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Die begangenen Delikte seien nicht so erheblich, dass sie eine Unterbringung rechtfertigen könnten. (Foto: privat)

Körperlich attackiert und beleidigt – Psychisch erkrankter Mann wird nicht in Psychiatrie eingewiesen

Freilassing/Traunstein – Ein psychisch kranker Mann leistete sich im Frühsommer 2020 in Freilassing einige aggressive Aktionen auf offener Straße. Er warf eine Plastikflasche gegen ein Auto, schlug eine Frau mit einer befüllten Einkaufstüte auf den Rücken und empfing Polizeibeamte mit üblen Beleidigungen. Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler wies jetzt den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus zurück. Die Verfahrenskosten erlegte das Gericht der Staatskasse auf.


Der Frührentner hatte am 15. Juni 2020 gegen 18.30 Uhr ohne ersichtlichen Anlass auf der Ludwig-Zeller-Straße eine halb gefüllte Literflasche aus Plastik in Richtung eines vorbeifahrenden Seat geworfen. Die Flasche prallte gegen die Beifahrertür. Die Fahrzeuglenkerin erschrak, bremste kurz ab und reagierte dann sehr besonnen. Sie konnte ihre Fahrspur halten und den Wagen ohne Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer etwas später an einer geeigneten Stelle anhalten. Am Auto war keine Beschädigung zu sehen.

Eine Dreiviertelstunde danach traf der 45-Jährige auf der Straße auf eine Frau, die sich gerade über ihrenim Kinderwagen sitzenden dreijährigen Sohn beugte. Mit seinem schwer befüllten Einkaufsbeutel schlug der Täter der Mutter schmerzhaft auf den Rücken. Die Polizei rückte binnen Minuten an. Auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarkts in der Verdistraße beleidigte der Beschuldigte die Polizeibeamten mit Ausdrücken wie »Arschlöcher«.

Nach dem Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen war der Täter bei den Attacken nicht schuldfähig. Im Urteil stellte Vorsitzende Richterin Jacqueline Aßbichler fest, bestraft werden könne der 45-Jährige ob seiner Erkrankung nicht. Die begangenen Delikte und die Tatfolgen seien nicht so erheblich, dass sie eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus rechtfertigen könnten. Die Gefährlichkeitsprognose lasse laut Gutachten keine schwerwiegenden Taten erwarten.

kd