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Von der Reinigung der Flaschen über die Befüllung, die Verschließung und die Beklebung bis hin zur Abpackung (im Bild) – alles läuft vollautomatisch ab. 12 000 Flaschen sind pro Stunde möglich. (Fotos: Molkerei BGL)

Molkerei: Investition zeugt von Optimismus – 35 Millionen Euro teure Glasabfüllung in Piding in Betrieb genommen

Piding – Wenn eine Firma eine Multi-Millionen-Investition tätigt, eine neue Maschine kauft, ein neues Gebäude errichtet – dann ist der Tag der Inbetriebnahme normalerweise immer ein »Feiertag«. Keine Frage – auch in der Molkerei Berchtesgadener Land war die Freude groß, als diese Woche die neue, 35 Millionen Euro teure Mehrweg-Glasabfüllung offiziell in Betrieb genommen werden konnte. Denn trotz widriger Bedingungen durch Pandemie und Lieferschwierigkeiten konnten sowohl Kosten- als auch Zeitrahmen eingehalten werden. Die Molkerei kann nun stolz verkünden: Eine der weltweit modernsten und bezüglich Wasser- und Spülmittelbedarf sparsamsten Mehrweg-Abfüllanlagen – gebaut von der Firma Krones – steht in Piding.


Und doch war beim Pressetermin aus den Worten von Molkerei-Chef Bernhard Pointner angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine gewisse Sorge herauszuhören. Denn die hohen Energiekosten belasten freilich auch die Molkerei. Und ausgerechnet der für die Pidinger so wichtige Biobereich – ein Drittel der Milchmenge wird biologisch erzeugt – erlebt nach Boom-Zeiten während Corona nun einen Dämpfer. Schließlich sitzt bei vielen Kunden der Euro nicht mehr so locker.

Planungen begannen bereits 2019

Pointner gab sich dennoch optimistisch: »Kurz vor der Dämmerung ist die Nacht am dunkelsten«, zeigte sich der Molkerei-Chef guter Dinge, dass sich die Stimmung bald wieder dreht. Spätestens dann werde die neue Glasabfüllung – gerade Biomilchprodukte sind häufig in Glas verpackt – Gold wert sein. Denn die alte Glasabfüllung war bereits 2019 an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. Weil eine Lohnabfüllung an einem fremden Standort nicht infrage kam, entschieden sich die Verantwortlichen für den Bau einer modernen Anlage, was allerdings den kompletten Neubau eines Produktionsgebäudes erforderte. Die Herausforderung dabei: Die Aufstellung der neuen Anlage – genannt Produktion IV – musste parallel zur laufenden Produktion an anderer Stelle erfolgen. Schließlich benötigt eine Inbetriebnahme mit allen nötigen Qualitätsprüfungen und Probeläufen von Reinigung und Abfüllung Wochen.

Für den Neubau wurden die Räumlichkeiten der alten Verladung, die seit 2015 am benachbarten Gänslehen erfolgt, abgerissen. Auf rund 2 300 Quadratmetern entstand ein neues Gebäude mit 7000 Quadratmetern Nutzfläche. Im Erdgeschoss befindet sich die neue Glasabfüllanlage inklusive Flaschenwaschanlage mit 850 Quadratmetern Platzbedarf. Im ersten Stock sollen mittelfristig Sauermilchprodukte – mit allem, was dazugehört – sowie Butter hergestellt werden. In den zwei obersten Geschossebenen wurden Büros untergebracht.

Herzstück ist aber die Abfüllanlage, die die Journalisten beim Pressetermin bei einem Rundgang mit dem stellvertretenden Produktionsleiter Paul Althammer kennenlernen durften. Stolz erklärte er die einzelnen Bestandteile der Anlage, die mit vielen Superlativen aufwartet: So beträgt die neue Abfüllkapazität 12.000 Flaschen pro Stunde und ist damit doppelt so hoch wie noch 2019. Dadurch können nun auch wieder Produkte – konkret Schlagrahm − in die Glasflasche abgefüllt werden, für die es zuvor keine Kapazitäten mehr gab. Fast alles läuft vollautomatisch – Nur vier Mitarbeiter müssen pro Schicht die Maschine bedienen beziehungsweise überwachen.

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Der Projektverantwortliche, Paul Althammer, stellvertretender Produktionsleiter der Molkerei, präsentierte die neue Anlage.

Besonders in puncto Nachhaltigkeit setzt die neue Anlage Maßstäbe. So verbraucht die neue Reinigungsanlage für das Flaschenleergut nur noch halb so viel Wasser und deutlich weniger Reinigungslauge. Die verschiedenen hohen Anforderungen, die dabei die BGL-Molkerei stellte, habe die beauftragte Krones AG durchaus vor Herausforderungen gestellt, meinte Martina Birk, Nachhaltigkeitsbeauftragte des Anlagenbauers aus Neutraubling bei Regensburg. Dass es gelungen sei, alle Wünsche zu erfüllen, sei auch für ihr Unternehmen ein Quantensprung und werde künftig Vorbildwirkung in der Branche haben.

BGL-Molkerei auch für Krisenzeiten gerüstet

Das freut Pointner freilich – zumal es nicht das erste Mal ist, dass die BGL-Molkerei Maßstäbe setzt und den Mitbewerbern einen Schritt voraus ist. Diese Weitsicht helfe nun auch in der derzeitig angespannten Situation: Schon vor Jahren machte man sich in Piding nämlich Gedanken, wie man energieautarker werden könnte – Anlass waren Hackerangriffe auf andere Molkereien, die dadurch nicht mehr produzieren und kühlen konnten.

Und auch für eine mögliche Rationierung von Treibstoffen ist man bereits gerüstet: »Wir haben uns einen eigenen Tanklastzug gekauft, mit dem wir uns dank entsprechender Verträge mit Raffinerien weiter mit Sprit versorgen könnten«, so Pointner. »Denn nichts wäre schlimmer, als dass unsere Milchtankwagen die Bauern nicht mehr anfahren könnten und sie die Milch wegschütten müssten.«

Johannes Geigenberger