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Ausgezeichnete Schüler aus der Schülermitverantwortung (v.l.): Raphael Zelzer, Weronika Stolarczyk und Charlotte Amberger. (Foto: Lisa Schuhegger)

Sitzung des Berufsschulbeirates: Studienrätin Sabine Ofner spricht von rückläufigen Schülerzahlen

Freilassing – Dass die duale Ausbildung ausgezeichnet ist, stellten die Teilnehmer der Sitzung des Berufsschulbeirates aus dem Landratsamt, der Schule und Wirtschaft am Dienstag in den Räumen der Staatlichen Berufsschule Berchtesgadener Land in Freilassing heraus. 100 Millionen Euro investiert der Landkreis Berchtesgadener Land in die Schule, teilte Landrat Bernhard Kern mit.


Er betonte die Sinnhaftigkeit dieser Investition für die Jugend, die Wirtschaft, die Gesellschaft. Der Fachkräftemangel besteht auch im Berchtesgadener Land. Die Betriebe kämpfen um Fachkräfte, die zum Teil erst ausgebildet werden müssen. Und die Auszubildenden, sie müssen erst gefunden werden. Eine attraktive Lernstätte trage dazu bei, dass wieder mehr junge Leute eine duale Ausbildung, die zum Teil im Betrieb, zum Teil an der Schule stattfindet, anstreben, ist sich Bernhard Kern sicher. »Deswegen gehen wir dieses Projekt an, in Zeiten, in denen die Schülerzahlen nicht überschwänglich hoch sind«, erklärte er. Stellvertretende Schulleiterin, Studiendirektorin Sabine Ofner, die die Schülerzahlen offenlege, sprach von einem »deutlichen Rückgang«. 1 186 junge Erwachsene besuchten die Schule am Stichtag (20. Oktober 2021). »Der Fachkräftemangel schlägt sich auch bei uns nieder«, sagte sie, fügte im hinzu, dass auch der demografische Wandel zu den sinkenden Schülerzahlen beitrage und dass nicht alle Fachbereiche stark betroffen sind. Die Schülerzahlen in den Bereichen Bau-, Holz- und Kraftfahrzeugtechnik hielten sich wie im Bereich Wirtschaft und Verwaltung »relativ stabil«.

Die Ausbildungsberufe Kaufmann/-frau für Tourismus und Freizeit und Tourismuskauffrau/-kaufmann gehören zum Fachbereich Wirtschaft und Verwaltung. Angehende Kaufleute für Tourismus und Freizeit ließen sich aktuell mehrere ausbilden, Tourismuskaufleute, die im Reisebüro arbeiten, nur wenige, berichtete Sabine Ofner. »Corona hat den Reisebürobereich ebenso wie die Hotellerie und Gastronomie schwer getroffen«, erklärte die Studiendirektorin. Entsprechend seien auch die Schülerzahlen in der Hotellerie und Gastronomie rückläufig, ebenso wie in der Körperpflege. Die Staatliche Berufsfachschule für gastronomische Berufe (FAGO) besuchten am Stichtag nur neun Schüler, die Staatliche Berufsfachschule für Hotel- und Tourismusmanagement (Youtou) 60. Dass das attraktive Modell der Youtou, bei dem die Schüler neben einer Ausbildung zur/zum Staatlich geprüfte/r Assistentin/Assistent für Hotel- und Tourismusmanagement die Allgemeine Fachhochschulreife erlangen, nach wie vor Corona Anklang findet, freut die Studiendirektorin. Nichtsdestotrotz, bevor Sabine Ofner die Zahlen aufdröselte, sprach sie von rückläufigen Schülerzahlen. Es drängt sich die Frage auf: Wo sind die jungen Leute? An den Gymnasien, an den Fachoberschulen, im »Chillermodus«?

Sabine Ofner und Schulleiter, Oberstudiendirektor Hermann Kunkel hatten nachgeforscht, berichteten von gleichbleibenden Schülerzahlen an den Gymnasien und zumindest an der Fachoberschule in Altötting. An der Fachoberschule in Traunstein sei »der Andrang enorm«, wusste Bildungsleiter der Handwerkskammer für München und Oberbayern Franz Ertl. Er habe erst kürzlich mit der Verwaltung ein Gespräch geführt.

