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Bürgermeister Franz Rasp diskutiert ungezwungen.

Zweite öffentliche Diskussionsveranstaltung zum städtebaulichen Entwicklungskonzept von Berchtesgaden

Berchtesgaden – Die zweite öffentliche Diskussionsveranstaltung zum städtebaulichen Entwicklungskonzept von Berchtesgaden am Montagabend im Kleinen Saal des AlpenCongress war bei Weitem nicht so gut besucht wie die vorausgehende vor einem Monat in der Aula der Bacheifeldschule.


Knapp 20 Leute – inklusive rund eine Handvoll Marktgemeinderäte – waren gekommen. »Wir hätten noch einmal den Fischerbichl diskutieren sollen«, witzelte Marktbürgermeister Franz Rasp. Dann begrüßte er die Bürger und Gemeinderäte und lud sie ein, auch an diesem Abend ihre Ideen zur Entwicklung der einzelnen Ortsteile vorzubringen. Die Ideen, die bereits einen Monat zuvor angeregt worden waren, hatten Verwaltung und Martina Schneider vom Büro für Stadtplanung und Landschaftsarchitektur »Stadt Raum Planung« aus München zusammengetragen.

Sie formulierten daraus Ziele für acht Ortsbereiche: Nonntal, Schlossplatz und Rathausumfeld, Historischer Markt, Umfeld AlpenCongress, Umfeld Franziskanerplatz, Umfeld Bahnhof, Gewerbliches Quartier an der Bergwerkstraße und Königsseer Straße. Martina Schneider projizierte Ortsteilpläne und Fotos der Bereiche an die Leinwand. Sie erläuterte die einzelnen Ziele, die im Wesentlichen Attraktivität sowie Lebensqualität im Markt und Wirtschaftsstärke des Marktes avisieren. Ihren Erklärungen schickte sie voraus, dass das Stadtentwicklungskonzept heute sichern solle, »dass es in zehn Jahren gut ist«. Das Gesamtkonzept, bei dem Zentrale Bereiche, Wohnraum und Mobilität im Fokus stehen, ist eine Übersicht über einzelne Projekte eines stimmigen Gesamtkonzeptes. In diesem Rahmen seien sie auch förderfähig, weiß die Stadtplanerin.

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Planerin Martina Schneider hilft der Marktgemeinde.

Der zeitliche Ablauf der Konzeptentwicklung: Das bisherige Konzept wurde nach der Veranstaltung um die Anregungen ergänzt, dann in einer Klausurtagung dem Marktgemeinderat vorgestellt, in Folge in einer öffentlichen Sitzung beschlossen und anschließend öffentlich ausgelegt, ehe im Januar kommenden Jahres der Beschluss folgt. »Dann machen wir's konkret«, erklärte Franz Rasp, der in der anschließenden ungezwungenen Konzeptvorstellung sehr offen war für Anregungen und sich viel Zeit nahm, zu erklären, warum etwas mal nicht geht.

Nonntal, Schlossplatz und Rathausumfeld

Zu keinem anderen der acht Ortsbereiche hatten die Anwesenden so viel zu sagen wie zum Nonntal. Als »bedeutenden, aber hinter dem Rathaus etwas abgelegenen Ortsteil« bezeichnete Martina Schneider das Nonntal. »Vom Schlossplatz kommend merkt man nicht so recht, dass es weitergeht.« Sie vermutet deswegen und wegen der schlechten Parksituation den Leerstand der Gebäude mit vielen Ladenflächen.

Sie sprach den Bürgen und Gemeinderäten offenbar aus dem Herzen, als sie sagte, sie sehe vor, das Nonntal mit Leben zu füllen und die historische Substanz zu erhalten. Sie könne sich durchaus Gewerbe und Wohnraum dort vorstellen, jedoch keine Geschäfte, die auf Laufkundschaft angewiesen sind. Dienstleisterangebote aber könnten funktionieren. Der ehemalige Gemeinderat Heinz Babel und Gemeinderätin Rosemarie Will (Grüne) erinnerten sich, dass »früher« Friseur, Schuster, Wäscherei und sogar eine Molkerei im Nonntal gewesen waren. Heute kann sich Rosemarie Will dort ebenfalls Service vorstellen. »Im Nonntal ein Ladengeschäft aufzumachen, wäre aber ein Abenteuer«, warf sie ein.

