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Die Absolventen und Lehrer: (v.l., vorne) Tamara Ennemoser-Schurich, Veronika Öttl, Sophia Böhnke, Gertraud Bauer, Alexandra Gassner, Leonie Gasch, Christina Reiter, Anneliese Kunkel, Andrea Fendt, Katharina Schwaiger, (v.l., hinten) Stefanie Hinterbrandner, Manuela Datzmann, Jennifer Spannlang, Herma Buse, Johanna Cramer, Susanna Koll, Silvia Huber, Constanze Zinner, Alicia Allakaj, Gundula Huber und Martin Kienast. (Foto: Alexandra Behr)

Emotionales Abschiedsfest der Absolventinnen und Schulleiterin der CJD-Kinderpflegeschule

Bischofswiesen – »Ihr seid das Licht der Welt«, hieß es in der Lesung, die Pastoralreferent Martin Kienast in der Andacht in der Pfarrkirche Bischofswiesen anlässlich der Abschlussfeier der CJD Berufsfachschule für Kinderpflege vortrug. 13 junge Staatlich geprüfte Kinderpflegerinnen erhellen künftig den Tag der Kinder. Sie erhielten nach der Andacht ihre Abschlusszeugnisse, ehe die langjährige Schulleiterin Anneliese Kunkel in den Ruhestand verabschiedet wurde. In ihren 30 Jahren an der Schule war auch sie Licht für Schüler und Kollegen, wie in der teils sehr emotionalen Abschiedszeremonie deutlich wurde (siehe unten).


Kienast, der die Absolventinnen auch unterrichtete, griff in der Predigt erneut das Licht auf: Die jungen Frauen seien berufen, Licht zu sein für die Kinder, sagte er. Das »Licht-sein« symbolisierte eine große Leuchtturmnachbildung vor dem Altar. Licht gebe Orientierung, Sicherheit und spende Wärme, so Kienast weiter.

Die Wärme, die die Absolventinnen und Lehrer der Schule ausstrahlen, war auf der ganzen Feier zu spüren: Sie lächelten sich an und sagten sich liebe Worte. In der Andacht sagte jede Absolventin einer ihrer Kolleginnen, was sie an ihr schätzt. Es wurde persönlich und es flossen Tränen. Auch an die Lehrer richteten die Absolventinnen wahrlich warme Worte à la »Sie haben uns bei Problemen geholfen«, »Sie haben uns immer motiviert«. Nach dem Abschlusslied fanden sich Absolventinnen, Lehrer und Gäste im Pfarrheim ein.

Anneliese Kunkel begrüßte die Ehrengäste Christian Hinterbrandner, Gesamtleiter des CJD Bayern, ihre CJD-Schulleiterkollegen, Bürgermeister von Bischofswiesen, Thomas Weber, Landrat Bernhard Kern – und ihren Ehemann Hermann Kunkel, Leiter der Staatlichen Berufsschule Berchtesgadener Land. Bernhard Kern sagte den Absolventen, wie wichtig sie mit ihrer Berufsausbildung für die Kommunen seien. »Sie werden dringend gebraucht. Sie werden händeringend gesucht«, so der Landrat. 30 000 pädagogische Fachkräfte fehlten in Bayern, wusste er zu berichten.

»Die Berufsaussichten sind momentan hervorragend«, sagte auch Anneliese Kunkel, die die Absolventinnen schon, bevor sie ihre Abschlusszeugnisse erhielten, beglückwünschte. Stolz sei sie auf jede ihrer 13 ehemaligen Schülerinnen (Alica Allakaj, Gertraud Bauer, Sophia Böhlke, Johanna Cramer, Leonie Gasch, Alexandra Gassner, Silvia Huber, Meryem Keskin, Susanna Koll, Veronika Oettl, Christina Reiter, Jennifer Spannlang, Constance Zinner), besonders stolz auf jene elf, die zusätzlich den mittleren Schulabschluss erreicht haben, und auf die Mütter, die parallel zum Muttersein die Ausbildung absolvierten, zwei sogar mit einem Einser-Schnitt. »Das ist einen Applaus wert«, sagte die scheidende Schulleiterin. Dann überreichten die nachfolgende Schulleiterin Tamara Ennemoser-Schurich und Manuela Datzmann die Zeugnisse. Jede Absolventin bekam dazu ein Leuchtturm-Kissen und ein gerahmtes Foto. Thomas Weber sagte, es sei unglaublich toll, »wenn man mit Kindern umgehen kann«. Bei den Absolventinnen der Schule wisse er die Jüngsten der Gemeinde in guten Händen. Den Jahrgangsbesten überreichte er einen Staatspreis und eine Urkunde des Landkreises.

Lisa Schuhegger

Tränen zum Abschied

Im Rahmen der Abschlussfeier der CJD Berufsfachschule für Kinderpflege wurde auch die langjährige Schulleiterin Anneliese Kunkel verabschiedet. »Gemeinsam in die Zukunft« lautete in diesem Jahr das Motto der Bildungseinrichtung. So blickt Anneliese Kunkel nun in eine gemeinsame Zukunft mit ihrem Ehemann Hermann Kunkel. Beide wurden vor 37 Jahren am selben Tag als Lehrer vereidigt und treten nun gemeinsam in den Ruhestand ein.

Seit 30 Jahren unterrichtet Anneliese Kunkel an der Schule, zwölf Jahre leitete sie sie. Bei der emotionalen Verabschiedung der sowohl bei Schülern als auch Kollegen beliebten Direktorin floss schon die ein oder andere Träne. »Normalerweise bin ich nicht so nah am Wasser gebaut«, schmunzelte Anneliese Kunkel, während sie sich die feuchten Augen wischte.

