Ein Freund der Kinder und ein kollegialer Chef

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Die Ruhestandsurkunde erhielt der scheidende Schulrektor Hans Metzenleitner (r.) aus den Händen von Schulamtsdirektor Klaus Biersack, der zum 1. September ebenfalls in den Ruhestand geht.
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Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber (l.) bedankte sich bei Hans Metzenleitner für sein Engagement als Schulleiter und Kommunalpolitiker und begrüßte die neuen Schulleiterinnen Magdalena Perez Moreno (Mittelschule/2.v.l.) und Daniela Frank (Grundschule/2.v.r.) mit Blumensträußen. (Fotos: Ulli Kastner)

Bischofswiesen – Zwei Jahre konnte Hans Metzenleitner seinen Ruhestand noch hinauszögern. In dieser Zeit wollte er als Leiter der Grund- und Mittelschule das große Bauprojekt am Bischofswieser Schulcampus möglichst noch bis zur Fertigstellung begleiten. Doch es kam anders: Die Arbeiten zum Bau der gemeinsamen Mittelschule haben bis jetzt noch nicht einmal begonnen, dafür lautete die neue Herausforderung Corona. Obwohl sich der heute 67-Jährige den Ausklang seiner Berufslaufbahn als Lehrer anders vorgestellt hatte, fällt dem bei Kollegen und Schülern sehr beliebten Rektor der Abschied von seiner Schulfamilie schwer. Das war am Mittwoch bei der Entlassfeier in der Schulturnhalle zu spüren.


Das Lehrerkollegium hatte sich ein unterhaltsames Programm zum Auftakt der »School-is-out«-Abschiedstour, die hinterher im »Brenner Bräu« endete, einfallen lassen. Langjährige Weggefährten, Vertreter von Politik, Kirche und Vereinen sowie drei Schulamtsdirektoren (Frank Thieser/ehemals, Klaus Biersack/aktuell und Helmut Mayer/ab 1. September) erlebten einen gut gelaunten, aber auch etwas wehmütigen Hans Metzenleitner, der in seiner gesamten 43-jähriger Lehrerlaufbahn – davon zehn Jahre als Schulleiter in Bischofswiesen – nach eigenen Worten »keinen einzigen Tag ungern in die Schule gegangen ist«.

Die Erklärungen der Grundschüler

Am meisten dürften den gebürtigen Königsseer die vielen lobenden Worte zu seinem Abschied und die unterhaltsamen Beiträge auf der Entlassfeier gefallen haben. Die Grundschüler sorgten durchwegs für Erheiterung, als sie nach dem Vorbild der Unterhaltungssendung »Dingsda« danach gefragt wurden, warum ihr Rektor denn nun in den Ruhestand gehe und was er denn dann so mache. Natürlich ahnten die Schüler, dass Hans Metzenleitner »alt« sei, vielleicht sogar »100 Jahre«, dass er keine Lust mehr habe, das »ganze Wochenende kopieren zu müssen« und dass er jetzt womöglich »ins Altersheim geht«.

Dass sich Hans Metzenleitner sich seinen Ruhestand einfach nur verdient habe, wusste dagegen Schulamtsdirektor Klaus Biersack, der dem scheidenden Schulleiter die Ruhestandsurkunde überreichte. Der ebenfalls bald scheidende Schulamtsdirektor rief in Erinnerung, dass Hans Metzenleitner nach dem Studium »Lehramt für Volksschule« in München 1978 das erste Staatsexamen abgelegt habe. Metzenleitner war dann in der Hauptschule Berchtesgaden, in der Volksschule Marktschellenberg und in der Volksschule Königssee eingesetzt. Nach dem zweiten Staatsexamen musste Metzenleitner allerdings den Landkreis für kurze Zeit verlassen. »Hans Metzenleitner hat nichts unversucht gelassen, um das zu verhindern«, sagte Biersack mit einem Augenzwinkern Doch genützt hat es nichts, er musste für ein Jahr nach Augsburg. Nach einer anschließenden Zwischenstation in Bad Reichenhall wurde dann 1987 endlich dem Wunsch Metzenleitners auf Versetzung in den südlichen Landkreis entsprochen. Ab dem Jahr 2000 war er dann Konrektor an der Hauptschule Berchtesgaden und seit 1. August 2011 Rektor an der Grund- und Mittelschule Bischofswiesen.

Obwohl Metzenleitner nach eigenen Worten »nie in eine leitende Position« wollte, machte ihm die Arbeit dann doch großen Spaß, weil er sowohl in Berchtesgaden als auch zuletzt in Bischofswiesen hervorragende Arbeitsbedingungen und große Kollegialität vorfand. »Hans Metzenleitner war immer ein Freund der Kinder und ein Pädagoge, wie er im Buche steht«, lobte Klaus Biersack. Seine bisherige Schulleiterposition als Chef der Grund- und Mittelschule wird künftig in zwei Ämter getrennt: die Leitung der Grundschule (künftig Daniela Frank) und die Leitung der Mittelschule (künftig Magdalena Perez Moreno).

