Bürgerversammlung: »Kaum konnten wir kurz durchschnaufen, kam das zweite Unwetter«

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Immense Schäden: Enorme Wassermengen strömten bei der Unwetterkatastrophe durch Winkl-Siedlung und überfluteten Häuser. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Corona und die Folgen durch die Hochwasserkatastrophe stellen die Gemeinde Bischofswiesen vor große Herausforderungen, wie Bürgermeister Thomas Weber auf der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Gasthof »Brenner Bräu« mitteilte. In einem Rückblick verkündete der Rathauschef aber auch gute Nachrichten: Die Erweiterung der Grund- und Mittelschule hat begonnen – und der geplante Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs macht nach Webers Angaben Fortschritte. 


Enorme Anstrengungen

Die Gemeinde Bischofswiesen musste laut Bürgermeister wegen Corona den Betrieb komplett herunterfahren. Während der beiden Lockdowns waren das Rathaus, die Tourist-Info sowie die Bücherei für Besucher zeitweise geschlossen. »Wir mussten daraufhin enorme Anstrengungen unternehmen und haben jedes Szenario bei einem Coronafall durchgespielt«, sagte Weber.

So wurden Plätze für Homeoffice geschaffen und Probleme über Videokonferenzen besprochen. Man wolle, so Weber, auch künftig einige Termine online gestalten, »dann müssen wir nicht extra raus fahren«. Diskussionen würden dagegen problematisch. Aus diesem Grund sei er auch froh, dass Präsenztreffen wieder möglich sind.

Noch dazu waren Versammlungen und Veranstaltungen ausgefallen, das Naturbad Aschauerweiher wurde erst Ende Mai wieder aufgesperrt. Inzwischen habe sich die Lage aber verbessert, so Weber. Der Bürgermeister hofft, dass man »einigermaßen normal« in den Alltag zurückkehren könne. Doch nicht nur Corona belastete heuer die Gemeinde. »Leider folgte die nächste Katastrophe. Der Starkregen am 9. Juni hat uns enorm getroffen«, sagte Weber. Dabei wurden einige Häuser überflutet. Nach aufwendigen Aufräumarbeiten schien man die Situation im Griff zu haben.

Mit dem Radlader durch das Hochwasser

Allerdings folgte im Juli die nächste Katastrophe: »Kaum konnten wir kurz durchschnaufen, kam das zweite Unwetter.« Weber sprach bei der Hochwasserkatastrophe von immensen Auswirkungen, die er in seiner Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr noch nie erlebt hatte. Enorme Wassermengen seien durch Winkl-Siedlung geströmt. Der Rathauschef konnte nur mit einem Radlader die überschwemmte Straße befahren, um das Wasser umzuleiten.

Wegen des Unwetters sind sämtliche Straßen und Leitungen unterspült worden. So ist die Stabstollenquelle am Aschauerweiher beschädigt worden. Die Trinkwasserleitung muss erneuert werden. Auch wenn die Schäden verheerend waren, freute sich der Bürgermeister, dass »wir eine unglaubliche Unterstützung erhalten haben – auch im Nachgang«. Die Leute hätten jedem beim Aufräumen geholfen und den Schlamm auf den Straßen beseitigt.

Besonders erfreulich seien die Spenden gewesen, denn »wir waren in der glücklichen Lage, allen helfen zu können«. Weber sei es wichtig, dass Hochwasseropfer verlorene Alltagsgegenstände wie Waschmaschinen ersetzt bekommen. Die Betroffenen hätten genug Probleme mit den Schäden, auch auf psychischer Ebene. »Wir wollen ihnen den Rücken frei halten.«

Damit die Schäden im Falle eines neuerlichen Unwetters künftig minimiert werden, nimmt die Gemeinde zwei Hochwasserschutzmaßnahmen in Angriff. Zum einen soll der Hochwasserschutz im Reissengraben ausgebaut werden. Aufgrund von Murenabgängen in diesem Bereich wurde besonders der Bahnhof Bischofswiesen stark in Mitleidenschaft gezogen. Zum anderen ist ein Hochwasserschutz in Winkl vorgesehen. Man wolle, so Weber, mit dem Wasserwirtschaftsamt die Planungen gründlich durchsprechen, um die Maßnahme erfolgreich umzusetzen.

Aktuell sei man noch beschäftigt, Kleinstschäden abzuarbeiten. Ein Lichtblick sei der Maximiliansreitweg. Die Lücken auf dem Wanderweg sollen nach Angaben des Rathauschefs in 14 Tagen geschlossen werden. Dann sollte die Strecke wieder begehbar sein.

