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Der ganze Stolz: Den kleineren Teil einer schier unüberschaubaren CD-Sammlung hatte Joe Kleffner in seinem Musikzimmer gesammelt. (Fotos: privat)
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Als DJ, hier im Hotel »Edelweiss«, trat er bis zur Corona-Pandemie auf. Er hatte sich gefreut, dass es bald wieder losgeht, sagt Ehefrau Margit Kleffner.

Der »Golden Oldie« sagt Lebewohl: Joe Kleffner verstorben

Bischofswiesen – Oldies, Country und jede Menge Rock 'n' Roll: Musik war Joe Kleffners Leben. Der 75-Jährige, einer der ältesten DJs Bayerns, ist Ende Januar nach einem Eingriff im Krankenhaus verstorben. Der zweifache Urgroßvater hinterlässt Ehefrau Margit, mit der er 54 Jahre verheiratet war. »Ich vermisse die Musik, die er jeden Tag gespielt hat«, sagt die Witwe. Die Sammlung aus über 18.000 CDs und Schallplatten will sie behalten.


Joe Kleffners Musikzimmer ist eine Offenbarung: Musikgeschichte zum Anfassen befindet sich, sauber aufgereiht, in den Regalen, CDs über CDs. Im Keller lagern mehr als 10.000 Schallplatten. Der Platz reichte einfach nicht, alle im Laufe von Jahrzehnten gesammelten Stücke im Musikzimmer unterzukriegen. Bei Joe Kleffner war Musik allgegenwärtig. »Jeden Morgen nach dem Frühstück hat er seine Musik zuhause aufgelegt«, sagt Margit Kleffner. »Das fehlt mir sehr.« Deshalb will sie das Musikzimmer ihres Ehemanns erst mal nicht anrühren. Zu nah liegt der Abschied von Joe zurück.

Die Begeisterung des bekennenden Elvis Presley-Fans, der in der Stanggaß in Bischofswiesen aufwuchs, begann bereits in jungen Jahren. Als er 14 war, suchte er bei den in Berchtesgaden stationierten Amerikanern einen Aushilfsjob: Er durfte zunächst Geschirr spülen, wechselte später an die Musikbox. »Die Soldaten erhielten Woche für Woche ein Paket aus den USA mit den neuesten Platten«, erinnerte sich Kleffner einmal im Gespräch. Dem Jugendlichen war es gestattet, die alten Platten mit nach Hause zu nehmen. Es war der Start einer lebenslangen Sammelleidenschaft und Türöffner für Kleffners späteres DJ-Dasein.

Auf Kleffners Schreibtisch stand seit eh und je der PC, daneben mehrere Festplatten. Gigabyte-weise lagern darauf die Songs, die er digital gesammelt hat. Rund 370.000 Lieder umfasste das Repertoire des Musikliebhabers. Nur einen Klick entfernt, ertönten Swing-and-Sweet-Tanzmusik der 30er-Jahre, kultige Hits der Popgeschichte, natürlich auch Oldies. Vieles sind digitale Erinnerungen an eine Zeit, als Joe Kleffner noch nicht geboren war. »Ich habe seine Musik geliebt«, sagt auch die Ehefrau.

Wenn Musik lief, waren die Kleffners fröhlich, »dann geht es mir gut«, sagte der DJ mal. Auch den Amerikanern gefiel die Begeisterung, mit der er bei ihnen als DJ auftrat, zu allen möglichen Anlässen auflegte. Er war zu Offizierspartys geladen, spielte am Chiemsee Stücke für die in Deutschland stationierten Soldaten, sorgte auf der Zugspitze während eines eisigen Winters für den musikalischen Rahmen. »Musik war Joes Ein und Alles«, sagt seine Frau, die ihn 1967 kennengelernt hatte. »Wir hatten immer eine glückliche Ehe.«

Schon bald hatte er sich im Berchtesgadener Talkessel einen Namen gemacht, er erlebte die Zeit, als die ersten Diskotheken eröffneten. Als DJ bespielte er den ehemaligen »Sulzberger Stadl«, legte in der »Kurhausbar« auf, war für die Musik im »Club 73« in Berchtesgaden am Bahnhofsfußweg zuständig, bis er schließlich in die noch immer existierende »Kaserbar« kam und dort bis Anfang der 1990er-Jahre die Gäste musikalisch mit Oldies unterhielt.

Kleffner, der im Berufsleben als Buchhalter arbeitete, liebäugelte mit dem Radio und bekam 1992 schließlich eine eigene Radiosendung beim ehemaligen Sender »Radio Untersberg«, ehe er sich in späteren Jahren nach Salzburg orientierte und dort für »Radio Melody« und »Radio Arabella« arbeitete. Heraus kamen dabei Sendungen wie »Joes Rock 'n' Roll-Erinnerungen«, eine Country-Show sowie die »Golden Oldies«. Was bei den Zuhörern gut ankam, was zur Stimmung passte, das wusste er. Mehrere Preise der Bayerischen Landesmedienanstalt folgten.

Auch im Rentenalter hörte der vierfache Großvater und zweifache Urgroßvater mit dem Auflegen nicht auf. In seinem Musikzimmer war er jeden Tag zu finden, sagt Margit Kleffner. Dort stöberte er im Internet durch digitale Radiosender, erweiterte die einzigartige Sammlung. Dabei gab es für den DJ mit Leib und Seele natürlich auch Lieblingsinterpreten. Kleffners Herz schlug für viele: Der US-amerikanische Pianist und Singer-Songwriter Fats Domino fällt ebenso darunter, wie Buddy Holly oder der von ihm verehrte Elvis Presley.

Oldie-Abende im Hotel »Edelweiss« und gut besuchte Musikveranstaltungen im »Watz« am Berchtesgadener Bahnhof erfreuten Kleffners DJ-Herz bis zuletzt. Anderen eine schöne Zeit zu garantieren, das stimmte ihn glücklich, sagt Margit Kleffner. Als im Jahr 2002 deutsche Soldaten im Kosovo stationiert waren, schickten die Daheimgebliebenen Weihnachtsgrüße ins Ausland. Gemeinsam mit dem Bundeswehr-eigenen Radiosender »Andernach« durfte Joe Kleffner moderieren. Für ihn sei das eine »Herzensangelegenheit« gewesen.

Das Herz war es auch, das ihm im Alter Probleme bereitete. Im Januar musste er in die Kreisklinik. »Joe rief mich nach einem Eingriff noch an und sagte, er sei so müde.« Der 75-Jährige hatte zwei Stents gesetzt bekommen. Nach vier Tagen sollte er das Krankenhaus eigentlich wieder verlassen. »Er ist leider nicht mehr nach Hause gekommen«, sagt die Ehefrau. Derweil hatte er noch so viel vor: In einem Lokal in der Fußgängerzone von Freilassing wollte er wieder auflegen, so wie vor der Corona-Pandemie. »Er hatte sich schon so lange drauf gefreut«, sagt Margit Kleffner. Joe Kleffner ist am Donnerstag im Beisein der Familie beigesetzt worden.

Kilian Pfeiffer