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Das Großbohrgerät ist 24 Meter hoch. (Foto: Patrick Vietze)

Zwei Giganten müssen zu Höchstleistungen auflaufen – Konfrontation mit Fußgängern am Gleis

Berchtesgaden – 360 Bohrpfähle werden für die neue Stützmauer an der B305 zwischen Bahnhof und Gmundberg angelegt. Zum Einsatz kommen zwei Großbohrgeräte. Fraglich bleibt, ob die Kernarbeit der Straßensanierung noch vor 1. August abgeschlossen wird. In den Sommerferien soll nämlich die B305 zweispurig befahrbar sein. Ein weiteres Problem sind auch die Fußgänger im Gleisbereich.


Das Großbohrgerät sticht einem sofort ins Auge. Name LB-24, 24 Meter hoch. Mithilfe der Maschine werden bis zu elf Meter lange Bohrpfähle in die Mauer gesetzt. Einer wird gerade bei strahlendem Sonnenschein in den Untergrund gerammt. Der Boden vibriert kurzzeitig.

Eine Unbekannte bei den Bohrungen

Laut Martin Bambach, Baudirektor vom Staatlichen Bauamt Traunstein, stehen bisher 50 Bohrpfähle, 210 fehlen noch. Die Bauarbeiter schaffen täglich bis zu 20 Stück. »Das hängt aber vom Untergrund ab«, räumt Bambach ein. Der Boden ist mal weicher, mal härter. Eine Unbekannte ist der Fels. Je tiefer er liegt, desto leichter verläuft die Bohrung.

Durchgeführt wird diese Maßnahme infolge des Unwetters am 17. Juli. Damals wurde die 300 Meter lange Stützmauer weggeschwemmt. Durch die neue Mauer will man für weitere Hochwasser in der Ache gerüstet sein. Dazu benötigt man eine sogenannte überschnittene Bohrpfahlwand, die aus 360 Bohrpfählen besteht. Auf ihnen sitzt später der sogenannte Bohrkopfbalken, auf dem wiederum die Stützmauer angebracht wird.

Anschließend werden die Großbohrgeräte von der Baustelle geräumt. Eine Spundwand wird geschlagen, eine zweispurige Fahrbahn hergestellt. Dieser Vorgang dauert zwei Wochen. Das heißt, spätestens Mitte Juli müssten die Großbohrgeräte geräumt sein, damit man rechtzeitig einen zweispurigen Verkehr auf dieser Strecke gewährleisten kann.

Marktbürgermeister Franz Rasp forderte nämlich, dass die Einbahnregelung von 1. August bis Mitte September aufgehoben werden soll, damit der Hauptreiseverkehr nicht über den Markt umgeleitet werden muss.

Allerdings spricht Bambach von einem »hohen Restrisiko«, zumal kürzlich Probleme auftraten. Die Erneuerung der Stützmauer begann später als geplant, da die Lieferung des Baustahls sich verzögerte. Nun arbeitet die Firma mit Hochdruck, die Bohrpfähle so schnell wie möglich einzusetzen. »Ob wir die Straße in beide Richtungen aber rechtzeitig freigeben können: Diese Entscheidung steht und fällt mit der Bohrpfahlwand. Ich kann es nicht beeinflussen«, betont Bambach.

Noch dazu muss der Baudirektor eine Lösung für die Fußgängerlenkung finden. Aktuell gibt es keinen Fußweg an der B 305. Grundsätzlich will man einen provorischen Fußweg auf einer ehemaligen Gleistrasse vom Bahnhof bis zum Bahnübergang »Achenthal« anlegen. Jedoch gab es Einwände von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, weil streng geschützte Tiere wie Eidechsen im Schotter leben. Bambach sagt aber, dass die Behörde kommende Woche grünes Licht für den provisorischen Fußweg geben könnte.

Bundespolizei mit Appell an die Vernunft

Zumindest wäre ein Problem gelöst, denn gerade die Bundespolizei Freilassing musste öfters einschreiten, wie Pressesprecherin Jasmin Bezler bei einem Termin vor Ort berichtet. nach ihren Angaben gingen vermehrt Meldungen bei der Bundespolizei ein, dass sich Personen unerlaubt auf den Gleisen aufgehalten haben. Sie warnt, dass es nicht nur für Fußgänger gefährlich wird, sondern auch der Zugfahrer in eine brenzlige Situation gerät.

Jedoch könne die Bundespolizei nicht durchgehend Personal für die Überwachung der Gleise einsetzen, so die Pressesprecherin. »Darum appellieren wir an die Vernunft der Leute, den Gleisbereich zu meiden. Es gibt ja Alternativen.«

Laut Bambach nimmt man einen Umweg von nur 200 Metern in Kauf, wenn man hinter dem Bahnhof zum Kugelfeld hinauf und über den Gmundberg hinunter geht – die Höhenmeter wurden dabei ausgeklammert. »Ich gebe zu, die Strecke ist nicht durchgehend barrierefrei.«

Der Baudirektor bemüht sich dennoch um eine transparente Fußgängerlenkung. So wurde eine Bedarfshaltestelle am Bahnübergang »Achenthal« eingerichtet und man kann einen Rufbus dorthin bestellen. Soldaten der Bundeswehr und Gäste der Jugendherberge Strub können einen Shuttle-Bus der RVO nutzen, um zum Bahnhof zu gelangen.

Gezielte Lenkung

Weil die Situation wegen der Sperrungen nicht einfacher wird, sollen an der Gmundbrücke Informationstafeln für Fußgänger angebracht werden, um sie gezielt umzuleiten. »Wir wollen das alles transparent darstellen.« Nun gilt es aber, den Abschnitt der B 305 rechtzeitig in beide Richtungen freizugeben.

Nach der Hauptreisezeit ist ab Mitte September wieder die Einbahnregelung vorgesehen, um bis zum Wintereinbruch noch möglichst viel zu schaffen. »Es steht außer Frage: Die Arbeiten gehen am schnellsten, wenn der Verkehr nur einspurig verläuft«, so Bambach. Je nach Fortschritt werden die Restarbeiten im Frühjahr 2023 umgesetzt. Das Ziel des Staatlichen Bauamts: »Wir wollen bis Dezember eine uneingeschränkte Verkehrsführung für Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer auf dem gesamten Streckenabschnitt.«

Patrick Vietze

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