Grünflächenreferent Sepp Stangassinger wünscht sich eine Bienenautobahn im Landkreis

Bildtext einblenden
Grünflächenreferent Sepp Stangassinger neben dem »Apfel Malus Red Topaz«-Baum. Er will den Streuobstbestand in Bischofswiesen erweitern. (Foto: Patrick Vietze)

Bischofswiesen – Eine Förderung von 600 Millionen Euro und eine Million neue Streuobstbäume bis 2035: Das verspricht der Streuobstpakt in Bayern, der kürzlich beschlossen wurde. Sepp Stangassinger, Grünflächenreferent und Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Bischofswiesen, will dieses Angebot nutzen. Nicht nur die Ortschaft soll durch mehr Streuobstwiesen verschönert, sondern auch die Artenvielfalt gefördert werden. Im »Anzeiger«-Interview verrät der 55-Jährige, welche Flächen sich für dieses Vorhaben eignen. Stangassinger wünscht sich auch eine Bienenautobahn im Landkreis. Darunter sind Straßenränder als Lebensräume zu verstehen.


Herr Stangassinger, die Bayerische Staatsregierung und Naturschützer haben kürzlich einen Streuobstpakt unterzeichnet. Das ist doch eine Wende im Kampf gegen den Rückgang der Streuobstbäume.

Sepp Stangassinger: Das ist erfreulich. Allerdings muss die Frage geklärt werden, wie die einzelnen Gemeinden auch mit Blick auf Geldvergaben unterstützt werden. Wünschenswert wäre, wenn jemandem geholfen wird, der eine Streuobstwiese mit 10 bis 15 Obstbäumen anlegen will. Bis jetzt gab es eine jährliche Aktion des Biosphärenverbands, bei der Privatleute fünf Obstbäume pflanzen konnten.

In einer Gemeinderatssitzung forderten Sie, das Angebot der Staatsregierung zu nutzen. Warum benötigt man überhaupt mehr Streuobstwiesen?

Stangassinger: Sie sind wichtig zur Förderung der Biodiversität und der Artenvielfalt. Außerdem sind die Streuobstbäume in den vergangenen Jahren rückläufig geworden, nicht nur bei uns, sondern auch bayernweit. Der Gartenbauverein und die Gemeinde streben deshalb mehr Obstbäume inner- und außerorts an.

Wie ist der aktuelle Bestand in Bischofswiesen?

Stangassinger: Bei den Bauern kenne ich leider keine Zahl. Ich weiß aber, dass alle einen Obstgarten haben. In der Gemeinde haben wir in den vergangenen sechs Jahren 26 Bäume eingesetzt. Bis jetzt ist es zufriedenstellend, aber wir arbeiten daran, noch mehr Bäume zu bekommen.

Was wollen Sie in diesem Zusammenhang unternehmen?

Stangassinger: Geplant ist Streuobst auf gemeindeeigene Flächen. Wir arbeiten seit Monaten mit dem Bürgermeister daran. Doch wir benötigen auch Grundstücke der Privatpersonen. Sie müssen nicht eben sein, sie können auch im Hang liegen. Wir wollen schließlich Ökopunkte bekommen.

Warum spielen die Besitzer der Privatgrundstücke eine wichtige Rolle?

Stangassinger: Sie können Flächen, die für ihren Gebrauch nicht mehr so wichtig sind, bei der Gemeinde melden. Die Gemeinde kümmert sich darum, die Fläche ökologisch aufzuwerten. Das heißt, man baut den Bereich so um, dass man Ökopunkte erhält. Diese bekommt man durch eine Streuobstwiese, aber auch durch Wildobsthecken.

Gab es bereits Gespräche mit den Besitzern der Privatflächen?

Stangassinger: Ich bin noch nicht dazu gekommen, weil ich derzeit mit den Gemeindeflächen beschäftigt bin. Die Gemeinde spricht aber mit den Privatbesitzern. Wir als Gartenbauverein wollen uns ebenso um zusätzliche Flächen kümmern, um das Ökokonto aufzufüllen. Denn eines ist klar: Jeder sollte einen Nutzen haben.

Welche Flächen würden sich für Streuobst eignen?

Stangassinger: Wir haben einen ungenutzten Bereich zwischen Bahnhofbrücke und Loipler Brücke. Dort können wir sechs bis acht Obstbäume pflanzen. Wir überlegen uns auch, einen Nuss- oder Kastanienbaum anzulegen.

Neben Landwirten beteiligen sich auch Safthersteller an dem Pakt. Von einem Vermarktungskonzept ist die Rede. Wie kann man das für die Gemeinde umsetzen?

Stangassinger: Wir haben im Gartenbauverein eine Obstpresse mit einem Durchlauferhitzer, womit der Saft abgefüllt und verpackt wird. Vereinsmitglieder können Obst zu Saft verarbeiten. So schließt sich auch der Kreis. Betrachtet man die Vermarktung von Saft in Bischofswiesen, muss aber noch eindeutig mehr unternommen werden.

Sie streben mit dem Grünflächenpflegekonzept viele Ziele an. Geplant sind unter anderem ein grüner Pausenhof für die gemeinsame Grund- und Mittelschule, Naturlebensräume mit Beschilderungen oder die Vernetzung von Biotopen. Hinzu kommen die Streuobstprojekte. Besteht da nicht die Gefahr, den Überblick zu verlieren?

Stangassinger: Nein. Viele fragen mich, wie ich die Projekte schaffe und woher ich mir die Zeit nehme. Ich nehme sie mir einfach. Erwähnt sei aber auch, dass mehrere Leute hinter den Projekten stecken. Die Gemeinde, der Kreisfachberater und der Kreisverband stehen hinter uns. Das meiste, was an mir hängen bleibt, sind: Organisationen, Telefonate, Besprechungen, Vor-Ort-Termine.

Was ist das langfristige Ziel zur Förderung der Artenvielfalt?

Stangassinger: Die Straßenränder dürfen nicht mehr gemulcht, sondern nur gemäht werden. Langfristig wäre schön, den nördlichen und den südlichen Landkreis mit einer sogenannten Bienenautobahn zu verbinden, damit die Straßenränder blühen und Lebensräume geschaffen werden.

Patrick Vietze