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Almbauernversammlung in Bischofswiesen (v.l.) mit Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger, den stellvertretenden Bezirksalmbauern Georg Fegg und Georg Lenz sowie Sepp Glatz, 1.Vorstand des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. (Foto: Bernhard Stanggassinger)

Almbauernversammlung: Mangelnde Wertschätzung der landwirtschaftlichen Arbeit und »Wolf« als Thema

Bischofswiesen – 6,30 Euro Stundenlohn bekommt der Landwirt für seine Arbeit. Das berichtete Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger am Samstag bei der Almbauernversammlung im Bischofswieser »Brenner Bräu«. Er kritisierte die seiner Meinung nach mangelnde Wertschätzung der landwirtschaftlichen Arbeit. Nicht zufrieden sind die Almbauern außerdem mit der Entwicklung rund um das Thema »Wolf«.


Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger eröffnete die Versammlung des almwirtschaftlichen Vereins und der Almbauernschaft Berchtesgaden. Zum Totengedenken an die verstorbenen Alm- und Bauersleute, aber auch im Gedenken an die derzeitigen Kriegsopfer forderte der Vorsitzende die Versammlung auf, sich von den Plätzen zu erheben.

Es folgte von Kaspar Stanggassinger der Kassenbericht. Die Kasse war von Alfons Osenstätter geprüft worden. Er bestätigte eine ordnungsgemäße Kassenführung.

Almen, Grünland und Wald prägten die Berglandwirtschaft, sagte Kaspar Stanggassinger. Es sei bedauerlich, dass in Bayern nur 560 Milchkuhhalter, das sind etwa sechs Prozent, eine Einzelberatung zur Weiterentwicklung des eigenen Betriebes eingeholt haben, und 1,5 Prozent, das sind knappe 150 Rinderhalter, eine Spezialberatung in Anspruch genommen haben. Als großes Problem sieht Stanggassinger die Anbindehaltung im Berggebiet und sogar die Kombihaltung stehe auf dem Spiel, »wenn sich nicht die Bundesregierung der bayerischen Regierung anschließt«.

»Hier stimmt etwas nicht zusammen«

Betriebsauswertungen wurden laut Stanggassinger von Ludwig Huber vom Landwirtschaftsamt Traunstein gemacht und er sei zu dem Ergebnis gekommen, dass bei einem Betrieb mit 26 Kühen der Landwirt auf einen Stundenlohn von 6,30 Euro kommt. »Hier stimmt etwas nicht mehr ganz zusammen«, kritisierte Stanggassinger. Man müsse die jungen Bauern bewundern, die noch Milchviehhaltung betreiben. Die Jungviehbauern würden allerdings genauso benötigt, damit die Almen bestoßen werden können. Das Pensionsvieh sei keine Dauerlösung, »denn das geht im September wieder und wir brauchen auch Bauern, die ihre Flächen bewirtschaften und das Winterfutter für ihre Viecher herbringen und somit auch Landschaftspflege betreiben«. Das werde leider von den Tourismusleuten nicht so anerkannt wie es sein sollte. »Wir müssen aufpassen, dass unsere jungen Leute die Freude an der Almwirtschaft nicht verlieren«, sagte Kaspar Stanggassinger. Der Großteil seien Nebenerwerbslandwirte und man lebe mit 40 Stunden Arbeit.

»Wir müssen zusammenhalten, überhaupt jetzt in diesen Zeiten des Krieges, denn die Leute dort drüben machen was mit«, sagte der Bezirksalmbauer. Für die heimischen Almbauern bedeute das aber auch, dass die Betriebskosten steigen werden. Man sehe es momentan beim Diesel und beim Kunstdünger. Man müsse die heimische Molkerei bewundern, dass jetzt alles so weiterläuft. Die Milch werde abgeholt und auch die Vermarktung passe noch einigermaßen. Gute Nachrichten hatte Kaspar Stanggassinger aus dem Vermarktungszentrum in Traunstein zu melden, denn das nehme Formen an. »Die Pläne sind da und es ist wichtig für uns Bergbauern, dass wir unsere Kälber und auch unsere Viecher dort hinbringen können.«

Wichtig für Tourismus und Landschaftspflege

Landrat Bernhard Kern betonte in seinem Grußwort, wie wichtig es sei, dass man zusammenkomme und sich informativ austausche, auch was den bevorstehenden Almsommer 2022 angeht. Kern bedankte sich bei den Bauern und Almleuten für ihre Arbeit. Die Almwirtschaft sei wichtig für den Tourismus und die Landschaftspflege.

