Bischofswiesen blüht auf – Ökologische Aufwertung der Grünflächen

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Freiwillige sollen im neuen Konzept Kleinstflächen pflegen. Dazu gehört auch die Streuobstwiese an der B 20. (Fotos: Christian Wechslinger)
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Blühendes Grün: Eine Versuchsfläche in der Datzmannsiedlung zeigt erste Erfolge.

Bischofswiesen – Weniger Mulchflächen, mehr Magerwiesen: Bischofswiesen soll künftig durch eine fachgerechte Pflege der Grünflächen ökologisch aufgewertet werden. Das verspricht zumindest das gemeindliche Grünflächenpflegekonzept, das Grünflächenreferent Sepp Stangassinger dem Gemeinderat am Dienstag vorgestellt hat. Nicht nur die Ortschaft soll verschönert werden, sondern auch die Schüler sollen von den Umgestaltungen künftig profitieren. Die Ratsmitglieder würdigten Stangassingers Engagement.


»Wir wollen ökologisch wertvolle Räume schaffen und diese gezielt aufwerten«, sagte Sepp Stangassinger, der auch Vorstand im Obst- und Gartenbauverein ist. Ziel der Gemeinde ist es, die Biodiversität zu fördern, Biotope zu vernetzen, Naturerlebnisräume zu gestalten und diese zu beschildern. Ebenso will man die Zusammenarbeit mit Landwirten fördern und die Naturkunde in Schulen und Kindergärten attraktiver gestalten. Der Grünflächenreferent weiß, dass nun viele Aufgaben anstehen. Man könne auch nicht alle Maßnahmen sofort umsetzen.

Der UBB-Politiker habe zwei Jahre lang ein Grünflächenkonzept erarbeitet. In dieser Zeit tauschte er sich mit diversen Vereinen, dem Bauamt und dem Bürgermeister aus. Stangassinger hofft auch auf die Unterstützung vieler Freiwilliger, da die Gemeinde und der Bauhof nicht alles alleine stemmen könnten. »Jeder Gartenbesitzer kann etwas tun, um die Ortschaft ökologisch aufzuwerten«, betonte er.

Stangassinger strebt eine Reduktion der Mulchflächen an, um die Biodiversität zu steigern. Zusätzlich sind vermehrt Magerwiesen geplant, die zweimal im Jahr gemäht werden. Alte Bäume sollten begutachtet werden, ob man sie durch Rückschnitt erhalten kann. Laut dem Referenten ist es unumgänglich, die Grünflächen fachgerecht zu pflegen, um das beständige Ortsbild zu erhalten. »Für die Umsetzung bedarf es einer Aufstockung des Bauhofpersonals«, merkte Stangassinger an.

Drei Säulen

Aktuell fußt das Konzept auf drei Säulen. Erstens ist für den Bauhof eine eigenständige Abteilung zur Grünflächenpflege vorgesehen. Besetzt werden soll sie mit vier Mitarbeitern inklusive des Gemeindegärtners. Eine regelmäßige Schulung des Personals ist vorgesehen. Zudem soll der Bauhof zusätzliche Geräte erhalten. Die Kartierung der gemeindeeigenen Grünflächen erfolgt durch das Bauamt.

Zweitens plant man, die Pflegearbeiten von gemeindlichen Grünflächen an den Landschaftspflegeverband zu vergeben. Drittens setzt Stangassinger auf die Hilfe der Freiwilligen und Vereine, die sich um die Kleinstflächen kümmern. Die Helfer würden die Streuobstwiese an der B20, die vier Verkehrsinseln in der Datzmannsiedlung und den Steingarten bei der Salzhalle pflegen. Der Referent tausche sich ohnehin regelmäßig mit Grundstückseigentümern, Vereinen und Behörden aus. Schließlich sind die Maßnahmen umfangreich. So strebt Stangassinger eine Mahdgutübertragung an, mit der man die Flächen neu aussäen kann.

Die Mulchflächen will er weitestgehend in blühreiche Magerwiesen umwandeln. Geplant ist ebenso die Nachpflanzung der heimischen Wildblumen. Zuletzt sollen auch Neuanlagen entstehen. »Ich wünsche mir auch mehr Obstbäume im Ort. Die Pflege ist nicht aufwendig und die Bäume verschönern zusätzlich den Ort«, sagte Stangassinger.

Der UBB-Politiker hatte bereits mit den Verkehrsinseln in der Datzmannsiedlung erste Grünflächen umgebaut. Dafür sammelte er heimische Wildblumensamen und streute sie auf die Erde. »Das Ergebnis ist beachtlich. Bereits nach eineinhalb Jahren blüht die Verkehrsinsel.« Ebenso erfolgreich sei der Bau des Natur- und Kräuterschaugartens gewesen. Viele Informationspunkte seien geschaffen worden. Dort könne man Neues über die Natur lernen. Stangassinger legt sowieso viel Wert darauf, dass die Menschheit für die Natur sensibilisiert wird. »Denn eines ist klar: Die Natur braucht die Menschen nicht, aber wir brauchen die Natur«, betonte der Referent.

