Die Rettung von Bär, Hase, Schaf & Co.

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Paul, Marie und Bruno (v.l.) freuen sich riesig, denn sie haben ihre Plüschtiere wieder zurück. (Foto: privat)
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Verdreckt und stinkend: So sahen die Plüschtiere kurz nach der Überschwemmung aus. Das Foto ist auf große Resonanz gestoßen. (Foto: Ulli Kastner)

Bischofswiesen – Bruno (12), Paul (9) und Marie (2) sind glücklich. Die Geschwister haben all ihre Plüschtiere, die nach der Überschwemmung ihrer Wohnung im Haus »Mooseck« schon für den Müll vorbereitet waren (wir berichteten), zurück. Eine Nachbarsfamilie hat der Familie Dademasch 100 Euro in den Briefkasten geworfen mit der Bitte, den Kindern mit dem Geld etwas Gutes zu tun. Das hat funktioniert: Nach professioneller Reinigung sind nun Affe, Schaf, Hase und Bär wieder zurück in den Kinderbetten.


Der »Berchtesgadener Anzeiger« hatte am Mittwoch letzter Woche ausführlich über die Zerstörungen berichtet, die das Unwetter vom 10. Juni in der Erdgeschosswohnung der Familie Dademasch in der Bischofswieser Steingasse angerichtet hat. Die Flutwelle, die über die Neuwirtbrücke herüberschoss und durch das gesamte Gebäude strömte, hat fast den gesamten Hausrat der Familie vernichtet. »Die größte Resonanz hat aber das im Anzeiger abgedruckte Foto von den verdreckten Plüschtieren hervorgerufen«, sagt Ronny Dademasch. »Viele Leute haben uns darauf angesprochen.«

Einer Nachbarsfamilie taten die Kinder, die bei dem Unwetter fast ihr gesamtes Spielzeug verloren hatten, besonders leid. Sie warf 100 Euro in den Briefkasten der Familie Dademasch, um damit den Kindern etwas Gutes zu tun. Die Kleinen hatten natürlich sofort eine Idee: Die schon für den Abfall vorbereiteten Plüschtiere sollten gerettet und gereinigt werden. »Natürlich stehen die Kosten für eine Reinigung nicht dafür, weil man für das Geld neue Plüschtiere kaufen könnte«, sagt Ronny Dademasch. Aber der Familienvater weiß natürlich, dass das Herz der Kinder an Affe, Schaf, Hase & Co., mit denen sie schon seit Jahren kuscheln, ganz besonders hängt.

So nahm der zwölfjährige Bruno die Sache selbst in die Hand. In einer großen Tasche brachte er die Stofftiere zur Reinigung gegenüber, wo sie einer gründlichen »Körperpflege« unterzogen wurden. In der Ferienwohnung, die die Familie Dademasch seit dem Unwetter bewohnt, sitzen die Tiere jetzt wieder schön aufgereiht in den Betten der Kinder. Und die Freude bei Bruno, Paul und Marie ist riesengroß, ein kleines Stück Normalität ist damit zurückgekehrt.

Die Wohnung im Haus »Mooseck« ist mittlerweile komplett leer geräumt. »Unser gesamtes noch verbliebenes Hab und Gut ist, verpackt in Umzugskartons, ausgelagert«, sagt Ronny Dademasch. Mittlerweile ist klar, dass hier eine Kernsanierung ansteht. Eigentlich wollte die Familie Dademasch, die seit dem Unwetter die Ferienwohnung eines Nachbarn bewohnt, irgendwann in die alte Wohnung zurück. »Doch das dauert mindestens vier bis sechs Monate«, weiß der Polizeibergführer. Dazu kommt die Sorge vor einer erneuten Überschwemmung aus Richtung Aschauerweiher- und Hauptstraße. Dademasch hat zwar gute Gespräche mit der Gemeinde geführt, Bürgermeister Thomas Weber wünscht sich bauliche Veränderungen, um die Hochwassergefahr für die Steingasse und auch andere Bereiche künftig zu reduzieren. Doch so lange kann und will die Familie Dademasch nicht warten. »Wir wollen nun nach Möglichkeit irgendwo Wohneigentum erwerben«, sagt Ronny Dademasch. Das ist nur möglich, weil die Unwetterschäden von der Versicherung abgedeckt sind.

So blickt die Familie Dademasch, trotz der harten Zeit nach dem 10. Juni, optimistisch in die Zukunft. Die unverhoffte Rettung der Plüschtiere hat ja gezeigt, dass irgendwann alles wieder gut wird. Ulli Kastner