Anschließend sprach Hans Zens, Leiter der Landwirtschaftsschulen Laufen und Traunstein am Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Traunstein. Die von Kaspar Stanggassinger geschilderte Situation in der Landwirtschaft könne das Landwirtschaftsamt nicht ändern, sagte Zens. »Aber wir können versuchen, das Wort ›Für‹ in unserem Namen, welches ›Für Landwirtschaft und Forsten‹ steht, zu betonen und das Schwierige zu erleichtern, damit wir euch unbürokratisch unterstützen können.« Zens berichtete ausführlich über die Ausbildung und das Bildungsangebot der Landwirtschaftsschulen Traunstein und Laufen. Anbindehaltung und Veränderung durch den Preismarkt waren ebenfalls Gesprächsthemen von Hans Zens.

Almfachberater Alfons Osenstätter informierte über fördertechnische Änderungen. Er begann mit dem Bergbauernprogramm. Bei Anträgen sei mehr Zeit einzuplanen. Bei großen Aufträgen über 25 000 Euro würden ab sofort mehrere Angebote eingefordert. Osenstätter berichtete ausführlich über die Förderprogramme, aber auch über die Almflächen. Diese würden nun in einem neuen System überwacht. »Es fährt kein Prüfteam mehr auf die Almen, der Bauer wird mehr in die Pflicht genommen«, sagte Osenstätter. Alle zwei bis drei Tage werden nach seinen Worten Luftbilder gemacht und in ein System eingespielt und die Bearbeitung über den Computer abgewickelt.

Der Ramsauer Bürgermeister Herbert Gschoßmann richtete ein Grußwort im Namen aller Berchtesgadener Bürgermeister an die Almbauern. Er widersprach Kaspar Stanggassinger hinsichtlich dessen Aussage, dass die Touristiker die Arbeit der Almbauern nicht richtig wertschätzen würden. »Die Touristiker wissen Eure Arbeit sehr wohl zu schätzen, aber vielleicht wird es zu wenig zum Ausdruck gebracht«, so der Bürgermeister.

Georg Baumgartner vom Bayerischen Bauernverband betonte, dass Almwirtschaft gelebter Umwelt und Landschaftsschutz sei. Dafür zollte er den Bauern Dank. Er bat alle Almleute, dass sie trotz aller Schwierigkeiten nicht aufgeben und weitermachen.

1. Vorstand Sepp Glatz vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern sprach über Arbeitslöhne der Bauern und zeigte gewisse Probleme auf. Er gab verschiedene Veranstaltungstermine bekannt, die im Internet nachgelesen werden können.

Kritik am Schutzstatus des Wolfes

Von »unerträglichem Tierleid unter dem Schutzmantel des Gesetzes« sprach Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger, als er schließlich auf das Thema Wolf zu sprechen kam. Nach Beobachtungen in den Nachbarländern gebe es schon seit Jahren Hunderte gerissene Schafe und Jungrinder sowie auch Pferde. Das beginne jetzt auch in der Region. »Sollte es bei uns zur Rudelbildung kommen, sind wir verloren. Wenn man als Bauer nur noch ein Viech als Wolfsfutter hat, dann stimmt in der Gesellschaft was nicht mehr zusammen«, so Kaspar Stanggassinger.

Sepp Glatz befürchtet, dass das Thema Wolf nicht ganz ernst genommen werde. Wenn kein Vieh mehr auf der Alm ist, werde man es erst nicht merken. »Es geht schleichend, dass alles zuwächst, dass keine schönen Blumen mehr blühen. Das geht nicht auf einmal, das ist ein schleichender Prozess.«

Alfons Osenstätter informierte im Rahmen der Herdenschutzberatung zum Thema Wolf über die Zäunung. Es gebe Förderkulissen nur für gewisse Gebiete. Viele Fragen sind jedoch noch offen. Wie ist zum Beispiel die Regelung bei einem Freiweidegebiet? Wortmeldungen zum Thema Wolf gab es von Michael Lichtmannegger (Bindalm) und Franz Kuchlbauer (Mordaualm). Alle waren sich einig, dass der Schutzstatus des Wolfes geändert werden müsse. Bürgermeister Herbert Gschoßmann sagte: »Wir sind ganz klar der Meinung, dass der Wolf seine Daseinsberechtigung hat. Aber nicht in Strukturen, die den Tourismus, die Landwirtschaft und die Almen angeht. Diese Strukturen vertragen sich nicht mit dem Wolf.«

Matthäus Michlbauer vom Bauernverband stellte schließlich noch die Frage in den Raum, wer denn die Verantwortung übernehme, wenn vielleicht einmal ein Kind durch einen Wolf Schaden nimmt. Zum Schluss wurde Georg Lenz für seine 20-jährige Tätigkeit als stellvertretender Bezirksalmbauer geehrt.

Bernhard Stanggassinger