Wohnungsbauprojekt des Marktes Berchtesgaden nimmt Fahrt auf

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Der Lehnerparkplatz an der Bergwerkstraße soll überbaut werden.

Berchtesgaden – Das Berchtesgadener Wohnungsbauprojekt nimmt Fahrt auf. Mindestens 8000 Quadratmeter zusätzliche Flächen für bezahlbaren Wohnraum, vermutlich sogar deutlich mehr, will die Marktgemeinde in den nächsten Jahren, großteils zusammen mit dem Wohnbauwerk im Berchtesgadener Land, schaffen.


Das größte von vier Projekten entsteht in der Salzburger Straße, wo es Ersatzbauten für insgesamt drei bestehende Gebäude geben wird. Bebaut werden sollen auch der Lehnerparkplatz an der Bergwerkstraße, der Schwabenwirtparkplatz und der Vier-Jahreszeiten-Parkplatz. Ob Letzterer über einen Konzeptwettbewerb tatsächlich privatwirtschaftlich bebaut wird, soll sich in Kürze entscheiden. Wichtig ist, dass alle öffentlichen Stellplätze erhalten bleiben sollen, weil die Parkplätze überbaut werden.

»Es muss schnell gehen«

Im Rahmen der Sozialraumanalyse hatte Dr. Herbert Tekles den Marktgemeinderäten erst vor Kurzem einige Hausaufgaben mit auf den Weg gegeben. Vor allem war es die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, von kleinen sowie familiengerechten Wohnungen, schon in den nächsten fünf Jahren. Drei Viertel davon sollten Mietwohnungen sein. »Es muss also schnell gehen«, fasste Marktbürgermeister Franz Rasp am Dienstag in der Sitzung des Marktgemeinderats zusammen. Die Gemeinde suchte deshalb nach Flächen in ihrem Eigentum, die schon versiegelt sind. »Das sind vor allem Parkplätze, auf denen die Möglichkeit einer Nachverdichtung besteht«, sagte Rasp. Die öffentlichen Stellplätze sollten erhalten bleiben, darüber jedoch könnten Wohnungen geschaffen werden. Rasp schlug vor, auf insgesamt drei Flächen (Lehnerparkplatz, Schwabenwirtparkplatz und Salzburger Straße) zusammen mit dem Wohnbauwerk im Berchtesgadener Land in die Bauleitplanung einzusteigen, um über ein maßgeschneidertes Bauprogramm im Geschosswohnungsbau günstige Mietwohnungen zu schaffen. Eine weitere Fläche (Vier-Jahreszeiten-Parkplatz) sollte nach Ansicht des Bürgermeisters über eine Konzeptvergabe privatwirtschaftlich bebaut werden.

70 Wohneinheiten in der Salzburger Straße

Rasp stellte die Projekte schließlich einzeln vor. In der Salzburger Straße 9 bis 15 sollen insgesamt drei bestehende Gebäude abgerissen und die Flächen neu bebaut werden. Zwei davon befinden sich im Eigentum des Wohnbauwerks: das rosafarbene Mietwohnungsgebäude direkt im Anschluss an das Martin-Beer-Haus (Grundeigentümer ist die Marktgemeinde) und das daneben stehende Gebäude, in dem sich einmal eine Bäckerei befand. Das Alte Gymnasium dagegen gehört der Marktgemeinde. In den neuen Gebäuden könnten nach den Worten des Bürgermeisters insgesamt 70 Wohneinheiten mit Tiefgarage entstehen. Im Zuge der Baumaßnahme könnte das hinter dem Alten Gymnasium liegende Schülerforschungszentrum einen größeren Vorbereich mit Stellplätzen bekommen. Bei dem »Riesenprojekt«, das einen »deutlich zweistelligen Millionenbetrag« kostet, rechnet Rasp mit einem Zeitraum zwischen fünf und acht Jahren bis zur Realisierung.

Rund 1800 Quadratmeter sind auf dem Lehnerparkplatz (an der Bergwerkstraße neben der Obersalzbergbahn) bebaubar. Auch hier sollen die Stellplätze erhalten bleiben, da der Parkplatz lediglich überbaut wird. »Eventuell kann darunter noch eine Tiefgarage errichtet werden«, sagte der Bürgermeister. Ähnlich verhält es sich beim Projekt Schwabenwirtparkplatz, wo eine Tiefgarage errichtet werden könnte.

Während man sich bei den genannten drei Projekten im Gemeinderat weitgehend einig war, gab es beim Vier-Jahreszeiten-Parkplatz zumindest bezüglich der Vorgehensweise unterschiedliche Ansichten. Für Franz Rasp stand zunächst fest, dass man hier über eine Konzeptvergabe einen Wettbewerb veranstalten sollte. Vorgaben sollten die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die Erhaltung der öffentlichen Stellplätze, die Verhinderung von Teileigentum, eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von fünf Jahren und ein frei bleibender Zuschlag sein. Für die Ausschreibung würde man sich den Städteplaner Manfred Brennecke ins Boot holen, der sich aber nicht an der Wertung beteiligen wolle, weil er bei einem Projekt auf einem Nachbargrundstück beratend mitwirkt.

Mehrere Interessenten

Bürgermeister Rasp machte deutlich, dass er sich auf dem Vier-Jahreszeiten-Parkplatz die Entstehung von Mitarbeiterwohnungen gut vorstellen könne. Es gibt wohl bereits mehrere Interessenten, einer hat nach Auffassungs Rasps bereits ein gutes Konzept vorgelegt. Mehrere Gemeinderäte forderten allerdings in der anschließenden Diskussion (siehe eigener Artikel), die Bebauung des Vier-Jahreszeiten-Parkplatzes im Kontext mit der Maximilianstraße und dem Franziskanerplatz zu sehen. Auch konnten sie sich Alternativen zu Mitarbeiterwohnungen vorstellen. Über die entsprechenden Kriterien bei einer Konzeptvergabe will man sich vor der Beschlussfassung noch einmal im Rahmen einer Ausschusssitzung nächste Woche austauschen. Dazu war Bürgermeister Franz Rasp bereit – »unter der Voraussetzung, dass sich das Projekt nicht verzögert«. In zwei Wochen will der Gemeinderat öffentlich auch zum Vier-Jahres-zeiten-Parkplatz einen Beschluss fassen. Für die anderen drei Projekte gab der Gemeinderat bereits grünes Licht. Die Kosten der Planung und Bauleitplanung werden je zur Hälfte von der Gemeinde und vom Wohnbauwerk übernommen. Sie werden bei einer Realisierung auf den Eigenanteil des Marktes angerechnet. Für heuer werden dafür im Haushalt pro Bauprojekt noch 25 000 Euro eingeplant.

»Mit den genannten vier Projekten decken wir den Wohnungsbedarf für die nächsten Jahre erst einmal ab«, sagte Rasp. Man werde aber »jetzt nicht die Hände in den Schoß legen, sondern das kann erst der Anfang sein«.

Ulli Kastner

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