Die Veranstaltungsteilnehmer waren sich einig, im Nonntal braucht es ein Angebot, das auch ohne zusätzliche Parkplätze funktioniert. Einzelne können zwar geschaffen werden, erklärten Martina Schneider und Franz Rasp, viele werden es aber offenbar nicht werden. »Man könnte am Seitenstreifen Stellplätze schaffen«, sagte Franz Rasp. »Das hat Vor- und Nachteile«, ergänzte er.

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Die historische Substanz des Nonntals soll erhalten bleiben.

Die Veranstaltungsteilnehmer machten sich Gedanken, wo im Nonntal Parkplätze, eventuell sogar ein Parkdeck, geschaffen werden können. Marktbaumeister Peter Hasenknopf und Franz Rasp mussten die Vorschläge aus baurechtlichen Gründen ablehnen. Um so wichtiger ist es, die Gemeindestraße – zumindest bis zur Wendestelle hin – fußgängerfreundlich und barrierefrei zu gestalten. Martina Schneider schlug einen verkehrsberuhigten Bereich und einen Streifen mit ebenem Belag vor. »Das Pflaster ist zwar schön, aber nicht barrierefrei«, sagte sie in Richtung Veranstaltungsteilnehmerin und Rollstuhlfahrerin Sabine Beitz.

Rosemarie Will regte für das Nonntal noch eine Querungshilfe eventuell auf Höhe des Burmesterhauses an. Martina Schneider brachte noch an, den Raum zwischen Rathaus und Kirche aufzuwerten oder die Grünflächen zwischen den Häusern hervorzuheben.

Historischer Markt

Nachdem sich die Veranstaltungsteilnehmer intensiv mit dem Nonntal auseinandergesetzt hatten, ging es um den Historischen Markt, der auch dringend barrierefrei gestaltet werden muss. Martina Schneider erklärte, dass Barrierefreiheit ebene Belagsflächen, ebenerdige Zugänge zu den Geschäften und eine Blindenleitung beinhalte. Wieder wandte sie sich an Sabine Beitz, fragte sie, wie sie die Barrierefreiheit im Historischen Markt beurteilt. »In der Dr.-Imhof-Straße fahre ich zum Beispiel immer auf der Straße«, antwortete sie. Eine Aufwertung der Dr.-Imhof-, der Ludwig-Ganghofer- und der Grießstätterstraße sind ohnehin im Stadtentwicklungskonzept enthalten. Sabine Beitz aber sagte, dass sie allgemein in der Marktgemeinde mit vielen Barrieren konfrontiert sei. Auch Behindertenparkplätze fehlten. »Zu wenige Plätze an den Standorten oder an zu wenigen Standorten?«, fragte Peter Hasenknopf. Er habe nämlich den Eindruck, dass zwar, wenn Behindertenstellplätze ausgewiesen sind, genug vorhanden sind, sie allerdings oft zugeparkt sind. Er lud Sabine Beitz ein, die Situation gemeinsam zu beleuchten, um aktiv werden zu können. Ehe als dritter Bereich das Umfeld AlpenCongress besprochen wurde, wies Martina Schneider noch drauf hin, daran zu denken, bei Gebäudesanierungen oder Bestandserweiterungen die ortstypische Bauweise fortzuführen.

Umfeld AlpenCongress

Das Hotel Edelweiss etwa füge sich laut der Münchner Planerin gut ein. Sie regte an, den Bereich zwischen AlpenCongress und dem Hotel aufzuwerten, etwa mit einem grünen Stadtplatz vor dem AlpenCongress und mit einer besseren Wegeführung für Fußgänger. Dass in der Maximilianstraße viel motorisierter Verkehr herrscht, lasse sich nicht vermeiden, sieht Martina Schneider ein, sie regte an, die Querungshilfen entsprechend gut anzuordnen. Die Planerin sprach auch die anstehende Sanierung der Tiefgarage an. »Bäume müssen fallen.« Sie empfahl, womöglich schon jetzt neue Bäume zu pflanzen. »Dann tut es nicht so weh.« Wenn die Tiefgarage hergerichtet wird, könne man sich überlegen, den Buswarteplatz neben dem AlpenCongress zu verlegen. »Die gewonnene Fläche kann man besser nutzen.«

Umfeld Franziskanerplatz

Ebenso den Franziskanerplatz, den die Planerin als »echtes Schmuckstück« bezeichnete. »Man wünscht sich mehr Ordnung des ruhenden Verkehrs«, sagte sie.

