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Karotten schmecken jungen Murmeltieren besonders gut. Im Wildtiergehege Obersalzberg kommt man den Tieren ganz nah. Nachdem ein Bub eines der Jungtiere mit dem Fuß einfach weggekickt hat, gelten jetzt strengere Regeln. (Foto: K. Pfeiffer)

Wildtiergehege am Obersalzberg: »Fußball« mit Murmeltier Hansi – Nach schlimmem Vorfall gelten neue Regeln

Berchtesgaden – Entsetzt und geschockt zugleich ist Wolfgang Czech vom Adler- und Wildtiergehege Obersalzberg: Ein Bub (9) hat mit Hansi, einem der Baby-Murmeltiere, »Fußball gespielt« – bis es bewusstlos war. Czech konnte das Tier am Ende retten. Seit dem Vorfall gelten im viel besuchten Gehege strengere Aufsichtsbestimmungen.


Wolfgang Czech hat in den vergangenen 40 Jahren viel erlebt im Wildtiergehege. Adler, Falken, Uhus und Murmeltiere leben hier Seite an Seite, meist friedlich. Weniger friedlich sind ab und an die Besucher. Einmal im Jahr, wenn die Murmeltiere Nachwuchs erhalten, kommen sie in Scharen. Die Murmeltiere am Obersalzberg gelten als große Attraktion. Die gewöhnlich scheuen Tiere lassen sich vom Menschen mit Gemüse und Butterkeks füttern.

Wolfgang Czech hat sich gefreut, als dieses Jahr wieder sieben Murmeltiere das Licht der Welt erblickten. Sie leben im von Gängen durchzogenen Hügel. Weil sie an Menschen gewöhnt sind, kommen sie bis zu der Steinmarkierung, die Besuchern zeigen soll, wo Stopp ist. Einen Zaun gibt es nicht.

Wolfgang Czech bekam es nur aus dem Augenwinkel mit, als ein Neunjähriger ein wenige Wochen altes Jung-Murmeltier in einen Fußball verwandelte. »Als ich darauf aufmerksam wurde, wie er Hansi wegschoss, konnte ich es nicht fassen«, sagt Czech. Bei ihm heißen alle Murmeltiere »Hansi«. Die Eltern des Buben bemerkten die Tat und griffen ein.

Das Tier lag regungslos auf der Grünfläche. Es war verletzt, blutete am Hinterteil und war bewusstlos, erinnert sich Czech. »Ich dachte nicht, dass das wenige hundert Gramm schwere Tier überleben wird.« Immerhin sei es das kleinste Murmeltier gewesen. »Es sind sieben Murmeltiere, aber die Mutter hat nur sechs Zitzen«, sagt Czech.

Er habe Hansi wieder aufgepäppelt, sagt der Leiter des Wildtiergeheges. Das Tier habe sich erholt und tolle inzwischen wieder im Kreise der Geschwister herum. Was Wolfgang Czech ärgert: Obwohl das Streicheln der Tiere grundsätzlich untersagt ist, versuchen es manche immer wieder. Die Fußtritte gegen das kleine Murmeltiere sind der traurige Höhepunkt.

Das Gehege, das schon Wolfgang Czechs' Vater leitete, besteht seit 65 Jahren. »Der Vorfall hat mich getroffen und nachdenklich gemacht«, sagt er und gesteht, dass er überlegt habe, überhaupt wieder aufzusperren. Offen ist das Gehege inzwischen wieder, aber Czech setzt nun auf strengere Aufsichtsbestimmungen. Am Eingang hat er ein Schild angebracht, das Besucher unweigerlich zu sehen bekommen: »Wegen lebensgefährlicher Tritte gegen ein Murmeltier-Baby ist der Zutritt für Kinder nur unter strenger Aufsicht der Eltern möglich«, heißt es dort. Wer gegen die Regeln verstoße, fliege raus. Füttern dürfen Besucher die Murmeltiere auch weiterhin. Aber nur unter strenger Beobachtung des Leiters.

kp

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