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In den Pidinger Werkstätten ist Hans Schuhböck (r.), der Leiter Interne Dienste, Ansprechpartner für die Stellenbesetzung bei Praktikanten und Bufdis. Hier im Gespräch mit Sepp Kamml. (Foto: Maria Horn)

Der erste »Bufdi« im Pensionsalter

Piding – Sepp Kamml aus Piding ist 59 Jahre alt und leistet derzeit ein Jahr Bundesfreiwilligendienst (BFD) bei den Pidinger Werkstätten. Er ist der erste »Bufdi« in der Einrichtung, der sein Berufsleben schon hinter sich hat. Denn überwiegend sind es junge Leute, die sich nach ihrem Schulabschluss für das Allgemeinwohl engagieren, um Erfahrungen in sozialen, ökologischen, kulturellen oder sportlichen Bereichen zu sammeln.


Bei Sepp Kamml war es genau anders herum. Er war bei der Postbank beschäftigt und im Rahmen eines Stellenabbauprogramms bot sich bei ihm die Gelegenheit, vorzeitig in Pension zu gehen. »Da gab es die Option: wenn du älter als 56 aber noch keine 60 Jahre alt bist, in den Ruhestand zu gehen. Allerdings mit der Auflage, ein Jahr Bundesfreiwilligendienst oder 1 000 Stunden sozialen Dienst zu leisten«, erzählt Kamml. Als »Bufdi« ein Jahr lang neue Erfahrungen zu sammeln, das war ein Gedanke, der ihm gefiel. Und so hat er im Internet recherchiert, welche Einrichtungen dafür in Frage kommen. Im Zuge seiner Suche ist er auf die Pidinger Werkstätten gestoßen. »Dann habe ich mich mit den Werkstätten in Verbindung gesetzt und einen Termin für ein paar Schnuppertage ausgemacht.«

So hat er sich mit dem Leiter für interne Dienste, Hans Schuhböck, besprochen und zunächst die verschiedenen Abteilungen der Einrichtung kennen gelernt. »Ich habe mich dann entschieden, in der Küche zu arbeiten. Vom ersten Tag an habe ich mich hier sehr, sehr wohl gefühlt«, berichtet Kamml. »Die Mitarbeiter mit Behinderung haben mir dann erst mal gesagt, wo es lang geht. Die haben mir gezeigt, wo sie Geschirr und Besteck lagern, damit alles an seinen richtigen Platz kommt.« Unter Federführung von Küchenleiter Markus Schmidt und der Küchenfachkraft Ina Stettmeier hat sich der Sepp nun in die Abläufe in der Küche eingearbeitet.

Er leistet seit vergangenen September seinen Bundesfreiwilligendienst, in wenigen Tagen ist »Halbzeit«, denn mit dem 31. August endet dieses erfahrungsreiche Jahr. Er hat eine 39-Stunden Woche und ist mittlerweile mit den Abläufen der Küchenarbeit bestens vertraut. »Morgens steht zunächst das Testen der Mitarbeiter an, dann wird das Mittagessen vorbereitet«, erzählt er. In der Küche der Werkstätten werden täglich rund 200 Mahlzeiten zubereitet. Denn nicht nur die Mitarbeiter vor Ort werden versorgt, auch die Außenstellen in Anger werden beliefert. Da gibt es viel zu tun, vom Kartoffelschälen bis zum Portionieren der Nachspeisen. Die Essensausgabe musste aufgrund der Coronavorgaben in mehrere Gruppen gestaffelt werden, eine zusätzliche logistische Herausforderung. Auch hier ist der »Bufdi« wieder gefragt, dass alles reibungslos läuft. Und wenn alle Mägen gefüllt sind, dann steht der Abwasch an, außerdem gibt es reichlich zu tun mit Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten.

»Der gesamte Küchenbereich war für mich eine völlig neue Erfahrung, aber die Arbeit macht großen Spaß. Auch wenn ich manchmal zu hören bekomme, dass ich der älteste Bufdi bin, der jemals in der Pidinger Werkstätte gearbeitet hat.«

Die Einrichtung verfügt insgesamt über 14 BFD-Plätze. »Acht davon sind derzeit besetzt«, erzählt Hans Schuhböck und schiebt mit einem Grinsen nach: »Heuer haben wir eine sehr spannende Mischung, denn neben dem Sepp als ältestem Bufdi der jemals bei uns im Haus war, arbeiten aktuell noch drei junge Leute aus Ecuador bei uns im Bundesfreiwilligendienst.«

Maria Horn