Vieles deutet darauf hin, dass zahlreiche Absolventen der Mittel- und Realschulen die Fachoberschule besuchen oder erst einmal »nichts«, zumindest keine Ausbildung, machen. »Wir rechnen im kommenden Jahr mit einem Zuwachs im Fachbereich Berufsvorbereitung«, sagte Sabine Ofner. Sie vermutet einheimische und ukrainische Schüler im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). »Die Berufsvorbereitung ist uns wichtig«, betonte Sabine Ofner. »Wir brauchen jeden und dürfen niemanden verlieren«, hieß sie potenzielle Schüler des BVJ willkommen.

Die aktuelle Situation bezeichnete Hermann Kunkel als »schwierig« und »durchaus angespannt«. Die Akteure, die der Sitzung bewohnten, sorgen sich um die Jugend, die, womöglich auch Corona-bedingt perspektivenlos ist oder falsche Erwartungen hat, um die Wirtschaft, die vom Fachkräftemangel betroffen ist, und um die Gesellschaft, die zum Teil eine falsche Einstellung zur dualen Ausbildung hat, genießt sie doch nicht das Ansehen einer akademischen Laufbahn. Wohl deswegen beobachtet Bildungsberater der Industrie- und Handwerkskammer für München und Oberbayern Michael Rumpf eine »Akademisierung« der Gesellschaft. Elternvertreterin Sabine Fellinger sagte dazu: »Wir brauchen nicht nur Leute, die vor dem Computer sitzen.« Ihr Sohn absolviere eine Ausbildung zum Schreiner, habe Freude an der Arbeit mit Holz und wenig Geld auf dem Konto. Die Mutter aber weiß: »Der Verdienst ist den Jugendlichen wichtig«. Haus, Audi, BMW, bestes Handy, die Jugendlichen wollten sich einen gewissen Lebensstandard leisten.

»Jeder schaut aufs Pulver, das ist das Problem«, sagte Ehrenobermeister der Schreinerinnung Werner Scharf. Er forderte mehr Anerkennung und einen besseren Verdienst für Handwerker oder Pflegekräfte. Franz Ertl sieht gute Chancen. »Angebot und Nachfrage regeln den Markt«, sagte er. »Je schwerer es wird, einen Handwerker zu bekommen, desto mehr wird seine Arbeit wert sein«, erläuterte er. Für die (angehenden) Handwerker sowie Auszubildenden und Fachkräfte anderer Spaten bleibt zu hoffen, dass sie besser bezahlt werden. Auszubildende in der Hotellerie und Gastronomie bekommen ab August tatsächlich eine höhere Vergütung, konnte Hermann Kunkel berichten.

Ausgezeichnete Schüler

Die Teilnehmer der Sitzung sorgen sich um die Jugend, die oft perspektivenlos ist. Sabine Ofner hat festgestellt: »Viele sind antriebslos im Moment.« Werner Scharf sagte: »Es setzt sich eine falsche Einstellung durch.« Junge Leute ließen sich von ihren (Groß-) eltern aushalten. »Das geht nicht.« Sie müssten lernen, etwas zu tun für ihr Geld, in die »Puschen« kommen. »Sie brauchen einen Tritt in den Hintern«, sagte er.

Angesichts der rückläufigen Schülerzahlen muss es Jugendliche geben, die unmittelbar nach dem (qualifizierten) Mittelschul-, dem mittleren oder dem Realschulabschluss nicht umgehend eine Ausbildung beginnen. Es gebe aber auch andere, betonten Sabine Ofner und Hermann Kunkel. Sie berichteten von Schülern, die äußerst engagiert und leistungsstark seien und neben der dualen Berufsausbildung sogar die Allgemeine Fachhochschulreife erlangen.

Ausgezeichnete Schule

Die Staatliche Berufsschule in Freilassing zeichnet aus, dass sie laut Mitglied der Schulleitung, Studiendirektor Alexander Thoma digital bestens ausgestattet ist. Zudem ist die Schule Erasmus-Schule und Partnerschule der Biosphärenregion und des Nationalparks Berchtesgaden. Laut Bernhard Kern soll der (Teil-)neubau 2030/31 abgeschlossen sein.

Neuer Name für Schule

Hermann Kunkel gab bekannt, dass die Staatliche Berufsschule Berchtesgadener Land in Freilassing ab August offiziell Staatliches Berufliches Schulzentrum Berchtesgadener Land heißen wird. Der Grund: An die Berufsschule sind die Fachschulen Staatliche Berufsfachschule für gastronomische Berufe (FAGO) und Staatliche Berufsfachschule für Hotel- und Tourismusmanagement (Youtou) angeschlossen.

Lisa Schuhegger