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Lustiger Büroalltag (v.l.): Florian Kranawetvogl, Sabine Riefer, Norbert Gatz, Georg Wittmann und Barbara Stöckl. (Foto: Dieter Meister)

s'Theaterplatzl spielt »Weils Weihnachten werd« im Festsaal der »Insula«

Bischofswiesen – »Weils Weihnachten werd«, verhalten sich die Menschen anders. Fixiert und mit viel Vorfreude die einen, genervt und gleichgültig die, deren Aufmerksamkeit vorwiegend nach innen, auf die eigene Person, gerichtet ist. »s'Theaterplatzl spielt eine Weihnachtskomödie«, kündigt der Programmzettel an.


Die Gattung Komödie verspricht einen lustvollen Theaterabend. Aber nicht nur. Der Dreiakter von Ulla Kling in der Regie von Rainer Schissel garantiert dem Publikum durchaus Spaß, macht aber die, die unter die Oberfläche schauen wollen, auch nachdenklich und regt durchaus an, eigene Positionen zu überdenken. Rainer Schissel konnte sich für »Wenns Weihnachten werd« auf ein kleines Ensemble verlassen, das mit großer Spielfreude im Festsaal der »Insula« ein gut zweistündiges Vergnügen bescherte.

Die in der Adventszeit angesiedelte Geschichte ist schnell erzählt. Im Vorzimmer einer kleinen Firma arbeitet Babsi, die Spaß an weihnachtlicher Dekoration hat und sie gern auch den Mitmenschen vermitteln will, aber zunächst nur auf Gleichgültigkeit und Ignoranz trifft. Zuerst bei der arbeitsfernen Kollegin Heike, die stetig und aufdringlich um die Gunst des Firmenchefs buhlt und der der Lack auf den Fingernägeln wichtiger ist als das Treiben um sie herum. Der ewig gestresste und sein Augenmerk vor allem auf seine Firma legende Chef Martin Grabert teilt ihr Desinteresse am Adventsschmuck und sorgt sich vor allem um den finanziellen Zustand seines Betriebes, der aus seiner Sicht weder Weihnachtsgeld für die Mitarbeiter und schon gar keine Weihnachtsfeier zulässt.

In Putzfrau Kathi und Hausmeister Anton Dangl hat Babsi, die ein verliebtes Auge auf den Buchhalter Manni geworfen hat, der seines wiederum aber nur auf Heike richtet, zwei Verbündete. In Sachen Advent und noch mehr menschlich. Kathi Reiser und Anton Dangl haben durchaus auch eigene seelische Nöte, sind aber immer um ein gutes Miteinander bemüht.

Letztlich findet die Weihnachtsfeier doch statt. Für die Dekoration sorgt Babsi, Kathi steuert ihren Teil zum guten Gelingen bei und Anton Dangl gibt wie in den Jahren zuvor den Nikolaus, der aus seinem goldenen Buch die Vorfälle des Betriebsjahres humorvoll vortragen wird. Jedoch der Abend läuft anders, als von allen gedacht. Des Nikolauses messerscharfe Rede deckt Konflikte auf, die ein weiteres gemütliches Beisammensein sehr schwer möglich machen. Der Hausmeister und Menschenversteher im Nikolauskostüm hat außer dem Kramperl einen Sack mit Geschenken dabei, die allerdings die mit den Gaben bedachten Mitarbeiter überraschen und sogar entsetzen. Was für einige Freude, andere aber zum Nachdenken bringt oder gar in Panik stürzt. Zuletzt sind nur noch Babsi und Buchhalter Manni im Büro. Und nur sie wissen von dem Anruf des Sohnes von Anton Dangl, der seinen erkrankten Vater für sein Nichtkommen entschuldigen wollte.

Eigentlich, so Regisseur Rainer Schissl, in einer kurzen Ansprache vor Beginn, habe er das Stück, das bereits im letzten Jahr auf dem Spielplan stand, aber nur zwei Aufführungen erleben durfte, nicht noch einmal aufnehmen wollen, habe sich letztlich doch zur Wiederaufnahme entschlossen. Er führt seine Darsteller, wie man gelegentlich so schön blumig nichtssagend lesen kann, an der langen Leine, heißt, er lässt dem Ensemble genügend Freiraum, um die jeweilige Rolle nach eigenem Temperament auszufüllen. Und hat das Glück, dass alle, unabhängig vom Umfang an spielerischem Talent, ein sicher unterschiedlich großes Stückchen (wahrscheinlich) sich selbst spielen dürfen. Ganz voran Conny Hillebrand als Babsi, die sich augenscheinlich in die Rolle als Nebendarstellerin im Vorzimmer des Firmenchefs eingelebt hat, aber dann, auch unterstützt von wohlmeinenden Kolleginnen und Kollegen, mit stetig wachsendem Selbstvertrauen in die Stellung gerät, die ihr eigentlich zusteht. Ganz vorn muss man auch Barbara Stöckl nennen, deren Putzfrau zwischen sanfter Feministin und guter Seele mit unterdrücktem persönlichem Kummer schwankt. Beiden Darstellerinnen gelingt es überzeugend, diese inneren Wandlungen gut und glaubhaft über die Rampe zu bringen.

Auch die Leistungen der weiteren Darsteller beeindrucken durchaus: Georg Wittmann ist das Faktotum der Firma, einer, der alles weiß, alles kennt und jederzeit den passenden Rat hat. Firmenchef Martin Grabert alias Fabian Wagner ist ein Hansdampf in allen Gassen, ein Direktor Wichtig, der alle Fäden in der Hand halten will, aber die wirklich wichtigen nicht zu fassen bekommt. Sabine Riefer gibt »ihrer« Heike alles mit, was eine unangenehme, sich als Mittelpunkt mindestens des Büros betrachtende, arbeitsferne und Aufgaben gut an andere weitergebende Kollegin haben muss. Wandlungsfähig als Darsteller präsentiert sich auch Florian Kranawetvogl, der den Buchhalter Manfred Griebl als anfänglich sperrigen und blind um Heike buhlenden Gockel zum letztlich klarsichtigen, eventuellen Partner der dazu gut sichtbar bereiten Babsi souverän meistert. Dazu kommt noch Norbert Gatz, dessen durchaus ein wenig schleimiger und in dümmlicher Arroganz dämmernder Außendienstmitarbeiter Julian Morhard das erfrischend lockere Spiel aller Mitglieder des Ensembles bereichert.

Bleibt die Rolle des auf dem Programmzettel als »Statist« aufgeführten Stefan Hillebrand, der sehr oft schon bei den Aufführungen des Theaterplatzl und dessen Vorgänger-Bühne die Spitzenposition einnahm und zu Recht einen Großteil des Applauses einheimste. Er begnügt sich diesmal als in Fell gehüllter Begleiter des Nikolauses mit Grunzlauten, die er an »unartige« Mitarbeiter der Firmenweihnachtsfeier schickt. Hillebrand und Sabine Riefer, wenn es richtig verstanden wurde, sprangen kurzfristig für eigentlich vorgesehene Darsteller ein. Was nicht nur das Premierenpublikum zu Dankbarkeit verpflichtet, denn natürlich kann man den Advent auch ohne ein auf diese besondere Zeit projiziertes Theaterstück überstehen. Aber schöner ist es doch mit. Und dafür sei dem Ensemble um Rainer Schissel Dank gesagt. Weitere Aufführungen sind für den 11. sowie vom 15. bis 17. Dezember vorgesehen.

Dieter Meister