Weiter Richtung Stanggaß, auf dem Vier-Jahreszeiten-Parkplatz ist eine Wohnbebauung denkbar, oder besser muss denkbar sein. »Wir brauchen dringend Wohnraum, um die Wirtschaftlichkeit zu erhalten«, machte Franz Rasp deutlich. Auch wenn Ludwig Stockklausner es »fürchterlich« findet, den Vier-Jahreszeiten-Parkplatz als Parkplatz zu erhalten und darüber Wohnungen zu schaffen, komme man laut Franz Rasp nicht drum herum, auf diesem märktischen Parkplatz und auf dem Schwabenwirt-Parkplatz eine bauliche Entwicklung anzustreben. »Es gibt kein entweder oder, sondern ein sowohl als auch«, alle gemeindeeigenen versiegelten Flächen seien potenzielle Bauflächen für sozialen Wohnungsbau.

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Weitaus weniger Leute als vor einem Monat sind bei der zweiten öffentlichen Diskussionsveranstaltung zum städtebaulichen Entwicklungskonzept von Berchtesgaden im Kleinen Saal des AlpenCongress. (Fotos: Lisa Schuhegger)

Auch im Mittelschulgebäude soll Wohnraum geschaffen werden. Ludwig Stockklausner regte noch an, das Schlachthof-Gelände sei ideal für Wohnbebauung. Der Bürgermeister stimmte zu. Wohnraum in integrierter Lage zu schaffen, sei laut Franz Rasp besser, als grüne Flächen zu versiegeln. »Prio 1 hat aber das Projekt in der Salzburger Straße«, sagte der Bürgermeister. Mit dem Wohnbauwerk will die Marktgemeinde vom »rosa Haus« neben dem Martin-Beer-Haus bis zum Altbau des »Alten Gymnasiums« (Salzburger Straße 9 bis 15) Sozialwohnungen, darunter eine Tiefgarage errichten. Geschäftsleiter Anton Kurz teilte auf Nachfrage mit, dass die Mietwohnungen im »rosa Haus« schon jetzt »entmietet« werden.

Umfeld Bahnhof

Als nächstes wurde das Umfeld Bahnhof beleuchtet. Martina Schneider sagte: »Als Planerin bekomme ich sofort Lust, den Stift in die Hand zu nehmen.« Sie empfahl, das Areal um das historische Gebäude als attraktiven Aufenthaltsort zu gestalten, der selbstverständlich barrierefrei ist. »Jeder weiß, da ist viel Luft nach oben. Es braucht gute Ideen.« Eine Idee ist, hinter dem Bahnhof eine Parkmöglichkeit zu schaffen und eine Aufstiegshilfe zum Markt, also zum Beispiel einen Aufzug in den Markt anzubieten.

Gewerbliches Quartieran der Bergwerkstraße

»Berchtesgaden ist nicht nur der historische Markt«, sagte Martina Schneider. »Die Bergwerkstraße ist eher ein gewerblicher Bereich.« Sie regte an, bessere Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger zu schaffen. Zusätzliche Querungshilfen braucht es, so die Meinung der Veranstaltungsteilnehmer, in dem Bereich nicht. »Sie reichen«, sagten Elisabeth und Axel Djan. Franz Rasp warf ein: »Wir wollen in dem Bereich aber eine Geschwindigkeitsbeschränkung, 50 Stundenkilometer bis zum Sporthotel Seimler und 70 bis Unterau.« Weil es eine Staatsstraße ist, muss sie das Staatliche Bauamt Traunstein einführen. Die Behörde lehnt das Ansuchen der Marktgemeinde ab. »Dabei sind schon schwere Unfälle passiert«, merkte Franz Rasp an.

Königsseer Straße

Nach Anwohnerin Rosemarie Will »passt« der Bereich Königsseer Straße so. »Alles ist rundum rollstuhlgerecht.« Und auch ohne Auto könne man sich gut versorgen. Nahversorger, Ärzte, Therapieangebot, Bushaltestelle, alles ist in Reichweite. Passend gemacht werden sollen alle Ortsbereiche. Dafür gibt es Entwicklungskonzept.

li

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