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Drei Viertel des Ganghoferfelds bleiben laut Thomas Weber Grünland. Auf einem Viertel der Fläche soll bezahlbarer Wohnraum entstehen. (Foto: Christian Wechslinger)

Aufstellung des Bebauungsplans »Ganghoferfeld«

Bischofswiesen – Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter im Gemeinderat so sehr wie das Ganghoferfeld. Ein Viertel der Fläche soll mit bezahlbarem Wohnraum bebaut werden. Damit man im Kampf gegen die Wohnungsnot schnellstmöglich handeln kann, wurde in der jüngsten Sitzung die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen. Allerdings stimmten gleich sieben Mitglieder dagegen. Bemängelt wurde das voreilige Versiegeln einer Grünfläche – obwohl man in Winkl eine umweltfreundlichere Alternative hätte.


Einig waren sich alle, dass der Wohnraum im Berchtesgadener Talkessel knapp ist und die Situation in den nächsten Jahren schlimmer wird. Einig waren sich auch alle, dass zusätzlicher Wohnraum mittels Innenraumverdichtung in der benachbarten Stangerötz geschaffen werden muss. Das soll durch die Unterstützung des Wohnbauwerks erfolgen.

»Ein Bebauungsplan soll konkret sein «

Hitzig wurde es aber, als es um die geplante Neubaufläche ging, die nach derzeitigem Stand ein Viertel des Ganghoferfelds in Anspruch nimmt. Sepp Angerer (SPD) ist grundsätzlich für neuen Wohnraum, auch am Ganghoferfeld. Er kritisierte aber das Verfahren. Aktuell werde man mit dem Aufstellungsbeschluss nur eine Fläche ausweisen, so Angerer.

Wie viele Häuser aber dort genau errichtet werden sollen, das steht noch nicht fest. »Ein Bebauungsplan soll konkret sein. Ich halte die Ausweisung der Fläche nur für richtig, wenn man auch weiß, wie sie bebaut wird«, sagte er.

Diese Ansicht hatte auch Oliver Schmidt (CSU). Er nannte den Aufstellungsbeschluss einen Schnellschuss, denn nach seinen Angaben ist hierbei die erste Lösung das Bauen auf eine grüne Wiese. »Erst wenn ein konkretes Gesamtkonzept vorliegt, dann bin ich auch für das Verbauen am Ganghoferfeld.« Der jetzige Plan sei aber nicht der richtige. »Da muss uns was Besseres einfallen«, so Schmidt.

Bürgermeister Thomas Weber erklärte allerdings, dass das Errichten neuer Gebäude ein langwieriger Prozess sei, wie man bereits am Burgergraben sehen könne. Darum müsse man sofort handeln. »Es liegt jetzt in unserer Verantwortung, Wohnraum zu schaffen.« Anna-Julia Stumvoll (Die Grünen) wünschte sich wenigstens, dass man den Beschluss trennen könnte. So könnten die Grünen zumindest für die Innenraumverdichtung in Stangerötz stimmen.

Eine Versiegelung der Grünfläche lehnt die Fraktion dagegen ab. Michael Sturm (Die Grünen) erinnerte, dass zwei renommierte Planungsbüros eine Erweiterung der Fläche kritisch einstufen. Ihm sei es lieber, wenn man bezahlbaren Wohnraum in der Ortsmitte oder Winkl-Siedlung schaffen kann.

Alternative in der Sahara

Paul Grafwallner (UBB) nannte eine Sandfläche in Winkl-Siedlung, die der Gemeinde gehört: die Sahara. Nach seiner Auffassung sollte man zunächst das Hauptaugenmerk auf die Sahara und den Burgergraben legen. Weber erwiderte: »Ja, die Fläche in der Sahara gehört uns.« Allerdings benötige man für die Innenverdichtung ein Gesamtkonzept, weil man mit zwei weiteren Grundstückseigentümern einen angemessenen Vertrag schließen müsste. Einen Teil der Fläche besitzt der Freistaat Bayern, mit dem sich die Verhandlungen aber in die Länge ziehen könnten.

