr 2022 hält für den Geistlichen drei große Schwerpunkte bereit. Zunächst entscheidet im Mai der Provinzial aus Katowice, ob Pater Kajetan nach zehn Jahren noch weiter in Berchtesgaden bleiben darf. »Mir würden die Menschen, die Berge und die Natur sehr fehlen«, erklärt Pater Kajetan, der im Juni ans Nordkap reist, um die Mittsommernacht zu erleben. Der dritte große Schwerpunkt wird sodann im September die Pilgerreise auf dem Franziskusweg von Assisi nach Rom sein. »Natürlich hoffe ich dabei unseren Papst zu sehen«, blickt der Pater ins neue Jahr.

Vollblutsportler Martin Nock wünscht sich Wohlergehen für seine Familie und sein Umfeld. Sportlich möchte er im Winter viele Skitouren unternehmen und im Sommer mit dem Rad unterwegs sein. An Silvester ist wie in jedem Jahr eine Skitour mit besonderen Freunden, unter anderem mit den Huber-Buam, geplant.

Sprachtherapeut Thomas Schöbinger schippert gerade auf einem AIDA-Kreuzfahrtschiff Richtung Teneriffa und schickte Grüße aus Lissabon nach Berchtesgaden. Für den Therapeuten gilt auch im nächsten Jahr Dankbarkeit und Freude. »Ich danke für alles, was wir haben und wo wir sind. Und Freude über das, was kommen wird.« Thomas Schöbinger saß nämlich vor 30 Jahren nach einem Unfall im Rollstuhl und kam erst nach zwei Jahren Krankenhaus- und Rehabilitationsaufenthalten wieder auf die Beine.

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Thomas Schöbinger. (Foto: privat)

Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer hat keine besonderen Vorsätze. Ihm reicht es, wenn das Jahr so gut wird wie das letzte. Sorgen bereiten dem Juristen dennoch gewisse Umstände um das allgegenwärtige Thema Corona.

Der ehemalige Fußballprofi und Torwarttrainer beim FC Bayern München, Peter Sirch, hat für das neue Jahr keine besonderen Vorhaben, führt er mit seiner Familie doch ein zufriedenes Leben. Der mit einer Berchtesgadenerin verheiratete Ex-Fußballprofi erwartet mit Blick auf die Pandemie eine Rückkehr in ein normaleres Leben und wirtschaftlich einen Aufschwung.

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Peter Sirch.

Unternehmer Frank Woodcock wünscht sich im gesellschaftlichen Bereich mehr Zusammenhalt und weniger Spaltung. Gut fand er das an Weihnachten am Soleleitungssteg platzierte Plakat, das einen friedlichen stummen Protest ausgedrückt hat. Ein großer Wunsch und zugleich Hoffnung Woodcocks ist die Vermeidung einer größeren Eskalation mit Russland: »Mir kommt es so vor, als ob die Regierenden vor lauter Corona-Hysterie keine Wahrnehmung mehr für ›echte‹ Bedrohungen haben.«

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Frank Woodcock.

Christian Wechslinger

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