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»Apollo und Daphne« mit ihrem Schöpfer Gerhard Passens. (Fotos: Dieter Meister)

Kunstwerke als Inspiration und Bereicherung: Eröffnung des Skulpturenweges mit Arbeiten von Gerhard Passens auf dem Kulturhofgelände in der Stanggaß

Bischofswiesen – Wenn beispielsweise Ernst Baron von Maydell seine neuen Bilder zur Jahresausstellung des Berchtesgadener Künstlerbundes trug, war es für ihn ein Leichtes. Sein Gesamtwerk an ungemein filigranen Zeichnungen passte wohl in eine einzige Aktentasche. Bildhauer haben dagegen an ihren Werken oft schwer zu tragen. Wörtlich gemeint, weil Skulpturen aus Untersberger Marmor oder Bronze oft eines Schwertransporters bedürfen, um, wie im konkreten Fall, aus Gerhard Passens' privatem Berchtesgadener Skulpturengarten auf das Gelände des »Kulturhofes Stanggass« zu gelangen. Immerhin haben neun Arbeiten aus dem in Jahrzehnten gewachsenen und schier unergründlichen Werkschatz des Bildhauers den Transport heil überstanden und zieren nun das noch fast patinafreie Gelände der neuen Anlage. Mindestens bis zum 31. Oktober, denn es könnte durchaus sein, wie Veranstaltungsleiterin Sabine Henninger bei der Eröffnung am Samstag sanft durchblicken ließ, dass nicht alle neun Skulpturen den Rückweg antreten müssen.


Erstaunlich viele Interessierte wollten an der Eröffnung des Skulpturenweges am und im Kulturhof teilnehmen. Der Kulturhof sei ein Ort der Begegnung, der Austausch und Geselligkeit fördern solle, und mit den Skulpturen des einheimischen Künstlers Gerhard Passens sei ein weiterer wunderbarer Anlass, sich zu treffen und inspirieren zu lassen, gegeben, hatte der Eigentümer der Anlage, Dr. Bartl Wimmer, in einem Begleitheftchen geschrieben.

Betriebsleiter Manuel Lechner drückte seine Begeisterung für das »erste Experiment« einer Kunstausstellung im Kulturhof aus und Sabine Henninger berichtete von der Leichtigkeit, in der ein solches Projekt nach einem Rundgang mit Bildhauer Gerhard Passens und Künstlerbundvorsitzendem Christoph Merker auf den Weg gebracht worden sei.

Danach begab sich der Tross, angeführt von Gerhard Passens, zur Besichtigung. Der Künstler stellte seine Arbeiten vor, berichtete vom Zweifeln und Ringen des Künstlers auf dem Weg zur fertigen Skulptur und verblüffte gelegentlich mit Details aus dem Arbeitsprozess. So erzählte er unter anderem von der Unsicherheit des Machers, ob das Grundmaterial auch allen Vorstellungen des Bildhauers genügen werde.

Ein Rundgang hat eigentlich weder Anfang noch Ende. Ist der Schoß der Urmutter Gaia, den Passens in einem markanten Sitzmöbel aus Ahorn darstellt und der als einziges Objekt unter schützendem Dach steht, der Anfang oder das Ende? Oder ist es der aus Kugeln gewachsene Lebensbaum aus Aluminiumguss vor dem Haupteingang?

Die zu Türmen gewachsenen und hier als Trio zu sehenden Eierschalen haben eine kleine, bizarre Vorgeschichte. Die aus Untersberger Marmor entstandenen Skulpturen standen schon einmal zur Besichtigung für jedermann auf dem Obersalzberg, im Umfeld des Nobelhotels, das damals noch »Intercontinental« hieß, und erzürnten weibliche Gäste aus fernen Ländern, die darin Phallussymbole erkennen wollten. Die Skulpturen wurden schließlich früher als geplant entfernt. Dieses Schicksal dürfte dem Werk, zu dem sich der Bildhauer durch die Schalen seiner Frühstückseier anregen ließ, diesmal nicht bevorstehen.

An der bronzenen Mutter-und-Kind-Plastik vorbei geht es zum vermutlich höchsten Punkt der Anlage. Hier stehen »Apollo und Daphne«. Die Skulptur stellt den Höhepunkt der Geschichte von Daphne und Phoebus aus Ovids »Metamorphosen« dar, anschaulich geschildert von der kleinen Magdalena, die den Bildhauer unterstützt. Dass sich auf diesem Teil des Geländes bereits mehrfach Hochzeitsgesellschaften tummelten und sicherlich auch weiterhin hier treffen werden, weist die Wahl des Standorts der schlanken Bronze-Statue als besonders geglückt aus.

Abwärts begegnen dem Rundgänger zunächst eine Venus, deren Wesen Christoph Merker in dem erwähnten Heft als urmütterlich umschreibt. Am »Paar mit Ecken und Kanten« beschreibt Gerhard Passens seine spezielle Arbeitsweise, geometrische Flächen so zusammenzuführen, dass aus kantiger Zweisamkeit aus Untersberger Marmor durchaus Harmonie entstehen kann. Aus Muschelkalk hat der Bildhauer »Die Denkerin« geholt. Inspiriert von Auguste Rodins »Der Denker«, einer Figur, die dazu verleiten könnte, zu glauben, dass Denken dem männlichen Bevölkerungsanteil vorbehalten ist. Passens wollte dem Klischee etwas entgegensetzen.

Das ist ihm gelungen. Ebenfalls gelungen ist es Passens, durch den eindrucksstarken Skulpturenweg im Kulturhof einen, wenn auch erst einmal vorübergehenden, Anlaufpunkt zu schaffen, der dem Konzept des Veranstalters Genüge tut. Wichtig ist auch, dass der Rundgang durch die Welt von Gerhard Passens auch großen Spaß macht. Das macht er garantiert.

Dieter Meister