Villa Askania im Bischofswieser Ortsteil Stanggaß soll in den Hotelbetrieb des Kulturhofs eingegliedert werden

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Einheimische und Mitarbeiter könnten im aktuell noch baufälligen Nebengebäude unterkommen.
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960 Quadratmeter Nutzfläche: Die Villa Askania ist verkauft. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

Bischofswiesen – Die unter Denkmalschutz stehende Villa Askania mit NS-Vergangenheit im Ortsteil Stanggaß ist veräußert worden. Den Ankauf bestätigte der Unternehmer und Lokalpolitiker Dr. Bartl Wimmer auf Nachfrage. Dessen Neubau »Kulturhof Stanggaß« befindet sich kurz vor der Fertigstellung und soll noch heuer eröffnet werden. »Die Villa soll vollständig und im Denkmalschutz erhalten bleiben und organisatorisch in den Kulturhof eingegliedert werden«, sagt der Investor.


Angebot erweitern

Wimmers Ziel ist es nach eigenen Angaben, die Beherbergungsmöglichkeiten für den Kulturhof zu erweitern: Er plant, bis zu 15 hochwertige Zimmer in die Villa, die in Top-Lage Ausblick auf Kehlstein, Hoher Göll, Brett, Jenner und Watzmann bietet, einbauen zu lassen. Die beiden Gebäude liegen fußläufig rund fünf Minuten voneinander entfernt. Laut einer online zu findenden Immobilienbeschreibung auf immowelt.de bietet das Haus einen »Wellnessbereich mit Hallenbad, Fitnessanlage und Beauty-Kosmetikraum (...) und eine besonders großzügige Küche mit professioneller Ausstattung«.

Denkbar sei ein Frühstücksangebot für die künftigen Hausgäste vor Ort, »der Rest wird sich aber im Kulturhof Stanggaß abspielen«, sagt der 60-Jährige. Zur Villa Askania, deren Nutzfläche rund 960 Quadratmeter beträgt und die später einen Namenswechsel zu »Arkana« erfuhr, gehört ein Nebengebäude. Auch dieses soll erhalten bleiben. Wimmer will darin eine Wohnnutzung für Einheimische und Mitarbeiter verwirklichen. »Dies ist allerdings alles noch mit den Baubehörden abzuklären und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.«

Wimmer rechnet damit, das neu erworbene Gebäude im kommenden Jahr soweit fertig stellen zu können, dass es in den Hotelbetrieb eingebunden werden kann. Dazu sei es nötig, das laut Denkmalliste als Landhaus bezeichnete Anwesen zur Nutzung als Hotel einzurichten. Im Erdgeschoß könnten nach Wimmers Vorstellung Büroräume realisiert werden. Über den Kaufpreis schweigt sich Wimmer auf Nachfrage aus. »Eine anständige Millionensumme«, heißt es aus Kreisen der Kommune. Die Lage des Hauses, das von einer Gartenstützmauer aus Stampfbeton zur Straße hin umlaufen wird, hat eine lange Geschichte. Der Ortsteil Stanggaß galt in der Vergangenheit als »reichste Gnotschaft, weil einzelne Bauern begannen, ihre Grundstücke an herzogliche und fürstliche Personen zu verkaufen«, wie aus der »Chronik von Bischofswiesen« zu entnehmen ist.

Die Entstehung

Errichtet wurden dort vor allem herrschaftliche Villen. 1883 kaufte Herzog Friedrich II. den mehrere tausend Quadratmeter umfassenden Grund des Mauerbichllehens. Das Gebäude ließ der Münchner Architekt August Brüchle 1905 errichten. Im Jahr 1919 fand der bayerische Kronprinz Rupprecht hier Zuflucht mit seiner Familie. Mitte der 1930er-Jahre wurde im Haus ein Diätkurheim eröffnet. Anfang der 1940er-Jahre fand ein »Pflichtverkauf« an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt statt, das Gebäude wurde als Personalwohnheim der Kinderlandverschickung genutzt, ehe es 1945 als NS-Vermögen in den Besitz des Freistaates Bayern überging.

Zuletzt lebte in der Villa der Psychoanalytiker Bert Hellinger, der mit seinen Familienaufstellungen ein von ihm selbst als »Lebenshilfemethode« bezeichnetes, eigenständiges Verfahren der Psychotherapie entwickelte, dessen Konzept allerdings stark umstritten ist. Hellinger war im September 2019 verstorben, das Haus war weiterhin bewohnt – nun hat es Bartl Wimmer gekauft. Wimmer, der Aktionär beim von ihm gegründeten, weltweit tätigen Labordienstleister Synlab ist, hat nach eigener Aussage beschlossen, »nur noch in Dinge zu investieren, die ich verstehe und die zuhause sind«.

Regional und enkeltauglich

Er werde vor allem mit eigenen Mitteln arbeiten, gegebenenfalls ergänzt »durch überschaubare Darlehen lokaler Banken«. Das, was er auch in Zukunft plane, müsse »in jeder Beziehung enkeltauglich und regional sein«. Er werde weder »landwirtschaftliche Grundstücke zusammenraffen noch mit Grundstücken spekulieren oder sündteure Wohnungen für Auswärtige bauen«. Derzeit prüft Wimmer nach eigenen Angaben ein weiteres Objekt in Marktschellenberg, »das allerdings noch abgeklärt werden muss«. Weitere Infos will er nicht nennen.

Wimmer weiß zudem, dass nicht all seine geplanten Projekte jedermann gefallen werden. Denn hier gelte für ihn der Satz des großen politischen Gegners Franz-Josef Strauß: »Every-body’s darling is everybody’s Depp.” Und das, sagt Wimmer, »werde ich auch weiterhin nicht sein«. Kilian Pfeiffer