Einweihung: Mahnmal an der Kirche in Winkl gesegnet

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Pfarrer Markus Moderegger segnete das Mahnmal. (Fotos: Bernhard Stanggassinger)
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Setzten sich für die Renovierung des Mahnmals ein (v.l.): Günther Paulfeit, Werner Schmidt und Gerhard Bilek-Sedlmeir.

Bischofswiesen – Die Feier zur Einweihung des restaurierten Mahnmals an der Kirche in Winkl hätte schon Mitte Juli stattfinden sollen, musste dann aufgrund des Wetters aber auf letzten Sonntag verschoben werden. Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob zelebrierte im Beisein von Pfarrer Markus Moderegger eine Messe, an der auch die Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine teilnahmen. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Kirchenmusikerin Angela Hanke und von den Bischofswieser Bläsern gestaltet. Die Predigt hielt Pfarrer Moderegger.


Blick in die Zukunft

»An so einem Tag sind wir geneigt, zunächst einmal in die Vergangenheit zu blicken«, sagte Moderegger. »Wir blicken auf 15 Millionen Deutsche, für die ab 1945 ein dunkles Kapitel in der Menschlichkeit begonnen hat. Die Vertreibung aus ihrer geliebten Heimat war die Folge der Nazidiktatur, die eine Million Menschen vorher heimatlos gemacht hatte.« Moderegger fügte hinzu: »Blicken wir aber auch in die Gegenwart und Zukunft, Mahnmal – Denkmal, diesen Satz kann man verbinden, ›Denk mal anders‹.« Das Mahnmal ist für Pfarrer Moderegger wie ein Spiegel. Dieser sei nicht nur Gebrauchsgegenstand, sondern auch ein Hilfsmittel, um die Wahrheit erkennen zu können.

»Ich bin dankbar, dass wir unser Mahnmal jetzt vervollständigt haben, ein Vergelt's Gott denen, die initiativ waren. Ihr habt nicht locker gelassen und habt alle daran Teil haben lassen, dass wir jetzt auch einen Spiegel haben. Wenn wir auf dieses Mahnmal schauen, dann haben wir den Spiegel Jesus vor uns. Dieser Kopf, der da jetzt befestigt ist, er sollte nicht nur kalter Marmor sein, er sollte auch eine Botschaft für uns sein, für die Gegenwart und für die Zukunft. Wir blicken künftig und auch jetzt auf Jesus, der uns das wahre Leben schenken will, der für uns zum Brot des Lebens geworden ist«, so Pfarrer Moderegger.

Flucht und Vertreibung

Grußworte gab es von Bürgermeister Thomas Weber. Es sei ein steiniger Weg gewesen, bis die Feier nun stattfinden konnte. Für den letzten Stein – die kurzfristige Absage – entschuldigte sich der Bürgermeister. Es sei aufgrund des Unwetters kein Durchkommen gewesen.

»Ich möchte mich für das besondere Engagement bei Werner Schmidt, Gerhard Bilek-Sedlmeir und Günther Paulfeit recht herzlich bedanken«, so Weber. Im Gedenken an diese Opfer von Flucht und Vertreibung, aber auch als Symbol zur »Wahrung des Friedens« wurde gemeinsam mit den Vertretern der Sudetendeutschen Landsmannschaft ein Kranz niedergelegt.

Gerhard Bilek-Sedlmeir erinnerte an die Einweihung des »Mahnmals der Heimatverwiesenen« am 25. September 1949 von der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Lager Winkl. Hierzu gibt es in seinem Buch »50 Jahre Winkl« Bilder und einen Bericht sowie einen Zeitungsbericht aus dem »Anzeiger« (siehe Kasten). Bilek-Sedlmair berichtete ausführlich von der Flucht seiner Eltern, der Ankunft und dem Leben in den Baracken in Winkl. Die Siedlung Winkl wurde zur zweiten Heimat. Sein Appell ging an die Jugend, welche sich für den Erhalt des Denkmals einsetzen soll. Zwei Kränze, einer von der Sudetendeutschen Landsmannschaft und einer von der Gemeinde Bischofswiesen, schmückten das Mahnmal. Genauso wehten die Fahnen der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Gemeinde Bischofswiesen. Die Fahnenabordnungen nahmen Aufstellung am Kirchenplatz und zum Einzug von Pfarrer Markus Moderegger spielten die Bischofswieser Bläser.

Moderegger segnete das Mahnmal, die Fahnenabordnungen senkten die Fahnen und die Bischofswieser Bläser spielten das Lied vom »guten Kameraden«. Die Weihnachtsschützen Winkl feuerten dabei drei Schuss ab.

Bernhard Stanggassinger