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Dr. Maria Erker (hinten l.) und Peter Wörnle (vorne l.) freuten sich gemeinsam mit zahlreichen Absolventen über ihren erfolgreichen Abschluss: (hintere Reihe v.l.) Reinhard Giglmaier, Christine Manger, Gerti Mühlenkamp, Sepp Wurm, Franziska Brandner, Dr. Andreas Leidinger, Dietburg Schröder und Hannes Grill; (vordere Reihe v.l.) Johanna Plenk, Jakobine Hesselbach, Rita Heinz, Ulrike Rapold-Kern und Birgit Langwieder. (Foto: Rosenberg)

Wenn Heimatliebe zur Berufung wird

Berchtesgaden – Ein halbes Jahr intensiver Ausbildung liegt hinter den angehenden Gemeindeführern im südlichen Landkreis, die sich seit März ganz eingehend mit der Geschichte Berchtesgadens auseinandergesetzt haben.


Bereits zum dritten Mal hat das Katholische Bildungswerk eine grundlegende Fortbildung für Gästeführer angeboten. Fachkompetente Experten referierten zu Themen wie Kulturlandschaft und Brauchtum, Architektur, Flurdenkmäler, Geschichte der Fürstpropstei und Bayerische Landesgeschichte sowie die Entwicklung des Tourismus. Kursleiterin Dr. Maria Erker, die selber in Salzburg viele Jahre schon Stadtführungen und Museumstouren anbietet, war es zusätzlich wichtig, dass der Lehrplan um rechtliche Grundlagen und Basistechniken von Methodik und Rhetorik ergänzt wurde. Von ihr haben die insgesamt 18 Teilnehmer praxisnahe Tipps erhalten, wie sie mit bestimmten Führungstechniken den Besuchern die Geschichte Berchtesgadens lebendig und nachhaltig vermitteln können. Eine beispielhafte Führung einer erfahrenen Gästeführerin der Berchtesgaden Interessengemeinschaft (IG) rundete den Kurs ab.

Die anspruchsvolle Prüfung umfasste zunächst einen schriftlichen Abschlusstest. Dabei war die Hälfte der Fragen geschichtlicher Natur. Die Prüflinge mussten die Entwicklung vom Augustiner- Chorherrenstift zum Königlichen Schloss aufzeichnen, Kirchen datieren und deren Besonderheiten nennen. Der restliche Teil der Prüfung bestand aus organisatorischen sowie situationsbedingten Fragen: Wohin schicken Sie eine sportliche Familie und wohin eine kulturinteressierte?

Den praktischen Teil nahm Dr. Erker gemeinsam mit Per-Aline Merz-Goedde, einer erfahrenen Gästeführerin der Berchtesgaden IG, ab. Jeder Prüfling gestaltete selbstständig eine Runde durch den Markt. Dabei achteten Dr. Erker und Merz-Goedde ganz besonders darauf, ob es den künftigen Gemeindeführern gelingen würde, von Beginn an eine positive Atmosphäre herzustellen, sie den Zuhörern zugewandt waren, die Inhalte fachlich korrekt vorgetragen haben und eine Struktur erkennbar war. Die Kursleiterin erinnerte sich, dass große Erleichterung den Prüflingen ins Gesicht geschrieben stand, als ihnen bewusst wurde, dass sie bestanden hatten.

Nicht alle Teilnehmer haben sich der Prüfung gestellt. Ihre Motivation, den Kurs zu besuchen, war, ihr ganz persönliches Wissen über Landschaft, Geschichte und Kultur der ehemaligen Fürstpropstei zu erweitern. So erhielten am Abschlussabend zwölf Teilnehmer ein Zertifikat des Katholischen Bildungswerks von Dr. Erker ausgehändigt. Dazu gab es ein Lesezeichen, »denn künftig werden Sie viel lesen«, prophezeite die Kursleiterin augenzwinkernd.

Peter Wörnle, Vorsitzender des Katholischen Bildungswerks, erläuterte während seiner Ansprache, warum eine Qualifizierung von Gästeführern nötig sei. Neben einem Defizit bei Führungsangeboten sollte auch das Bewusstsein für die kulturelle »Schatztruhe« im südlichen Landkreis gestärkt werden. Als Landschaftsplaner, der während seiner Berufszeit an der Laufener Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege tätig war, war es ihm eine Herzensangelegenheit, dass neben Kunst und Kultur auch die Berchtesgadener Kulturlandschaft inhaltlich im Kurs vertreten war. Überhaupt, so findet er, deckt sich die Vision der Biosphärenregion, einen »auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Qualitätstourismus zu fördern«, mit den Kursinhalten sowie dem Bildungsansatz des Katholischen Bildungswerks.

Abschließend wünschte er den neuen Gästeführern »Mut, Kreativität und viel Herzblut bei der Vermittlung des besonderen geschichtlichen und kulturellen Erbes an die Gäste und Bewohner des schönen Berchtesgadener Landes«.

Cornelia Rosenberg

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