Auch wenn die Katastrophen viele Probleme bereiten, hatte der Bürgermeister auch positive Nachrichten: Die Erweiterung der Grund- und Mittelschule sowie der offenen Ganztagsschule hat in den Sommerferien begonnen. »Wir haben die Planungen so oft überarbeitet und letztlich eine hervorragende Entscheidung getroffen«, sagte Weber. Mit Blick auf die Sozialraumanalyse könne man den Bedarf an Klassenzimmern auch in Zukunft decken.

Erweiterung des bezahlbaren Wohnraums

Neben der Erweiterung des Schulgebäudes wurden auch die Projekte für den bezahlbaren Wohnraum vorgestellt. Der Gemeinderat hat dieses Jahr beschlossen, das Grundstück auf dem Ganghoferfeld in Engedey zu behalten. »Wir werden aber nur einen kleinen Teil bebauen. Wie wir das Projekt umsetzen werden, wird noch im Gemeinderat behandelt«, sagte Weber. Auch »Am Burgergraben« stellte der Bürgermeister Fortschritte fest. Dort sind zehn Häuser mit 70 Wohnungen geplant. Der Bebauungsplan wurde für die Bürger und Träger öffentlicher Belange zum ersten Mal ausgelegt. »Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr mit dem Bau anfangen können«, so der Rathauschef. Darüber hinaus informierte er, dass man den bezahlbaren Wohnraum weiterhin erweitern wolle. »Wir haben eventuell ein Projekt in Bischofswiesen. Dazu müssen wir aber erst geeignete Grundstücke finden.«

Nicht nur der bezahlbare Wohnraum wurde auf der Bürgerversammlung angesprochen, sondern auch der Bahnhaltepunkt Bischofswiesen, der barrierefrei ausgebaut wird. Geplant ist eine neue Zuwegung. Hierfür wird der Brennersteg erneuert. Diese Maßnahme wird voraussichtlich Anfang 2022 abgeschlossen sein. Am Bahnhaltepunkt ist zudem eine E-Ladesäule vorgesehen. »Einziger Wermutstropfen ist das alte Bahnhofsgebäude. Doch daran können wir nichts ändern, weil es sich im Privatbesitz befindet.«

Bahnhaltepunkt Winkl »nimmt Fahrt auf«

Fortschrittlich sind auch die Planungen für den Bahnhaltepunkt Winkl, wie Weber mitteilte. 2016 hat die Projektplanung begonnen, seitdem ist aber nichts passiert. Doch die Gemeinde, das Landratsamt, Staatsministerin Michaela Kaniber und Bundestagsabgeordneter Dr. Peter Ramsauer blieben hartnäckig. Sie forderten vehement eine schnellstmögliche Umsetzung.

Mit Erfolg: Die Gemeinde hat inzwischen einen Konzeptentwurf mit verschiedenen Varianten vorliegen. Der Planungsauftrag für eine Zuwegung zum Bahnhaltepunkt wurde vergeben, »das Projekt hat Fahrt aufgenommen. Ich bin optimistisch, dass der Bahnhaltepunkt im Herbst 2025 ans Netz gehen wird.«

Im Kampf gegen den Klimawandel thematisierte Thomas Weber auch die Gründung der Gesellschaft »Watzmann Natur Energie GmbH«. Dabei haben sich alle fünf Talkesselgemeinden zusammengeschlossen. Das Projekt fußt nach Auffassung des Bürgermeisters auf drei Säulen. Erstens soll der erzeugte Strom aus der Region in der Region vermarktet werden. Zweitens will man künftig alternative Energien wie Wasserstoff erzeugen können. Drittens soll das E-Carsharing – gemeinschaftliche Nutzung der Autos – gefördert werden. »Je einfacher die Bedienung ist, desto geringer ist die Hemmschwelle, dieses Angebot zu nutzen«, sagte Weber.

Herausforderung gemeinsam meistern

In diesem Zusammenhang werde es ein wichtiger Schritt werden, dieses Vorhaben mit dem Nahverkehrsplan abzustimmen. Weber fordert eine vernünftige Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel und ein einfaches Bezahlsystem. »Es muss einfach und günstig sein.« Das Angebot für Bus und Bahn müsse attraktiver werden. Langfristiges Ziel des Bürgermeisters ist, dass möglichst viele Bürger auf den Bus- und Bahnverkehr umsteigen. Der Rathauschef weiß, dass etliche Herausforderungen anstehen werden. Und deshalb hofft Weber weiterhin auf die Unterstützung durch die ehrenamtlichen Helfer: »Ohne euch geht nicht viel. Bleibt dran. Helft euch gegenseitig. Dann werden wir die Herausforderung gemeinsam meistern.«

Patrick Vietze