Specht-Gruppe kauft weitere »Insula«-Grundstücke

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Das »Haus Dachlmoos« hat die Bremer Sprecht-Gruppe bereits im Jahr 2019 gekauft. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Bischofswiesen – Die in Bremen ansässige Specht-Gruppe hat mehrere Grundstücksflächen des Areals der Lebenswelt Insula gekauft. Diese gehört zum Evangelischen-Lutherischen Diakoniewerk Hohenbrunn. Bereits im April vorvergangenen Jahres hatte die Gruppe, die sich auf Projektierung, Realisierung und Vertrieb von Pflegeimmobilien spezialisiert, das Pflegezentrum »Haus Dachlmoos« gekauft und vermietet es an das Diakoniewerk zurück. Die Käufe bestätigte eine Sprecherin der Specht-Gruppe auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«. Dass sich die Diakonie Hohenbrunn in einem Liquiditätsengpass befinden könnte, wurde mehrfach aus dessen Umfeld kolportiert. Eine Presseanfrage dort blieb bislang unbeantwortet.


Die Specht-Gruppe wird auch den bereits angekündigten Erweiterungsbau auf dem Lebenswelt-Grundstück in Bischofswiesen realisieren. Ein Gebäude, das seit dem Jahr 2003 leer stand und als Lager genutzt wurde, ist bereits abgerissen worden. In dem neuen Insula-Bauwerk sind laut Sprecherin etwa 30 Wohnungen geplant. Verwirklicht werden sollen Appartements mit ein, zwei und drei Zimmern, die unter dem Motto »Service-Wohnen-60-Plus« laufen. Das Wohnen mit Service soll eine Möglichkeit bieten, selbstständig zu leben und zusätzliche Serviceleistungen, wie etwa ein Wäsche- oder Reinigungsservice, optional und nach Bedarf dazu buchen zu können. Bis Ende des Jahres soll das Projekt verwirklicht sein, in »Fertigbauweise«, wie aus der Specht-Gruppe nun zu erfahren war: »Der Hochbau auf diesem Grundstück wird ab Sommer 2021 zu sehen sein«, teilte die Unternehmenssprecherin mit.

Dass das Diakoniewerk Hohenbrunn nun einzelne Objekte und Grundstücksflächen abstößt und in Form einer von der Specht-Gruppe bestätigten Sales-and-lease-back-Lösung wieder anmietet, wird im Gemeindeumfeld kritisch gesehen. Man befürchtet durch den Verkauf ein deutlich teureres Wohnen für Senioren, ein Luxuswohnen für Betuchte. »Wir bauen für die Mittelschicht«, entgegnet die Unternehmenssprecherin, »wir sind niemand, die den maximalen Profit rausziehen«. Sale-and-lease-back ist ein rein objektbasiertes Finanzierungsmodell zur Liquiditätsbeschaffung, bei dem etwa Immobilien an einen Leasinggeber verkauft und zur sofortigen Nutzung zurückgeleast werden.

»Die demografische Entwicklung in Deutschland zeigt, dass die Geldanlage in Pflegeimmobilien eine Investition in einen Wachstumsmarkt darstellt«, schreibt die Specht-Gruppe auf ihrer Homepage. Diese wirbt mit Renditen von bis zu fünf Prozent. Nach diesem Grundsatz wird bundesweit investiert. In knapp 100 Projekte sei man involviert, heißt es. Das Unternehmen ist deutschlandweit tätig, verstärkt aber im Norden. »Wir sind auch an Einrichtungen im Süden interessiert«, sagt die Sprecherin, »verkaufen Immobilien an Einzel- oder Großinvestoren«. Gemeinderatsmitglied Paul Grafwallner aus Bischofswiesen äußerte sich zu diesem Thema wie folgt: »Das Sale-and lease-back ist eine Finanzierungsform, die manchmal gewählt wird, wenn beispielsweise die benötigten Finanzmittel anderweitig nicht oder nur schwer beschafft werden können. Ob das beim Diakoniewerk hier in der Insula der Grund war, kann ich nicht beantworten. Wenn aber gemeinnützige, kirchliche oder soziale Träger von Einrichtungen, die von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung sind, wie Senioren- und Pflegeheime zu diesem Modell zurückgreifen, finde ich das mehr als bedenklich. Denn der neue Eigentümer ist nicht mehr eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit gemeinnütziger Ausrichtung, sondern ein gewinnorientiertes Unternehmen aus der Privatwirtschaft.«Der Neubau in der Insula soll »in Specht-Tempo« bereits im Dezember stehen, kündigt die Gruppe in einem Facebook-Post an.

Kilian Pfeiffer