Der Mundartdichter und seine »Bergbleame«

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Natürlich verrät Lorenz Heiß in seinem Buch auch einiges über das Oimrugei.
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Ganz aktuell auf dem Markt: Lorenz Heißs neues Buch »Bergbleame«. (Fotos: Lorenz Heiß)

Bischofswiesen – Wenn die Natur in den nächsten Wochen nach einem langen Winter wieder zum Leben erwacht, dann können sich Wanderer und Bergsteiger wieder an der Blumenvielfalt in den Berchtesgadener Bergen erfreuen. Wer Gamsrugei, Deifeskroin, Pfaffnschua & Co. schon vorher näher kennenlernen will, dem sei Lorenz Heißs neues Buch »Bergbleame« empfohlen. Der leidenschaftliche Bergsteiger, Mundartdichter, Fotograf und Naturliebhaber stellt darin rund 85 der schönsten heimischen Bergblumen vor, nennt ihre Berchtesgadener Bezeichnungen und würzt das Ganze mit einigen Gedichten. Den Erlös aus dem Verkauf des Buches spendet Heiß wieder an die Hilfsaktion »Sternstunden« des Bayerischen Rundfunks.


Oft hat es ihn in den jungen Jahren hinausgezogen in die große, weite Welt. Lorenz Heiß war 1972 Leiter der Berchtesgadener Hindukusch-Expedition mit Besteigung eines Siebentausenders, er bestieg hohe Berge in Peru, Mexiko und Ostafrika. Und doch blieb der Bischofswieser stets ein Sohn seiner Heimat, die er über alles liebt. Weit über 5 000 Bergtouren, die meisten davon in den Berchtesgadener Bergen, konnte Heiß nach eigener Einschätzung unternehmen. Und auch heute, im Alter von 77 Jahren, zieht es den »Lenze« immer noch hinauf. Die Eindrücke und emotionalen Erlebnisse beschreibt Heiß seit vielen Jahren in viel beachteten Mundartgedichten.

Natürlich spielt die Berchtesgadener Mundart auch eine Rolle in seinem neuen Buch »Bergbleame«. So schreibt er beispielsweise ganz am Ende des Buches in dem Gedicht »Pfüa di God scheene Bergwelt«: »A Lebm lang auf Berg gstiegn – a bucklate Roas. Gspür Frost in de Knochn, doch s Herz brennt no hoaß.«

Auf den 120 Seiten davor porträtiert Lorenz Heiß rund 85 heimische Bergblumen jeweils in Kurzform. Dabei legt der Bischofswieser Wert darauf, dass es sich um keine wissenschaftliche Abhandlung handelt,. »Ich bin weder Botaniker noch Blumenexperte. Als Bergsteiger und Blumenfreund will ich mit dem neuen Bildband durch schöne Fotografien und einige interessante Hinweise die Freude an den Bergblumen wecken«, schreibt er im Vorwort. Interessant sind vor allem die unterschiedlichen Namen der Pflanzen, dazu kommt die Bezeichnung der Einheimischen, die Heiß stets erwähnt, weil er dies als »Zeichen der Verbundenheit von Natur, Mensch und Sprache« für wichtig hält.

Lorenz Heißs Lieblingsblumen sind das »Gamsbleame«, der seltene »Weiße Oipm-Mohn« und das äußerst seltene »Route Oimrugei«. Sie sind natürlich genauso streng geschützt wie alle anderen Pflanzen im Nationalpark. Lorenz Heiß erklärt freilich in seinem Buch, dass das »Gamsbleame« eigentlich Alpen-Aurikel heißt. Die Blume wird von den Einheimischen teilweise statt dem Edelweiß als Schmuck am Trachten- beziehungsweise Schützenhut getragen und deshalb oft in Blumenkästen gepflanzt.

Der Frühlings-Enzian heißt bei den Einheimischen »Schuastanagei«. Die Form der Blume erinnert an einen kleinen Nagel – einen Flügelnagel – wie er vom Schuster verwendet wird. Daher der Name »Schuastanagei«. Der Frauenschuh heißt auf berchtesgadnerisch »Pfaffnschua«. Er wächst in lichten Wäldern, hat die größte und schönste Orchideenblüte und ist ganz streng geschützt.

Die Prachtnelke wächst auf Almwiesen bis auf 2 200 Meter. Die gefransten Blüten sind blaulila, auch rosa, und stark duftend. Die Einheimischen sagen dazu »Grasnagei«. Keinen eigenen Berchtesgadener Namen hat das berühmte »Edelweiß«. Auf Lateinisch heißt es Leontopodium alpinum. Die Königin der Bergblumen wächst auf mageren Rasen und in Felswänden in großen Höhen, ist aber, wie Lorenz Heiß weiß, nicht am Watzmann zu finden. Während das neue Bergblumen-Buch nun auf dem Markt ist, entstehen im Kopf von Lorenz Heiß schon wieder die nächsten Mundart-Gedichte. »Es wird noch das eine oder andere Gedichtbuch geben«, sagt der Bischofswieser. Und kündigt gleichzeitig an, dass auch der schriftstellerische Ruhestand langsam immer näher rückt.

Das Buch »Bergbleame« ist im Eigenverlag von Lorenz Heiß erschienen. Es kostet 16,80 Euro und ist im Buchhandel oder direkt bei Lorenz Heiß unter Telefon 08652/69545 erhältlich. Ulli Kastner