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Autorin Lisa Graf-Riemann ist bekannt für ihre Krimis aus dem Berchtesgadener Land

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Lisa Graf-Riemann mit ihrem aktualisierten Reiseführer zu den 111 wichtigsten Orten im Berchtesgadener Land. Mit elf ausgewählten Orten hat die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH ein Hörbuch erstellt. (Foto: Merker)

Marktschellenberg – Mit den Krimis »Hirschgulasch« und »Rehragout«, die größtenteils in Berchtesgaden spielen, ist Lisa Graf-Riemann bekannt geworden. Viele Leser kennen ihren Reiseführer »111 Orte im Berchtesgadener Land, die man gesehen haben muss«. Aber auch ihre drei Krimis, die sich um den Ingolstädter Kommissar Stefan Meißner drehen, haben viele Leser gefunden. Daneben verfasst Graf-Riemann, die in Marktschellenberg lebt, Sprachlehrwerke und übersetzt Romane aus dem Spanischen. Schreiben ist ihr Beruf, zu dem neben Talent viel Disziplin nötig ist.


»Ich war als Kind eine fanatische Leserin«, erzählt Lisa Graf-Riemann. »Ich hatte einen alten Holzschrank in meinem Zimmer, auf dem ich immer mit meinen Büchern lag.« Lesen war ihr wichtig, es eröffnete neue Welten, denn das Passau damals war eng und kleinbürgerlich. »Inzwischen hat sich Passau aber dank der Uni sehr verändert.« Doch für Graf-Riemann war klar, nach dem Abitur musste sie die Welt erkunden. »Ich machte meinen Führerschein, verdiente etwas Geld und dann war ich weg.« Sie reiste herum und studierte Romanistik in München. In der Zeit fing sie an, für die Neuausgabe des »Kindlers Literaturlexikons« Artikel über lateinamerikanische Literatur zu verfassen.

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Nach dem Studium fing sie bei Langenscheidt in der Redaktion und als Lektorin an. »Da betreute ich die Lehrwerke und fing schließlich das Selberschreiben an.« Denn auch ein Sprachkurs besteht aus Texten, die kleine Geschichten erzählen. So entstanden zahlreiche Lehrwerke für Spanisch, Französisch und Portugiesisch. »Mein Spezialgebiet war die Entwicklung einer vereinfachten Lautschrift für die Sprachführer.« Das war der erste Schritt in die richtige Richtung. »Doch ich wollte schon als Jugendliche literarisch schreiben.«

Anstoß gab dazu ihre Tätigkeit als Dolmetscherin für die Polizei am Münchner Flughafen. »Da bekommt man einen kleinen Ausschnitt aus einer Lebensgeschichte mit, man weiß gar nichts von den Menschen und erfährt auch nie, wie es mit ihnen weiterging.« Bei der Heimfahrt vom Flughafen hat sie diese Geschichten weiter gesponnen und fing schließlich an, ihren ersten Krimi zu schreiben. »Einen Einblick in die Polizeiarbeit hatte ich bekommen, das hat mir geholfen.« Zuerst wollte sie nur sehen, ob sie es überhaupt schaffen würde, ein ganzes Buch zu schreiben. Ihr Regionalkrimi »Eine schöne Leich« mit dem Ingolstädter Kommissar Stefan Meißner entstand. An zwei Verlage schickte sie das fertige Manuskript. Der eine lehnte ab mit der Begründung, dass es werbetechnisch schlecht sei, dass sie inzwischen nicht mehr in Ingolstadt wohne. Sie solle doch lieber einen Krimi in ihrer neuen Heimat, dem Berchtesgadener Land, schreiben. Der andere Verlag rührte sich gar nicht.

Erst als sie ihren zweiten Krimi dorthin geschickt hatte, kam eine sehr positive Rückmeldung auf das ein Jahr zuvor eingesandte Manuskript. Der Emons-Verlag wollte den Ingolstadt-Krimi herausbringen. »Beim ersten Gespräch mit dem Verlag war ich gerade am Untersberg Skifahren. Ich war bei dem Gespräch furchtbar nervös«, erinnert sich die Autorin. »Die schöne Leich« war ein Überraschungserfolg. Beim zweiten Band »Donaugrab« gestaltete sich die Lektoratsarbeit als etwas schwieriger. Das Lektorat vom Verlag verlangte einige Veränderungen im Buch, Graf-Riemann musste das ganze Ende neu schreiben. »Ein Lektorat ist schon wichtig. Die Lektoren finden logische Fehler und andere, die man einfach überlesen hat. Aber manchmal greifen sie zu sehr in den Roman ein.«

Über stilistische Fragen wird ebenfalls diskutiert. »Bei mir stehen die Leute auf und erheben sich nicht, wie es mancher Lektor gerne lesen würde. Auch »er schaute umher« würde ich nie schreiben.« Andererseits macht ein Lektor darauf aufmerksam, dass in einer Geschichte zwei Männernamen, die mit dem gleichen Buchstaben anfangen, nicht sehr hilfreich sind.

Mit dem Schreiben des Manuskriptes ist es also nicht getan. Nach dem Lektorat müssen auch noch die Fahnen korrigiert werden, bis dann das Buch zum Druck freigegeben wird. »Schreiben besteht zu 20 Prozent aus Talent und zu 80 Prozent aus Disziplin«, stellt Graf-Riemann fest. Darum schreibt sie diszipliniert jeden Vormittag ihre literarischen Sachen. Am Nachmittag arbeitet sie an den Sprachlehrwerken wie der Reihe »Beste Freunde«, einem Schulbuch zum Deutschlernen sowie ihren Übersetzungen spanischer Romane.

»Durchschnittlich schaffe ich drei Seiten oder eine ganze Szene am Tag.« Am nächsten Tag wird das korrigiert und überarbeitet. »Wenn das, was ich geschrieben habe, mich nicht selber packt, dann stimmt etwas noch nicht und es wird so lange überarbeitet, bis die Szene stimmig ist.« Nach und nach entsteht daraus ein ganzer Roman. »Man muss konzentriert arbeiten. Schreiben ist anstrengender, als viele glauben.«

Gerade ist ihr Reiseführer »111 Orte im Berchtesgadener Land, die man gesehen haben muss« in neuer Auflage erschienen. »Zusammen mit meinem Mitautor Ottmar Neuburger haben wir das Buch aktualisiert. Jetzt ist es wieder auf dem neuesten Stand.« Das nächste Buchprojekt ist in Arbeit, doch noch verrät die Autorin nichts darüber.

Im Juni erscheint das neueste Buch von Lisa Graf-Riemann. »Madame Merckx trinkt keinen Wein« heißt der Krimi, der in Südfrankreich spielt. Darin lösen ein paar ältere Damen aus einem Dorf in der Languedoc unter der Federführung von der titelgebenden Madame Merckx einen Mord. Christoph Merker