»Man geht immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge«, begann Landrat Bernhard Kern sein Grußwort und betonte dabei, dass er sowohl froh als auch traurig darüber sei, dass Anneliese Kunkel die Schule verlässt. Froh sei er, da sie gemeinsam mit ihrem Ehemann in den Ruhestand eintreten kann. Es sei eine gute Zeit dafür, so Bernhard Kern. Er sei aber auch traurig, da Anneliese Kunkel als Schulleiterin, aber auch die CJD Christophorusschulen Berchtesgaden mehr als nur geprägt, ja gewissermaßen sogar geformt habe. Nicht zuletzt wegen seiner Freundschaft zu Hermann Kunkel sei es ihm ein Anliegen gewesen, Anneliese Kunkel persönlich zu verabschieden und ihr für ihr langjähriges Engagement zu danken.

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Landrat Bernhard Kern überreicht der scheidenden Schulleiterin Anneliese Kunkel (Mitte) Blumen. Tamara Ennemoser-Schurich wird neue Rektorin.

Dann gab es noch ein letztes Zeugnis für Anneliese Kunkel. Das Kollegium hielt einen ganz besonderen Zeugniskonvent für die scheidende Schulleiterin ab. Bestnoten gab es unter anderem in den Fächern Motivation, Personalführung und Lehrerpersönlichkeit. In dem humorvoll angelegten kurzen Theaterstück beschrieben die Lehrkräfte Anneliese Kunkel als Fels in der Brandung, stets organisiert und strukturiert. Aber auch zwischenmenschlich erbringe sie Höchstleistungen, so ihre Kollegen. Sie begegne allen auf Augenhöhe, habe immer ein offenes Ohr für die kleinen und großen Probleme der Mitarbeiter und versuche stets das Beste aus den Schülern herauszuholen. Mit den Worten »die Besten kriegen immer ein Buch« überreichte Praxisbetreuerin Manuela Datzmann der »allerbesten« Schulleiterin schließlich ein kleines Präsent.

Die Schulfamilie bedankte sich mit einem selbst genähten Kissen mit Leuchtturmmotiven für den unentwegten Einsatz der Schulleiterin. Das Symbol des Leuchtturms zog sich durch die gesamte Veranstaltung. Die Absolventinnen hatten für ihre Abschlussfeier den Leuchtturm als Zeichen der Führung und Sicherheit ausgewählt. Auch Anneliese Kunkel leuchtete ihren Schülerinnen in den letzten Jahren den Weg, sie war der Leuchtturm ihrer »Schützlinge«. Die Schulfamilie hatte es mit dem Geschenk gut getroffen. »Ich liebe Leuchttürme und das Meer«, verriet die Schulleiterin freudestrahlend.

Anschließend überreichten die Absolventinnen ihrer Mentorin nach einem humorvoll vorgetragenen Gedicht ein Erste-Hilfe-Paket für die Rente, inklusive selbst gemachter Rentner-Card für Vergünstigungen. Passend zum Abschied der Direktorin in den Ruhestand. Auch Anton Kaunzner, Direktor der Grund- und Mittelschule und dienstältester Schulleiter der CJD Christophorusschulen Berchtesgaden, richtete ein paar Worte an seine langjährige Kollegin. Anton Kaunzner lobte Anneliese Kunkels Einsatz für die Gleichberechtigung. Als einzige Frau unter den fünf Schulleitern stelle sie die »personifizierte 20-prozentige Frauenquote« dar. Zudem sei sie innerhalb des Direktorenteams auch Beauty- und Modefaktor gewesen, sagte Anton Kaunzner lachend. Insbesondere in der Schuhmode sei Anneliese Kunkel sehr versiert. »Was hat es da für Geschäfte?«, habe sie auf Fahrten zu Tagungen immer gefragt, worauf vor Ort »Streifzüge durch die Fußgängerzonen« folgten. Anschließend habe es auf den Rückfahrten stets »ausführlichste Nachbesprechungen über die mehr oder weniger zufriedenstellende Ausbeute« gegeben, so Anton Kaunzner. Anneliese Kunkels Beurteilung einer Tagung sei immer abhängig von der Qualität der örtlichen Schuhgeschäfte gewesen, schmunzelte der Schulleiter.

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Emotionaler Abschied: Die scheidende Schulleiterin Anneliese Kunkel und Nachfolgerin Tamara Ennemoser-Schurich umarmen sich. (Fotos: Alexandra Behr)

Doch auch ihr soziales Engagement als Gastgeberin vieler Besprechungen sowie ihren Humor und ihre Schlagfertigkeit hob Anton Kaunzner hervor. Besonders bewundere er Anneliese Kunkel aber für ihre offne, direkte Art und ihre Zielstrebigkeit.

Ähnlich beschrieb auch Bürgermeister Thomas Weber Anneliese Kunkel. Sie sei nicht nur sympathisch, sie wisse auch genau, was sie will und wie sie es durchsetzen kann. »Sie hat den Laden im Griff gehabt«, so der Bürgermeister über das Engagement der Schulleiterin. Ihre Zusammenarbeit in den letzen Jahren sei stets von offnen, ergebnisorientierten Gesprächen und ehrlichem, freundlichem Miteinander geprägt gewesen.

Auch wenn ihm der Abschied schwer falle, wünsche er Anneliese Kunkel alles Gute für die Zukunft und dass sie noch viele Leuchttürme und Strände sehen darf. Schließlich gab er ihr noch ein Zitat von Albert Einstein mit auf ihren Weg in den Ruhestand: »Genieße deine Zeit, denn du lebst nur jetzt und heute. Morgen kannst du gestern nicht nachholen und später kommt früher als du denkst.«

Alexandra Behr