Der »homo politicus«

Klaus Biersack erwähnte schließlich auch den »homo politicus« in Hans Metzenleitner, der weiterhin als Gemeinde- und Kreisrat für die SPD aktiv sein wird. Auch in der Planungsgruppe Mittelschule wird der Bischofswieser weiterhin präsent sein. Im Jahr 2024 soll die neue Mittelschule endgültig in Betrieb gehen. Der Schulamtsdirektor wünschte dem scheidenden Schulleiter, dass er künftig mehr Zeit für seine Kinder, seine drei Enkelkinder und seine Frau Gertraud habe und noch mehr seinen Hobbys Bergsteigen und Rockkonzerte frönen könne. Die Grundschüler hatten dagegen in dem Videobeitrag noch andere Vorschläge für die künftige Freizeitgestaltung Metzenleitners: »Länger im Bett bleiben«, »Chillen« oder »nach Italien fahren«.

Vor allem den »homo politicus« Metzenleitner beleuchtete auch Bürgermeister Thomas Weber in seiner Laudatio. Der wusste, dass sich der scheidende Rektor nie auf seinen Ruhestand gefreut habe. Immerhin werde er das Projekt Schulneubau aber weiterhin kommunalpolitisch begleiten. Metzenleitner sei seit 24 Jahren Gemeinderat, darüber hinaus Kreisrat und Träger der Goldenen Bürgermedaille. Weber wusste, dass er seit genau 2 645 Tagen kommunalpolitisch mit Hans Metzenleitner zusammenarbeite – »und das ist bis heute eine Freude«. Vor allem lobte der Rathauschef auch Metzenleitners Engagement bei der Errichtung einer Offenen Ganztagsschule, die ein großer Erfolg sei.

Erfolgreiches Projekt »Sport nach 1«

Nicht schon immer waren CSU-Mann Bernhard Heit-auer und SPD-Genosse Hans Metzenleitner Freunde. Doch verschiedene Projekte zum Wohle der Kinder haben den 1. Vorstand des WSV Bischofswiesen und den scheidenden Schulleiter zusammengeschweißt. Das hob Heitauer in seinem kurzen Beitrag hervor und dankte Metzenleitner für die Umsetzung des Projekts »Sport nach 1«. Sein Wunsch: Das Projekt möge auch nach Metzenleitners Ausscheiden fortgeführt werden. Und dann formulierte Heitauer noch eine Idee: Nach dem Vorbild des Kellnbergerbaus und des Hartmannbaus sollte in der neuen Schule ein Gebäudetrakt auch nach Hans Metzenleitner getauft werden.

In einem humorvollen Beitrag stellte Prof. Dr. Jürgen Müller, Leiter der Offenen Ganztagsschule, die positiven Eigenschaften Hans Metzenleitners noch einmal heraus. In insgesamt vier Kapiteln bescheinigte er ihm die Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen und zu leiten. Er habe es geschafft, die Schulräume mit »einem besonderen positiven Geist« zu bereichern. Außerdem vermittle Metzenleitner nicht nur demokratische Grundwerke, sondern lebe sie auch vor. Und er sei ein strenger, aber immer gerechter Pädagoge gewesen.

Zahlreiche Filmbeiträge der Lehrer, Instrumental- und Gesangseinlagen von Lehrern und Schülern (Hansi Punz/Ziach und Maxi Strobl/Ziach) unterhielten die Festgäste bestens und stellten die Charaktereigenschaften Hans Metzenleitners noch einmal heraus. Dankbar ist man dem Bischofswieser vor allem dafür, dass er die Schule bislang sehr gut durch die Corona-Zeit gebracht habe. Daniela Frank und Steffi Palm sagten dem scheidenden Rektor Dank dafür, dass er seine Amtszeit um zwei Jahre verlängert habe. Eine Stärke Metzenleitners, die immer wieder herausgestellt wurde, war sicherlich auch die Fähigkeit, zuhören zu können. »Eines habe ich von Dir ganz besonders gelernt: Führen hat viel mit Vertrauen zu tun«, sagte Daniela Frank. Den Dank der Schüler überbrachte Patrick Lenz, der von »tollen Schuljahren« sprach. Den scheidenden Rektor, der »auch manchmal ein bisserl schimpfen musste«, bezeichnete er als freundlich, nett, und gesprächsbereit.

Laufbahn mit vielen Glücksfällen

»Verdammt gerne« war er 43 Jahre lang Lehrer, bilanzierte Hans Metzenleitner als letzter Redner des Abends. Mit vielen Anekdoten ließ er seine Laufbahn noch einmal Revue passieren und sprach von »vielen Glücksfällen«, die er in all den Jahren erleben durfte. Wichtig war ihm vor allem immer der respektvolle Umgang miteinander. Geprägt wurde Metzenleitner unter anderem von dem seit langem verstorbenen Erich Güll, den der Bischofswieser als »Schulleiter mit Rückgrat« bezeichnete. Metzenleitner erinnerte sich an unterhaltsame »pädagogische Nachbesprechungen« im »Bräustüberl« und auf der »Ligoascht«. Die Rede des scheidenden Rektors war gekennzeichnet von tiefer Dankbarkeit gegenüber seinen ehemaligen Kollegen, vor allem in Berchtesgaden und jüngst in Bischofswiesen. Die erwiderten den Dank zusammen mit den anderen Festgästen mit stehenden Ovationen.

Ulli Kastner