Grüner Pausenhof

Dieser Gedanke müsse bereits in Schulen und Kindergärten vermittelt werden. Daher wolle man auch nach dem Neubau des Schulgebäudes einen Schulgarten und einen grünen Pausenhof anlegen. Zusätzlich sollen die Schulkinder künftig die Möglichkeit haben, Grünflächen selbst zu gestalten. »Mir ist es wichtig, dass die Kinder in der Natur und mit der Natur lernen. Außerdem können sie sich draußen austoben«, so Stangassinger. Dem Referenten sei bewusst, dass viele Maßnahmen in dem Konzept enthalten sind. Deshalb dürfe man auch nicht alles auf einmal umgestalten. »Die Umsetzung des Konzeptes sollte Schritt für Schritt erfolgen und sie bedarf eines Gemeinderatsbeschlusses«, sagte er abschließend.

Die Gemeinderäte waren von Stangassingers Vorstellung begeistert. So auch Bürgermeister Thomas Weber: »Sepp, du hast dir unglaublich viel Mühe gemacht. Es ist wichtig, die Flächen ökologisch zu bewirtschaften.« In diesem Zusammenhang verriet der Rathauschef, dass die Gemeinde mit dem Landratsamt ein Pilotprojekt an der Kreisstraße BGL 17, zwischen Loipl und Hochschwarzeck, durchführen will. Die dortige Grünfläche habe viel Potenzial, um die Gegend ökologisch aufzuwerten.

Schutz der Bäume

Wolfgang Fegg (CSU) lobte Stangassinger ebenfalls. »Ich finde das Projekt sehr gut.« Der Dritte Bürgermeister hatte zwei Anregungen. Zum einen wünschte er sich einen dauerhaften Schutz für die Obstbaumpflanzen. »Es kann mal schnell passieren, dass man beim Mähen aus Versehen den Baum trifft. Das ist unvorteilhaft«, sagte Fegg. Er schlug vor, man könne drei große Kalksteine um den Baum legen. Zum anderen wünschte er sich, dass der Maschinenpark im Bauhof verändert wird. So sollten auch neue Geräte gestellt werden, die das Mahdgut aufnehmen können.

Hans Metzenleitner (SPD) zeigte sich ebenfalls begeistert. »Du hast etwas Tolles auf den Weg gebracht«, sagte er. Der Sozialdemokrat rief in Erinnerung, dass Sepp Stangassinger bereits 2015 einen grünen Schulhof etablieren wollte. Zu diesem Zeitpunkt sei aber der Standort für die neue Mittelschule noch nicht bekannt gewesen. Metzenleitner sagte, er begrüße eine Wiederaufnahme des Projekts, sobald der Neubau steht. »Dein Know-how ist hierfür wichtig«, betonte er. Ein grünes Klassenzimmer sei vorstellbar, aber sollte wohl überlegt sein. Er werde jedenfalls dieses Projekt begleiten. Paul Grafwallner (UBB) lobte die Präsentation: »Besser kann man das Thema nicht darstellen. Bischofswiesen wird schöner werden.« Stangassinger habe bewusst auf Kritik verzichtet, obwohl sie möglich gewesen wäre. In diesem Zusammenhang äußerte Grafwallner den Wunsch an die Verwaltung, sie möge die Gremien im Vorhinein über Maßnahmen informieren, wo Biotope davon betroffen sein könnten.

»Zacher Hund«

Alexander Cramer (CSU) schloss sich ebenfalls den positiven Rückmeldungen an. »Schon damals fand ich das Konzept super.« Zwar sei Stangassinger manchmal in seinem Vorhaben gebremst worden, »doch du bist ein zacher Hund. Bei uns blüht es schon, es könnte aber besser werden«.

Mathias Aschauer (FWG) forderte, dass mehr Arbeitsplätze für die Grünflächenpflege geschaffen werden müssen. »Die Arbeit ist sehr zeitintensiv«, sagt er. Weber sagte, man wolle dem auch nachgehen. Weg vom Mulchen, hin zum Mähen, laute die Devise. Ein Vorteil des Projekts sei die Partnerschaft mit dem Landschaftsflächenpflegeverband. Mit dem Partner könne man das Projekt sehr gut koordinieren. Zudem erhalte die Gemeinde für die Grünflächenpflege eine finanzielle Förderung von bis zu 90 Prozent. Abschließend sagte der Rathauschef: »Bischofswiesen blüht auf.«

Patrick Vietze