250-Kilogramm-Bombe in Bischofswiesen entschärft

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Den Evakuierungsradius markiert ein Mitarbeiter der Feuerwehr im Einsatzleitwagen. Foto: Kilian Pfeiffer

Bischofswiesen – „Es pressiert jetzt ganz gewaltig”, sagt Willi Handke, Berchtesgadens Polizeichef: In Bischofswiesen ist am Montagnachmittag bei Bauarbeiten am Maximiliansreitweg eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Hektik unter den 80 Einsatzkräften, „wir haben zehn Minuten Zeit zum Evakuieren”, sagt Handke. Aus Lautsprechern dröhnt eine Aufforderung: Die Bewohner umliegender Häuser müssen nun umgehend ihre Wohnungen verlassen. 


Dort, wo die Mure vom Berg herabschwappte, ein zwölf Hektar großes landwirtschaftlich genutztes Feld zerstörte, ist derzeit Baustelle: Hangsicherungsmaßnahmen finden statt. „Wir wissen, dass in diesem Bereich während des Krieges Bomben geworfen wurden”, sagt Rupert Walch, Bischofswiesens Geschäftsleiter. Die Gemeinde hatte Untersuchungen des Geländes beauftragt: Am Montagnachmittag wurden die Experten nun fündig. Eine 250-Kilogramm-Fliegerbombe mit chemischem Zeitzünder ist das Resultat der Suchmaßnahmen entlang des Maximilianreitweges, einem beliebten Wanderweg durch Bischofswiesen: auf der einen Seite Wald und Berg, auf der anderen Wiesen und freie Sicht auf das Berchtesgadener Bergpanorama.

Kurz nach Bekanntwerden riegelt die Polizei das Gelände ab, der Wanderweg darf nicht mehr begangen werden: „Wir können niemanden weiterlassen”, sagt ein Beamter, dessen Polizeifahrzeug den Spazierweg blockiert. Zwei Spaziergänger vermuten: „Die haben was gefunden.” Das letzte Mal wurde ein paar Kilometer weiter, vor ziemlich genau vier Jahren, eine 500 Kilogramm schwere Bombe auf dem Obersalzberg gefunden.

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Vor vier Jahren fanden Bauarbeiter neben der Dokumentation Obersalzberg eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Kilian Pfeiffer

Unweit des landwirtschaftlichen Anwesens, wo vor zwei Monaten die Mure runterging, analysieren Kampfmittelräumer das im Boden vergrabene Fundstück. Polizei, Bayerisches Rotes Kreuz, Feuerwehreinsatzkräfte sind auf dem Gelände. An allen Zuwegungen postieren Helfer, um niemanden in das Gebiet zu lassen. Schnell ist klar: Es ist eine Bombe mit Sprengkraft.

„Wir werden evakuieren müssen”, sagt ein Feuerwehrmann aus Bischofswiesen. Die gesamte Fläche rund um die Fundstelle muss geräumt werden, alle Bewohner sollen die Häuser verlassen, solange das Sprengkommando mit der Entschärfung beschäftigt ist.

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Warten auf weitere Einsatzbefehle: Die Kräfte der Feuerwehr Bischofswiesen. Foto: Kilian Pfeiffer

Einen Kilometer von der Bombe entfernt haben Polizei und Einsatzkräfte die Leitstelle auf einem Parkplatz eines Autohauses an der Aschauerweiherstraße errichtet. Zum ersten Mal in Gebrauch: der Einsatzleitwagen des BRK. Im Inneren sitzen Mitarbeiter vor Monitoren, für eine Stippvisite haben sie keine Zeit. Draußen steht Polizeichef Willi Handke, unterhält sich mit Kreisbrandinspektor Anton Brandner und Feuerwehr-Einsatzleiter Georg Grassl. Immer wieder ertönt der Funk. Auf zwei weißen Tafeln prangen Karten, die das Einsatzgebiet zeigen. Polizeichef Handke sagt: „Wir haben nicht länger als zehn Minuten.” Zehn Minuten Zeit also zum Evakuieren aller Bewohner. „Es muss jetzt schnell gehen.” Ein paar Einsatzkräfte eilen zu einem Fahrzeug, fahren die Aschauerweiherstraße hinauf. Der Lautsprecher ertönt: „Achtung, hier spricht die Feuerwehr. Verlassen Sie das Gebäude und begeben Sie sich zur Gaststätte Brennerbräu.” Der Polizeichef sagt, die Bombe müsse in einer gewissen Zeit entschärft werden, der Sicherheit wegen. „Ich hoffe nicht, dass es knallen wird.”

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Foto: Kilian Pfeiffer

Die Einsatzleitung fordert einen weiteren Notarzt an - Bombenentschärfen ist Arbeit unter Höchstgefahr. Evakuiert werden 61 Personen, 100 weitere werden informiert, müssen ihre Häuser aber nicht verlassen. Das Gebiet ist dünn besiedelt, der Radius der Evakuierung: 500 Meter rund um das Explosivmaterial. Später korrigiert die Einsatzleitung auf 300 Meter nach unten. Mittlerweile ist es dunkel geworden. Die Bewohner fahren mit ihren Autos den Berg hinab, raus aus dem gesperrten Bereich.

Dann beginnt das Warten. Die Feuerwehreinsatzkräfte in und neben ihren Fahrzeugen, Willi Handke tauscht sich mit dem Einsatzleiter aus. Im Leitwagen der Feuerwehr markiert ein Mitarbeiter auf einer Satellitenkarte den Fundort samt Evakuierungsumfeld.

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Karten zeigen den Einsatzort, daneben Notizen der Einsatzkräfte. Foto: Kilian Pfeiffer

„Wir lassen die Bombenentschärfer erst mal arbeiten”, sagt Polizeihauptkommissar Willi Handke dann. Die Einsatzleitung stehe in engem Kontakt mit dem Kampfmittelräumern, heißt es. Es vergeht eine Dreiviertelstunde, in der der Informationsfluss nur dünn ist. Dann ein Funkspruch: Die Sprengung der Zünder erfolge in Kürze, heißt es. Fünf Minuten später, es ist mittlerweile 20.37 Uhr, die Nachricht: „Einsatz erfolgreich.” Die Bombe ist entschärft, wird abtransportiert. Erleichterung unter den Anwesenden. Die Feuerwehr macht sich wieder auf, der Lautsprecher ertönt: „Es besteht keine Gefahr mehr.

kp