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Landrat Bernhard Kern mit Innenminister Joachim Herrmann und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (v.l.) beim Olympiaempfang in Berchtesgaden. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Wiederaufbau der Kunsteisbahn bekräftigt

Berchtesgaden – »Es gäbe die Erfolge in so großer Zahl nicht, wenn es nicht die Kunsteisbahn gäbe«: Beim offiziellen Empfang der Olympiateilnehmer im Kurpark von Berchtesgaden hat Innenminister Joachim Herrmann den Wiederaufbau der Kunsteisbahn Königssee gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger« bekräftigt. Auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sprach sich für eine rasche Erneuerung aus. Im vergangenen Juli war die Bahn nach einem Unwetter in Teilen zerstört worden. 16 von insgesamt 27 Medaillen bei den Olympischen Winterspielen hatten die deutschen Rodel-, Bob- und Skeletonsportler eingefahren. 


Gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger« sagte Herrmann: »Ich setze mich entschlossen für den Wiederaufbau der Bahn am Königssee ein, weil es für den Bob- und Rodelsport wie auch für den Wintersport in Bayern und ganz Deutschland ein riesiger Verlust wäre.« Eine Instandsetzung sei daher »dringend notwendig«.

Rodeln, Bobfahren und Skeleton gehören zu den erfolgreichsten Wintersportarten in Deutschland. Viele der Medaillengewinner stammen aus Bayern, haben das Fahren am Königssee gelernt, darunter die dreifachen olympischen Gold-Medaillengewinner Georg Hackl und Felix Loch sowie die sechsfache Goldgewinnerin Natalie Geisenberger. Am Königssee sei der Grundstein für zahlreiche Medaillen gelegt worden: »Die Rennrodelbahn am Königssee stellt für den Leistungssport eine zentrale Trainings- und Wettkampfstätte dar. Wir dürfen dem deshalb jetzt nicht die Grundlage entziehen«, sagte Innenminister Herrmann. Klar ist für ihn: Die Bedeutung einer Sportart wird anhand der Erfolge bei Großveranstaltungen gemessen. »Ich glaube, dank der großartigen Bilanz der letzten Jahre ist die Bedeutung der Kunsteisbahn weiter gestiegen.«

Eine seriöse Prognose, wann der Wiederaufbau erfolgen wird, sei im Moment nicht möglich. Zu viele Faktoren müssten berücksichtigt werden. »Vor allem müssen wir die Ergebnisse eines geologischen Gutachtens abwarten. Aber auch die Fragen des Hochwasserschutzes und des Schutzes der Anwohner müssen endgültig geklärt sein«, sagte der 65-Jährige. Der Landkreis Berchtesgadener Land beabsichtigt, die Kunsteisbahn nach Möglichkeit bis zum Jahr 2025/26 wiederherzustellen. Selbst Geld in die Hand nehmen, will man dort nicht.

Der Bob- und Schlittenverband für Deutschland strebt eine Teilöffnung mit einer verkürzten Bahn bereits in der anstehenden Wintersaison an. Zunächst soll ein Generalplaner mit der Grundlagenermittlung für die Instandsetzung der Kunsteisbahn einschließlich des Objektschutzes beauftragt werden.

Rund 53 Millionen Euro liegen im Fonds »Aufbauhilfe 2021« für den Wiederaufbau bereit. Innenminister Herrmann geht davon aus, »dass der Bund seine weitgehenden Finanzierungszusagen aus dem Aufbauhilfefonds einhält«. »Veranstaltungen wie diese bezeugen ihren bis zuletzt hohen Stellenwert und ihre Reputation im internationalen Spitzensport«, so Herrmann. Die Kunsteisbahn ist zudem Trainingsstätte des Bundesstützpunkts für Bob, Rennrodeln und Skeleton in Berchtesgaden und Schönau am Königssee. »Sie ist damit in Sportarten, die in Bayern über große Tradition verfügen, und in denen bayerische Sportlerinnen und Sportler regelmäßig zur Weltspitze gehören, eine zentrale Trainings- und Wettkampfstätte – und für den bayerischen Nachwuchsleistungssport von erheblichem Wert.«

Der Kreisverband des Bund Naturschutz im Berchtesgadener Land hatte im Vorfeld bereits Kritik geäußert und ein Bürgerbegehren gefordert. Aus Sicht der Kreisvorsitzenden Rita Poser könnte der Neubau der Bob- und Rodelbahn immens teuer werden. Kreispolitiker hatten dreistellige Millionensummen prognostiziert. »Am Ende muss man sich fragen, ob der finanzielle Aufwand gerechtfertigt ist«, sagte Poser kürzlich.

Kilian Pfeiffer

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