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Die Loipeier Buttnmandl auf der Kollerhöh. (Fotos: Bernhard Stanggassinger)

Der heilige Mann und seine »wuiden Gesellen«: Loipeier Buttnmandllauf am ersten Adventssonntag

Bischofswiesen – Traditionell fand am ersten Adventssonntag der Buttnmandllauf in Loipl statt. Es war ein wolkenloser Sonntag und der Schnee der vergangenen Tage leider wieder geschmolzen. Gebunden wurden die Buttnmandl im Breidlerlehen, im Zickllehen, im Rosenreithlehen und im Mühllehen. Gegen 15.30 Uhr öffneten sich die Stadl-türen und es wurde auf der Thürhöhe zusammen gelaufen. Den Nikolaus und das »Nikoloweibi« holten die Buttnmandl und Ganggerl im Unterthürlehen ab und gemeinsam ging es hinauf auf die Kollerhöhe.


Man versammelte sich zum Gebet, zwei »Vater unser«, ein »Gegrüßet seist du Maria« und einen »Engel des Herrn«. Mit diesen Gebeten gedachte man an die verstorbenen Buttnmandl und bat den Herrgott um ein unfallfreies Laufen. Die Bäuerin Johanna Ilsanker besprengte Nikolaus, »Nikoloweibi«, jedes Buttn-mandl und Ganggerl und wünschte ein unfallfreies Laufen. Vom Koller Franzerl gab es ein Schnapserl verbunden mit den Worten, »kemmts alle wieder g'sund hoam«. Es war dieses Jahr eine große Schar. Auf einem Foto von der Kollerhöhe kann man 13 Strohbuttnmandl und 9 Ganggerl zählen. Nichts genaues weiß man nicht und es bleibt ein Geheimnis der Loipeier Buttnmandl vom letzten Sonntag. Geredet wird viel und so sagt man nach althergebrachten Erzählungen, dass sich bei der Zahl 13 der leibhaftige Teufel einmal eingeschlichen haben soll.

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Auslaufen beim Breidlerlehen

Gegen 17.30 Uhr besuchte der Nikolaus mit seinem Gefolge die Familien Fegg im Mühllehen. In der gemütlichen Stube war die erste Kerze am Adventskranz angezündet. Großeltern, Eltern, Kinder, Geschwister, Verwandte und Freunde sind zusammen gekommen. Mit einem »Gelobt sei Jesus Christus« betrat der Nikolaus und das »Nikoloweibi«, gefolgt von drei Ganggerl die Stube. Jetzt wurde es ruhig und man hätte meinen können den vier Kindern blieb der Atem weg.

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Das Buttnmandlbinden im Stadl des Breidlerlehen.

Die Kinder der Familien Fegg im Alter von ein bis drei Jahren hatten ein wenig Angst bekommen, doch der Nikolaus verstand es bestens ihr Vertrauen zu gewinnen. Er lobte die dreijährige Anna und die gleichaltrige Sophie, dass sie keinen Schnuller brauchen. Als er dann auch noch ein paar Geschenke für die Kinder zur Hand hatte, war die Aufregung gebannt. Die Kinder wiederum schenkten dem Nikolaus selbstgemalte Zeichnungen, die er gerne mitnahm. Nachdenkliche Worte hatte der Nikolaus für die Erwachsenen. »Wir können stolz sein, dass es in Loipl diesen schönen Einkehrbrauch gibt«, sagte er und mahnte zur Zufriedenheit. Es wurde ein gemeinsames »Vaterunser« gebetet und mit den besten Wünschen für die bevorstehende Advents- und Weihnachtszeit verabschiedete sich der heilige Mann. Ein Ganggerl kam noch mal zurück und bekam von der Sophie eine Walnuss geschenkt, dann verschwand auch das Ganggerl in der finsteren Nacht.

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Der Nikolaus in der Stube des Mühllehens bei Familie Fegg.

Bernhard Stanggassinger