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Bei den Dreharbeiten im Sommer in Marktschellenberg: Regisseur Jochen Alexander Freydank (M.) machte da schon keinen Hehl daraus, dass kein Dokumentarfilm entsteht, sondern ein Unterhaltungsfilm mit fiktiver Handlung. (Foto: Thomas Jander)

Riesenwirbel um »Riesending«-Zweiteiler: Bergwacht Bayern sieht sich zu Klarstellung genötigt

Marktschellenberg – Mit großer Spannung haben viele in der Region die Ausstrahlung von »Riesending – Jede Stunde zählt« erwartet. Nun, kurz nach dem Sendetermin ist die Ernüchterung teils groß, in den sozialen Medien ist ein Sturm der Entrüstung losgebrochen über die Art und Weise, wie die Bergwacht im Film dargestellt wird.


Mancher scheint dabei nicht so recht zwischen Fiktion und tatsächlichen Ereignissen unterscheiden zu können. Tatsächlich wurde während der Dreharbeiten, die unter anderem in Marktschellenberg stattfanden, sehr deutlich gesagt, dass ein Unterhaltungsfilm entsteht, keine Dokumentation über die tatsächlichen Geschehnisse der unglaublichen Rettungsaktion im Jahr 2014.

Allerdings hat die Wut-Welle auch zahlreiche Nachfragen bei der Bergwacht Bayern ankommen lassen. Deren Pressesprecher Roland Ampenberger sieht sich deswegen genötigt, in einem langen Presse-Statement zur Situation Stellung zu nehmen. Erste Medien-Anfragen beantwortete der Bergwacht-Pressesprecher noch einigermaßen gelassen, die Mitteilung, die gestern früh verschickt wurde, fällt von der Tonlage deutlicher aus.

Zitiert wird hier Dr. Klaus Burger, Regionalleiter der Bergwacht Chiemgau und damals mit in der Einsatzleitung: »Gewollt oder ungewollt entstehe, wie viele Rückmeldungen zeigen, leider der täuschend echte Eindruck, dass es sich bei der Produktion »Riesending – jede Stunde zählt« um eine Dokumentation handle und die Handlungen und Sichtweisen der Bergrettung im Film der Realität entsprächen. Die künstlerisch zwar zulässige Vermischung von Realität und Fiktion spiegelt aber nicht den Rettungswillen und die Kompetenzen unserer ehrenamtlichen Bergretterinnen und Bergretter wider. Die Bergwacht wird insofern in ein falsches Licht gerückt, was unsere hoch motivierten ehrenamtlichen Frauen und Männer nicht verdient haben.«

Ebenfalls zu Wort kommt Thomas Küblbeck von der Bergwacht Marktschellenberg, ehemaliger Regionalleiter und Einsatzleiter beim Einsatz in der Riesendinghöhle: »Unsere ehrenamtlichen Bergretter sind maximal flexibel, hoch motiviert und bereit, mit Risiken und Unsicherheiten umzugehen, um bestmögliche Hilfe zu ermöglichen, egal in welchen Situationen und wie die Bedingungen sind.« So war für ihn der »Star« dieses Einsatzes die »Mannschaft«, bestehend zum einem aus den Höhlenrettern aus der Schweiz, Italien, Kroatien, Österreich und Deutschland sowie der Bergwacht, zum anderem aber ganz wesentlich auch aus den vielen ehrenamtlichen und professionellen Einsatzkräften, die für Logistik, Versorgung und Transport gesorgt haben, sei es von der Bergwacht, den Hilfsorganisationen, der Bundeswehr, der Bundes- und Landespolizei und der Feuerwehr.

Die Unterstützung für alle notwendigen Aufwendungen war von Beginn an von den örtlichen Behörden, dem Bayerischen Innenministerium sowie der Bevölkerung im Berchtesgadener Talkessel gegeben. »In keiner Weise nimmt der Film diese Wirklichkeit auf«, unterstreicht Küblbeck. Und Pressesprecher Ampenberger ergänzt: »Leider findet genau das Gegenteil statt. Auf Kosten der Bergwacht und deren ehrenamtlichen Einsatzkräften wird eine Schwarz-Weiß-Welt gezeichnet. Wir fragen uns, was hier die Motivation ist und was letztendlich die Aussage des Films sein soll, wenn ein Realitätsanspruch besteht, gleichzeitig aber eine ganze Organisation diskreditiert wird, um Spannung zu erzeugen. Wir sind in Sorge, dass sich die Darstellung dieses Rettungseinsatzes alles andere als positiv auf die Motivation unserer Einsatzkräfte, insbesondere aber auch auf alle ehrenamtlichen Aktiven anderer Hilfsorganisationen, auswirkt. Gerade in dieser für die Gesellschaft schwierigen Zeit sollte doch das Gemeinsame im Mittelpunkt stehen. Hier stehen wir alle in der Verantwortung.«

Ebenfalls erklärt wird die Zusammenarbeit in der Höhlenrettung: Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher und die Bergwacht Bayern pflegen sehr gute Beziehungen, die nach dem Einsatz von 2014 noch weiter ausgebaut wurden. So haben Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Bad Cannstatt, die die Höhle bis heute weiter erkundet, und Höhlenretter der Bergwacht in den Jahren nach dem Unfall gemeinsam das »Riesending« von den Hinterlassenschaften der Rettungsaktion in mehrtägigen Aktionen geräumt.

Noch im gleichen Jahr des Einsatzes haben sich alle beteiligten Höhlenrettungsorganisationen gemeinsam mit den Höhlenrettern der Bergwacht Bayern über die gewonnenen Erkenntnisse ausgetauscht und sind weiterhin in gutem Kontakt. Gerade durch den gemeinsamen Einsatz im Riesending wurde die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Höhlenrettung im Alpenraum stark gefördert, betont die Bergwacht.

Thomas Jander