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»Wir sind massiv gefährdet«

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Alexander Resch, seit 2014 Sport-Talent-Vorsitzender, macht sich große Sorgen um die Förderung des Sport-Nachwuchses im Talkessel. (Foto: Hans-Joachim Bittner)

Berchtesgaden – Corona hat nun viel verändert und nahm erheblichen Einfluss auf die Arbeit der engagierten Menschen, die sich um den Sport-Nachwuchs im Berchtesgadener Talkessel und den umliegenden Gemeinden kümmern. Alexander Resch arbeitet seit 2013 ehrenamtlich in der Vorstandschaft des Talentzentrums Wintersport Berchtesgaden, kurz als »Sport-Talent« bekannt. 2014 übernahm er den Vorsitz von Hartmut Karstens. Reschs größte Herausforderung ist die Finanzierung des Sport-Talents.


Massiver Einschnitt

Wenngleich mit höchst differenten Auswirkungen. Während viele Vereine ihre Finanzierungsgrundlage aus ihren Mitgliedsbeiträgen und vielleicht ein paar Spenden schöpfen, wird das 1991 gegründete Talentzentrum Wintersport Berchtesgaden maßgeblich von Sponsorengeldern und Spenden finanziert. Diese werden vor allem durch Veranstaltungen wie die Sport-Gala, die Kinder- und Jugend-Olympiade oder das Seefest am Königssee generiert. Das Seefest musste wie die Sport-Gala abgesagt werden. Zumindest wurden die auserwählten Sportlerinnen und Sportler im »Berchtesgadener Anzeiger« ausführlich porträtiert.

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Die Sport-Talent-Mitgliedsbeiträge machen gerade einmal zwölf Prozent des Gesamt-Etats aus. »Die Pandemie sorgt mit ihrer enormen Entwicklung natürlich für einen massiven Einschnitt«, so Vorstand Alexander Resch. Das bedeute beispielsweise, dass die aktuelle Finanzplanung bereits um knapp 35 000 Euro reduziert werden musste. Noch im Januar unterbreitete Resch den Kollegen des Talentzentrums einen Haushaltsvorschlag – mit positiver Abstimmung – von rund 123 000 Euro für die Nachwuchsförderung im Talkessel. Somit ist die größte Herausforderung aktuell die Finanzierung: »Wenn sich die Situation perspektivisch nicht bessert, sind wir massiv gefährdet«, spricht es Resch drastisch aus.

Möglicherweise sind die knapp 35 000 Euro noch nicht das Ende der Fahnenstange: »Vielleicht kommen weitere Ausfälle dazu.« Es sei zudem noch nicht gewährleistet, dass alle Sponsoren bei der Stange bleiben können: »Es ist richtig bitter, weil wir so stark darauf angewiesen sind, dass unsere Veranstaltungen stattfinden. Corona hat uns hier extrem geschadet«, sagt der 41-Jährige. Fünf Fahrzeuge unterhält das Talentzentrum Wintersport, seine elf Trainer erhalten direktes Gehalt beziehungsweise ein Übungsleiter-Honorar. Insgesamt betreuen 31 Trainer aktuell 189 Kinder. Dies geschieht in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem SK Berchtesgaden, WSV Bischofswiesen, WSV Königssee, SC Schellenberg, RC Berchtesgaden und dem EV Berchtesgaden. »Aus meiner Sicht ist es an dieser Stelle wichtig herauszustellen, wer oder was wir überhaupt sind«, so Resch.

Als vereinsübergeordneter Förderverein des Wintersports sei es die primäre Aufgabe, Gelder zur Nachwuchsförderung bereitzustellen, um gemeinsam mit den Hauptvereinen die strukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen, die von Sportart zu Sportart variieren, bereitzustellen. Sport-Talent sei insofern wesentlich für die Klubs, da sie diese Gelder nicht mehr aufbringen müssen. Vielmehr sei es so, dass sich aufgrund der vereinsübergreifenden Ausrichtung Redundanzen abbauen lassen und Synergien ergeben.

Gerade 2019 hat der Verein eine neuen Weg eingeschlagen: Mit Christian Gruber konnte erstmals ein hauptamtlicher Trainer, der vier Ski-Vereine im U 14-Bereich unterstützt, installiert werden. »Damit können wir ein Alpin-Programm anbieten, welches seinesgleichen sucht«, so Resch. Es ist nun möglich, den hohen Ansprüchen im Skisport gerecht zu werden.

Eine ganz große Nummer

Alex Resch machte sich lange Gedanken, wo er nun wegen der Verluste – allein durch den Ausfall der Sport-Gala 2020 fehlen rund 25 000 Euro – Einsparungen vornehmen könnte. »Natürlich sollte das nicht zulasten der jungen Sportler ausfallen oder dass wir schlimmstenfalls gewisse Abteilungen gar nicht mehr fördern können«. Die Trainer waren sich einig, dass sie nun bis auf Weiteres auf einen Großteil ihres Honorars oder die Übungsleiter-Entschädigungen verzichten. »Einige arbeiten jetzt sogar komplett ohne Vergütung«, so Resch.

Dieser Idealismus, den die Trainer hier im Sinne der Sache an den Tag legen, sei aller Ehren wert und eine ganz große Nummer. »Denn ohne dieses Engagement müssten wir schmerzhafte Einschnitte vornehmen.« Schon jetzt sind Kürzungen bei Projektförderungen wie die Unterstützung von Sommercamps oder Fördermaßnahmen unumgänglich, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Kein Selbstläufer

Wer fördert die Nachwuchsarbeit explizit? Das machen Unterstützer, regional wie überregional, die sich mit dem Wintersport identifizieren und befreundete Unternehmen. Die vor drei Jahren neu ins Leben gerufene Sport-Gala als Nachfolgerin der Berchtesgadener Sportlerehrung trägt maßgeblich zur Refinanzierung der Strukturen bei. Wie schnell ein derartiges Konstrukt ins Wanken geraten kann, sei ernüchternd, sagt Alexander Resch. Er drückt damit eine gewisse Machtlosigkeit aus. Sie zeige, dass die komplette Förderung kein Selbstläufer ist.

Dass Kinder und Jugendliche nach Corona nicht mehr zu ihren Vereinen zurückkehrten, weil sie inzwischen andere Interessen entdeckten, kann Resch in Berchtesgaden und Umgebung nicht feststellen: »Wir begannen relativ früh wieder mit dem Training. Unsere Trainer waren via Zoom-Konferenzen in ständigem Austausch mit ihren Sportlern. Es war uns natürlich schon wichtig, den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen aufrecht zu erhalten und nicht zu vernachlässigen.« Hans-Joachim Bittner

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