»Alpen Film Festival«: Hermann Huber ist prägender Erfinder für den Bergsport – Erster Absturz mit 13 Jahren

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Im September wird Hermann Huber 91 Jahre alt. (Screenshot: Kilian Pfeiffer)

Bischofswiesen – Von einem Leben »verbunden mit den Bergen« berichtet der 90-jährige Hermann Huber in einem Beitrag beim »Alpen Film Festival« im Open-Air-Kino in Bischofswiesen. Als 13-Jähriger stürzte Hermann Huber das erste Mal ab – am Hochstaufen in Reichenhall, »es war meine erste intensive Bergerfahrung«.


In Sachen Bergsport war der gebürtige Münchner, der die Kriegsjahre im Berchtesgadener Land verbrachte, prägend: Als Ausrüstungsentwickler erfand er Universal-Steigeisen und Hohlkarabinerhaken, machte sich als »Mr. Salewa« einen Namen.

Prägender Moment

Wenn er sich an die Kriegszeit erinnert, kommen ihm die Tränen. Als am 25. April 1945, wenige Tage vor Ende des Krieges, die Bomben bei einem Luftangriff auf Reichenhall fielen, saß Huber gemeinsam mit seiner Mutter in einem Kartoffelkeller: »Jetzt bin ich halt nur 14 Jahre alt geworden«, dachte er sich damals. Als »der Wahnsinn« vorbei war, bekam er von einem Soldaten eine Zigarette zugesteckt – für ihn ein prägender Moment.

Seit Hermann Hubers ersten Bergwanderungen mit seinem Vater hat er eine Verbindung zur Höhe und zum Fels entwickelt. Seitdem er 17 ist, klettert er aktiv. Huber zählt zu den ersten Münchner Extremkletterern überhaupt. Schon bald versuchte er sich an schwierigsten Kletterrouten in den Nördlichen Kalkalpen, in den frühen 1950er-Jahren in Frankreich und Italien. 1954 gelang ihm die Erstbegehung der 800 Meter hohen Torwand/Nordwand des Kuhkopfs im Karwendel – eine von vielen. In der Folge machte er Kletterexpeditionen weltweit.

Dass der Tod nah ist, diese Erfahrung kannte Hermann Huber bereits aus Kriegstagen. Er übertrug sie auf den Berg. »Wenn es uns erwischt, bleiben wir hoffentlich nicht schwer verletzt übrig. Das war unsere Grundeinstellung beim Klettern«, sagt er.

Hubers Vater hatte ihm eine Lehrstelle zum Industriekaufmann bei Salewa verschafft, wo der damals 15-Jährige zu arbeiten begann. Die Firma, heute weltbekannt unter Klettersportlern, war damals ein einfaches Sattler- und Lederwarenunternehmen. Huber engagierte sich, brachte seine Erfahrungen von den Bergtouren mit ein, baute die Bergsport-Sparte sukzessive aus.

Für eine Südamerika-Expedition nach Peru mit Besteigungen der Cordillera Blanca und der Cordillera Raura tüftelte er an einem Rucksack, »an einem, den es noch nicht gab«, berichtet er. Größeres Volumen, seitliche Schnürung, man konnte ihn verstellen. Dafür bekam er ein Patent. Der Rucksack wurde ein Verkaufsschlager. Der Alpinist leitete mehrere internationale Expeditionen, unter anderem nach Nordost-Grönland, nach Neu-Guinea und in den Pamir.

Viele neue Entwicklungen

Huber wurde zunächst Verkaufsleiter im Unternehmen, später Geschäftsführer. Er hatte zunächst keine Ahnung von Metalltechnik, »ich war ja kein Ingenieur«, und fuchste sich hinein. Anfang der 1960er-Jahre entwickelte er das erste industriell herstellbare Universal-Steigeisen, später die Rohr-Eisschrauben und die Hohlkarabinerhaken. Das sind Techniken, die bis heute im Bergsport Verwendung finden. Denn die Kletterausrüstung in frühen Jahren glänzte vor allem durch ordentlich hohes Gewicht.

Je weniger, desto besser, das wusste der Alpinbegeisterte nur zu gut. Huber befand sich mit seinen Neuentwicklungen für den Klettersport auf einem guten Weg. Mit »Bergsteigen heute. Ein Leitfaden für die Praxis« hat er eine Orientierung für Alpinisten geschrieben, die in mehrere Sprachen übersetzt wurde und mittlerweile in fünfter Auflage auf dem Markt ist. Huber ist zudem Gründungsmitglied des Sicherheitskreises des Deutschen Alpenvereins.

»In der Welt war ich später als Mister Salewa bekannt«, erinnert sich Huber im Filmbeitrag, für den Tom Dauer Buch und Regie führte. Huber erinnert sich an sein von Bergen geprägtes Leben, an die erste Begegnung mit seiner Frau Fanny, selbst begeisterte Bergsteigerin, die er beim Nudelsuppe-Essen kennenlernte. »Wir können ja mal zum Kraxeln gehen«, habe Hermann Huber ihr angeboten. »Ab diesem Zeitpunkt waren wir beieinander.« Sie sind 60 Jahre verheiratet, zwei Söhne gingen aus der Ehe hervor. Während Fanny ihre Mutterrolle als formatfüllend betrachtete, zog es Hermann Huber weiterhin in die Welt hinaus.

Schöne Erinnerungen

Huber ist jetzt 90 Jahre alt, im September hat er Geburtstag. In Fotoalben und schriftlichen Aufzeichnungen schwelgt er in Erinnerungen. Der Film zeigt Motive aus seiner Jugendzeit im Berchtesgadener Land, das Leben am Fels. »Meine Erfahrung ist, dass jede Erfahrung einem irgendwann irgendetwas bringen wird«, sagt er zufrieden.

Rückblickend sei das Leben eine Bereicherung, eine sehr wertvolle Erfahrung gewesen. Auch wenn er gerne wollte: Die Verfassung lässt es nicht mehr zu, die Hand an den kühlen Fels zu legen. »Meine Schulter«, sagt Hermann Huber. Die Bilder in seinem Kopf werden aber bleiben. Einige Geschichten aus seinem Leben hat er niedergeschrieben, zu finden auf www.hermannhuber.de / Kilian Pfeiffer