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Starke Männer mit coolen, pinken Sonnenbrillen. (Foto: Veronika Mergenthal)

Grenzenlose vokale Männerpower im Achterpack – Salzburger Formation »Voices Unlimited« begeistert im »Kulturhof Stanggass«

Bischofswiesen – »Close your eyes and I'll kiss you« – mit diesen Worten aus dem Klassiker der Beatles begeisterte das achtköpfige Männer-Vocalensemble »Voices Unlimited« sein Publikum im gut besuchten Festsaal im »Kulturhof Stanggass«. Mit Hingabe präsentierten die Sänger alte und neue Hits. An den fetzigen Choreografien hatten sie jede Menge Spaß. Es war der erste Auftritt des bereits vor 19 Jahren gegründeten Salzburger Ensembles im Berchtesgadener Land.


Die passionierten Sänger aus Salzburg und Hallein haben alle eine Gesangsausbildung und sind zum Teil als Musik- oder Gesangslehrer tätig. Seit dem Erfolg beim Bundesjugendsingen 2004 etablierten sie sich in der Vokalmusikszene Österreichs und gastierten im In- und Ausland, in Deutschland, Frankreich, Island, Litauen, Russland, in den USA und China. Ihr Herz schlägt auch für die Musik des Mittelalters und der Renaissance, doch diesmal konzentrierten sie sich auf Unterhaltsames, auf Evergreens und Kultnummern von den 1920ern bis in die Gegenwart.

»Fast wie ein Wohnzimmerkonzert«, empfanden die Musiker den Abend mit vielen Fans der Gruppe aus der Umgebung. Nachdem manche Gäste ein Kulturmenü genossen hatten, warteten die Sänger mit köstlichen lautmalerischen Gesten und einem musikalischen »Speisezettel« auf – ein »musikalischer Scherz« von Carl Friedrich Zöllner (1800 bis 1860).

Der erste Teil des Abends war eine Kulturreise um die Welt. Von der Copacabana – im Hit der »Ersten Allgemeinen Verunsicherung« waren alle als starke Männer mit coolen, pinken Sonnenbrillen bestückt – ging es über Paris unter die »Pinien von Argentinien«. Mit »Spanischen Nächten« und Rosen klang die Liebesromanze feurig aus. Immer wieder kündigten die Herren mit den weißen Hemden und Krawatten und schwarzen Anzügen kleine Umbaupausen an. Sie drehten sich einfach mit dem Rücken zum Publikum, schön in Reih und Glied, was Raum für allerlei Assoziationen ließ. Indem sie sich flott wieder zurückdrehten, war mit Hilfe kleiner Accessoires plötzlich ein neuer Star geboren – wie Helene Fischer mit siebenKlonen, alle mit blonder Lockenperücke, oder Michael Jackson. In einer köstlichen Parodie imitierten sie in »Black and white« dessen Show und berühmte Bewegungsmuster.

Eine locker-flockige Hommage an die »Comedian Harmonists« mit »Veronika, der Lenz ist da« durfte nicht fehlen. Mit fein-ironischem Ärmel-Hochkrempeln unter-nahmen die Acht auch einen Ausflug in die »Neue Deutsche Welle« der 1980er Jahre mit »Bruttosozialprodukt« von Geier Sturzflug. »Küssen verboten« von den Prinzen mit dem dramatischen Tenor von Georg Dürnberger, »WAMMW« von »Die Ärzte« oder »Crazy thing called love« von »Queen«: Alles war geboten mit gelungenen Arrangements aus unterschiedlichen Quellen.

In »Mad World« von »Tears for fears« beeindruckte Bass Thomas Ramminger mit Ausdruck und Volumen. Hohes gesangliches Niveau von Solisten ebenso wie Begleitcombo, äußerste Präzision und zugleich Entspanntheit, fantasievolle Performance mit Tanz- und Showelementen, die für die Akteure ein Fitnessstudio überflüssig machten – diese Kombi war einzigartig. Ob rockig, funkig, romantisch oder schräg: Sie beherrschten jede Nuance und verschmolzen zu einer Einheit mit dem ganzen Spektrum vokaler Klangfarben.

Besondere Höhepunkte waren die Austro-Hits mit maßgeschneiderten Arrangements, für die sich »Voices Unlimited« die Exklusivrechte gesichert hat. Besonders angetan haben es ihnen die »Erste Allgemeine Verunsicherung«, etwa mit einer bauchtanzähnlich inszenierten »Fata Morgana«, wo die mit wellenförmigen Gesten gezeichneten Kamele am Ende zu Geiern mutierten – und Reinhard Fendrich. In »Vü schena is des Gfühl« legten sie mit Christoph Moser als Solo-Sänger ordentlich viel Schmäh hinein und bei »Macho Macho« hatten sie selber sichtlich Vergnügen, wie eigentlich den ganzen Abend.

Sie machten sich auch immer wieder einen Spaß daraus, zu beobachten, wann die Zuhörer das jeweilige Lied »erkannten«. Für den kräftigen Applaus bekam das dann auch noch Publikum noch zwei Zugaben: »The lion sleeps tonight« aus dem Musical »King Lion« und »Brenna tuats guat« von Hubert von Goisern.

Veronika Mergenthal