Alexander Wimmer (CSU) bevorzugt ebenso eine Innenverdichtung. Zugleich machte er deutlich: »Wir brauchen Neubauflächen. Bei uns herrscht ein extremer Bedarf an Wohnraum.« Hinsichtlich der Sozialraumanalyse werde sich die Lage in Zukunft verschärfen. Mit dem Ganghoferfeld habe man aber die Möglichkeit, die Wohnraumknappheit anzugehen. Natürlich müsse verträglich gebaut werden, so Wimmer. Der Aufstellungsbeschluss sei nun »der erste Schritt von vielen aufwendigen Verfahren«. Dem schloss sich Hans Metzenleitner (SPD) an: »Es ist enorm wichtig, jetzt in die Planung einzusteigen.« Man müsse aus Sicht der jungen Generation denken, so der Sozialdemokrat. Und die derzeitige Ausgangslage sei äußerst dramatisch, es herrsche extreme Wohnungsnot. Der Bedarf werde auch steigen. »Wir sind nun aber in der glücklichen Lage, einen untergeordneten Bereich des Ganghoferfelds ausweisen zu können, der auch wunderbar an das Wohnbauwerk andockt.« Metzenleitner sieht darin eine einmalige Chance, Wohnraum für junge Familien und Fachkräfte zu schaffen.

Paul Grafwallner ärgerte sich über den Begriff »untergeordneter Flächenverbrauch«. Es gebe auch keinen »übergeordneten Flächenverbrauch«. »Die Fläche wird immer vernichtet und versiegelt.« Der UBB-Politiker vertrat auch eine andere Meinung, was die Jugend betrifft. Aus Sicht der jungen Generation dürfte nicht verbaut werden, denn der Flächenschutz entspreche dem Klimaschutz, sagte er. Und die Jugend setze sich im Zuge der »Fridays for Future«-Bewegung für den Klimaschutz ein. Darüber hinaus beklagte Grafwallner, dass nicht alle Zahlen für die Sozialraumanalyse, speziell für die Gemeinde Bischofswiesen, einsehbar seien. Weber versicherte, die Zahlen für die Sozialraumanalyse würden gerade aktualisiert.

Angst vor einem drastischen Einbruch

Simon Schwaiger (CSU) machte dennoch auf die Ergebnisse der Sozialraumanalyse aus dem Landkreis aufmerksam. Mit Blick auf die künftig schwindenden Arbeitsplätze und den Zuzug der Fachkräfte muss laut Schwaiger dringend Wohnraum entstehen. »Wenn wir jetzt nicht handeln, droht uns ein drastischer Einbruch.« Man müsse jetzt die Weichen für den Arbeitsmarkt und den Wohnraum stellen. »Sonst setzen wir die stabilen Steuereinnahmen in der Gemeinde leichtfertig aufs Spiel.« Thomas Resch (Freie Wähler) sieht in dem Bebauungsplan einen guten Kompromiss. Einerseits blieben drei Viertel der Grünfläche erhalten. Andererseits werde bezahlbarer Wohnraum geschaffen.

Marlies Moderegger (Die Grünen) hält es zwar auch für wichtig, dass man genügend Wohnraum für die Zukunft hat. »Es gibt aber garantiert noch andere Möglichkeiten als das Ganghoferfeld.« Vordergründig sollten Mietwohnungen geschaffen werden. Deshalb unterstützt sie auch die Innenverdichtung in der Stangerötz. Modereggers Fazit: ja zum Wohnbauwerk, nein zur Versiegelung der Grünfläche.

Deshalb lehnte sie den Aufstellungsbeschluss ab. Dagegen gestimmt haben auch: Anna-Julia Stumvoll, Michael Sturm, Paul Grafwallner, Sepp Stangassinger, Sepp Angerer und Oliver Schmidt. Trotz des Gegenwinds wird der Bebauungsplan nun für die Träger öffentlicher Belange ausgelegt.

Patrick Vietze