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Dr. Wolfgang Scherzinger ist Zoologe. Mit der eigenen Eulenzucht hat er vor rund 15 Jahren aufgehört. (Foto: Kilian Pfeiffer)

»Herr der Eulen« – Dr. Wolfgang Scherzinger hat Uhus per Hand aufgezogen

Bischofswiesen – Als Dr. Wolfgang Scherzinger mit dem Militär-Lkw und voll beladen mit seiner Eulen-Zucht in der Schwarzenbergkaserne in Salzburg einrückte, war das der Beginn einer besonderen Zeit beim Bundesheer. Bei der Gründung des Nationalparks Bayerischer Wald Anfang der 1970er-Jahre war der heutige Wahl-Bischofswieser von Anfang an dabei. Weltweit hat er sich als Eulen-Spezialist einen Namen gemacht, alle bekannten Arten gezüchtet.


»Bereichernde Zeit«

Vor wenigen Tagen ist Wolfgang Scherzinger 78 Jahre alt geworden. Er sitzt an seinem Schreibtisch im Dachgeschoss des Hauses in Bischofswiesen. Der Blick fällt auf den Watzmann, postkartengleich. Regalwände voller Bücher stehen um den Biologen herum, eine große Eulensammlung, von der Marionette bis hin zur Porzellanfigur. »Viele davon waren Geschenke«, sagt er. Die gefiederten Präparate im hinteren Bereich des Büros sind spezielle Anfertigungen, Uhu- und Habichtkauz-Skelette sind auch darunter, eine Seltenheit. »Sie starben am Eulenvirus.«

Scherzinger ist Zoologe, in einem Dorf in der Steiermark aufgewachsen. Schon in jungen Jahren hat er sich mit Tieren verbunden gefühlt. Als »bereichernde Zeit« bezeichnet er zudem seine Jugend. Scherzinger war oft draußen, fast immer in der Natur unterwegs, »einfach in den Wald gehen, Fische fangen, Beeren sammeln, Vögel beobachten«. Ablenkungen wie heute – mit den Fingern seiner rechten Hand imitiert er das Tippen auf einem Smartphone –, die gab es damals nicht. Durch sein Leben am Dorf habe er mit dem Beruf als Veterinär geliebäugelt. In Wien absolvierte er schließlich ein Biologie- und Zoologie-Studium. »Biologen gab es damals nicht so viele. Es hieß immerzu: Da bekommt man keine Arbeit.«

Arbeit mit dem Sperlingskauz

Während des Studiums bekam er einen Assistenzposten am Institut für Vergleichende Verhaltensforschung zugewiesen. In der Steiermark hatte er einen Sperlingskauz entdeckt. Die Art gehört zu den Zwergen unter den Eulenvögeln. Ein Jahr lang wohnte er in einer Almhütte und ging auf Entdeckertour, fast jeden Tag. Literatur über das Tier war damals rar, »bei Eulen gab es nur sehr wenig. Vor allem im Gebirge hat sich niemand die Arbeit angetan, da rum zu stapfen«.

Es herrschte eine große Lücke in der Artenkenntnis. »Meine Almhütte bot mir Zuflucht und ein offenes Feuer.« Balzplätze suchen, die Jungenaufzucht überwachen, Spechthöhlen finden: die Vögel des Waldes im Fokus des Beobachters. Es war das Ende der 1960er-Jahre. Die Fotokamera musste er sich ausleihen. Schließlich schrieb er seine Doktorarbeit über den Sperlingskauz.

Vor Wolfgang Scherzinger auf dem Schreibtisch stapeln sich etliche Bücher. Im Laufe der Jahrzehnte ist viel Literatur zusammengekommen, an der er mitgewirkt hat. Es gibt viele Eulen-Fans deutschlandweit, eine Schriftenreihe, den »Eulen Rundblick«, der in der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Eulen erscheint. Die von Vögeln gezierte Wanduhr neben der Tür von Scher-zingers Büro piept in Anlehnung an Vogelgesang zu jeder vollen Stunde. Er lacht.

Der Vater dreier erwachsener Töchter verfolgte schon früh ein Ziel: Die Verhaltensweisen von Eulen wollte er studieren, selbst züchten, vom Ei weg. Eulen fallen unter die Ordnung der Vögel. Mit einem langjährigen Freund, der heute Bartgeier züchtet, startete er das Projekt. »Ich hatte 60 Individuen und 17 verschiedene Arten«, sagt der 78-Jährige.

Die Tiere lebten in eigenen Gehegen, »es war eine recht große Haltung.« Der Biologe hatte sich da schon einen Namen gemacht. Für das »Handbuch der Vögel Mitteleuropas«, ein Sammelwerk in knapp 20 Bänden, Tausende von Seiten dick, war Scherzinger beauftragt worden, mitzuwirken. Natürlich über Eulen. »Ein Monsterwerk«, so der Zoologe über die Folianten, die kiloschwer das Regal bevölkern.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der heutigen Freitagsausgabe (18. Februar) des Berchtesgadener Anzeigers.

Kilian Pfeiffer