Deutschlands modernste Schießanlage entsteht in Bischofswiesen

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Ziel ist vor allem, die Geräuschemissionen der Anlage zu minimieren. Dafür sorgen auch dicke Wände aus Stahlbeton. (Fotos: Christian Wechslinger)

Bischofswiesen – Im Rahmen der Baumaßnahme »Lärmschutz Standortschießanlage« in Bischofswiesen werden derzeit die baulichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Geräuschemissionen der Schießanlage nachhaltig reduziert werden. Hierfür investiert die Bundesrepublik Deutschland an die 27 Millionen Euro in eine moderne und zukunftsweisende Schießanlage, die der Einsatzausbildung und Vorbereitung der Soldatinnen und Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 dienen wird. Diplomingenieur (FH) Hannes Frauenschuh vom BPR Planungsbüro im Bad Reichenhall ermöglichte einen Besuch der im Bau befindlichen Schießanlage der Bundeswehr in Bischofswiesen.


Oberst Stefan Leonhard stellte das große Vorhaben bereits im Jahr 2018 den Verantwortlichen und Anwohnern vor. Die Standortschießanlage erfüllte aufgrund des eingeführten neuen Schießausbildungskonzeptes und den daraus resultierenden gestiegenen Anforderungen an den Lärmschutz nicht mehr die Voraussetzungen für eine entsprechende Nutzung. Zwei Lärmschutzspezialisten zeigten auf, wie geräuscharm die neue Anlage würde. Oberst Leonhard erklärte besorgten Personen, dass die Bundeswehr auch nicht von der erlaubten Höchstschusszahl Gebrauch machen werde, die bis zu 30.000 Schuss pro Tag erlauben würde. Mit dem Baubeginn im Sommer 2019 wurden zunächst die notwendigen Artenschutzmaßnahmen und der Abbruch der bestehenden Anlage zur Baufeldfreimachung durchgeführt. Es folgten die Kanalbauarbeiten im Bereich der Liegenschaftszufahrt sowie die Errichtung einer neuen Stromversorgung. Die vorgenannten Maßnahmen konnten trotz der aktuell schwierigen Rahmenbedingungen bereits vollständig und im angedachten Zeitplan umgesetzt werden.

Weil das Gelände recht weich und teilweise »lettig« ist, wurden zur Stabilität der kompletten Schießanlage 150 Bohrpfähle bis zu 25 Meter ins Erdreich getrieben, um die Standsicherheit gewährleisten zu können.

In Richtung Silberg wurden zur Hangsicherung große »Kolomann-Steine« aus dem Steinbruch Adnet verbaut. Zudem wurden für den Artenschutz mehrere Steine angelegt. Im Zielgelände sind aus Sicherheits- und Lärmschutzgründen aufwendige Betonarbeiten durchzuführen, die derzeit in Arbeit sind.

Schallakustische Dämmvorrichtungen

Die Zielgeländeflächen der beiden Typ-A-Stände für das Sturmgewehr G 36 mit je sechs Schießbahnen auf 250 und 150 Meter werden mit einer Stahlbetondecke überspannt. Schallakustische Dämmvorrichtungen und Schallschluckwände sowie im Zielgelände die Decke in offenem Kassettenraster minimieren den Schießlärm beträchtlich. Die Schießbahnen weisen eine steigende Bezugslinie von vier Prozent auf und befinden sich damit in der geforderten Norm. Die Standflächen der beiden Typ-A-Stände werden mit einer Rasterkassettendecke zur Lärmminderung überspannt. Die beiden Geschossfangkammern in Stahlbetonkonstruktion erhalten ein Gummigranulatkonstrukt zum Auffangen der Projektile.

Im Weiteren entsteht neben den Schießbahnen »A« eine zweigeschossige Raumschießanlage als Massivbau mit einer Breite von 6,5 und einer Länge von etwa 30 Metern für das Schießen mit Maschinengewehr und Pistole P 8.

Zwei Schießbahnen

Dort sollen im Erdgeschoss zwei Schießbahnen entstehen, während im Obergeschoss Technikräume und eine Lüftungszentrale gebaut werden. Um die gesamte Schießanlage wurde eine Straße angelegt. Ferner ist ein Betriebs- und Aufenthaltsgebäude geplant. Es handelt sich dabei um ein kompaktes Gebäude, das aufgrund der Hanglage in zweigeschossiger Bauweise gefertigt wird. Im funktionalen Gebäude sind für die übende Truppe Aufenthalts- und Sanitärräume im Obergeschoss vorgesehen. Für den Schießstandwärter sind Werkstätten, Lagerräume und Büroräume vorgesehen. Die bestehende »D-Schießstandanlage« auf dem Silberg wird nach erfolgter Inbetriebnahme der neuen Raumschießanlage rückgebaut. Die Fertigstellung der Schießanlage der Bundeswehr am Böcklweiher wurde für das Jahr 2024 anberaumt.

Christian Wechslinger