Ausdrucksmalerin bringt Gefühle auf die Leinwand

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Carolin Grill ist in der Pandemie noch kreativer als sonst. Noch ist die Papierleinwand vor der Ramsauer Ausdrucksmalerin weiß – aber nicht mehr lang.

Ramsau – Der Wohlfühlgedanke steht im Vordergrund: Das betont Carolin Grill, wenn es um ihre Kurse in ihrer hauseigenen Malwerkstatt geht, bei der Jung und Alt den Pinsel schwingen dürfen. Die Ramsauerin ist ausgebildete Ausdrucksmalerin und kennt sich mit der Wirkung von Farbe und dem Werkeln an der Leinwand aus. Seit neun Jahren beschäftigt sie sich mit diesem Gebiet. Was es mit Ausdrucksmalen auf sich hat, wer seine künstlerische Seite normalerweise in ihrer Malwerkstatt auslebt und welchen Einfluss Corona auf ihre Arbeit hat, erzählt sie dem »Berchtesgadener Anzeiger« im Telefongespräch.


Carolin Grill ist Mutter von drei Kindern und gelernte Kinderpflegerin. Heute ist die 47-Jährige hauptberuflich Leiterin der Nachmittagsbetreuung in der Realschule St. Zeno in Bad Reichenhall.

»Ausdrucksmalen hat oft einen schlechten Ruf«

Seit einiger Zeit beschäftigt sie sich zusätzlich mit dem Thema Ausdrucksmalen. Vor neun Jahren hat sie darin eine Ausbildung absolviert und sich auch mit der therapeutischen Wirkung des Malens beschäftigt. »Ich finde es interessant, was das Malen mit den Leuten macht«, sagt Grill. Damals hat sie Seminare in Amberg in der Oberpfalz besucht. Das Thema Ausdrucksmalen habe in der Gesellschaft oftmals einen »schlechten Ruf«, bedauert die Künstlerin. »In Rehakliniken wird Malen oft als Form der Therapie angewandt. Die Menschen haben aber oftmals Angst davor, sich zu öffnen«, weiß die 47-Jährige. Darum ist ihr bei ihren Kursen, die sie in ihrem eigenen Haus in ihrer Malwerkstatt anbietet, ein Aspekt besonders wichtig: »Der Wohlfühlgedanke soll im Vordergrund stehen. Das Malen soll vor allem Spaß machen.« Im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« betont Carolin Grill, dass es zwar einen therapeutischen Aspekt bei ihrer Arbeit gebe, aber dass dieser nicht im Mittelpunkt stehe. »Die Wirkung der Farben tut dann das ihrige«, fügt sie noch hinzu.

Weihnachtsfeiern in der Malwerkstatt

Ihre Malwerkstatt in der Graßlergasse 1 in Ramsau ist ein »Ort der Kreativität« und diene zum »Entfalten der eigenen Kreativität«. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht, jeder ist willkommen. Grill bietet Kurse für Kinder ebenso wie für Erwachsene an. »Sogar Firmen buchen die Malwerkstatt für ihre Weihnachtsfeier«, erzählt die Künstlerin. Natürlich spricht sie über Vor-Corona-Zeiten. Damals, vor einem Jahr, fand auch jeden Freitag ein Kindermalkurs statt. »Die Auswirkungen von Corona sind extrem«, beklagt die Malerin. »Wenn ich Glück habe, dürfen sich bald wieder Menschen aus mehreren Haushalten treffen, damit sich besonders die Kinder wieder kreativ austoben können«, wünscht sich die Ramsauerin.

Malen mit mehreren Sinnen

Apropos kreativ austoben – Was versteht man eigentlich unter Ausdrucksmalen? »Es bedeutet, die eigene Kreativität auf's Blatt zu bringen«, erklärt Carolin Grill. Man malt im Stehen, meist auf einer großen Leinwand aus Papier. Die Kursteilnehmer beginnen normalerweise nicht mit Pinsel und Farbe, sondern malen direkt mit ihren Händen, mit ihren Fingern, und verwenden dementsprechend zunächst Fingerfarben. »Es ist Malen mit mehreren Sinnen«, so die Ramsauerin.

Gemalt wird nach Gefühl, aber wer eine Vorlage haben möchte, der darf diese natürlich verwenden. »Es soll ja ein freies Malen sein, entspannend. Da lässt man es auch zu.« Frei bedeutet für die Künstlerin, die Leute dürfen »malen, was sie wollen«. Hauptsache mit viel Gefühl, Spaß und Freude.

Es gibt außerdem kein Gruppenthema, jeder versucht es so, wie er mag und kann. Ein Aspekt ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Das Malen im Kurs ist bewertungsfrei. »Man muss keine Angst haben, dass man sein Bild im Anschluss allen zeigen muss und womöglich noch mit den anderen verglichen wird.«

Die Kursteilnehmer würden Caroline Grill zwar um ihren Rat bitten, aber: »Ich halte mich zurück«, betont die Ausdrucksmalerin. »Ich gebe aber schon Hilfestellungen, was Farben und Technik angeht, wenn dies gewünscht wird.«

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Ihre Kunstwerke zeichnen sich durch ihre Farbenfreudigkeit aus. Grill verwendet derzeit gerne Rosa- oder Grüntöne, wie sie dem »Anzeiger« erzählt. (Fotos: privat)

Rosa und Glitzer ist nicht nur für Dirndl

Malkurse sind doch nur etwas für Frauen und Mädchen – diese Annahme ist ein Trugschluss, wie die 47-Jährige an dieser Stelle betont. »Ich habe eine knallvolle Gruppe, die nur aus Buben besteht«, berichtet sie mit einem Schmunzeln. Es herrsche schon fast ein »Männerüberschuss«. Und auch hier gilt: Es ist alles erlaubt. Zum Beispiel, was die Farbwahl betrifft. »Nicht nur Mädels dürfen mit Rosa und Glitzer malen«, das ist der Malerin und Kursleiterin wichtig. Sie will »das Musische fördern«. Es wirkt – ihre Kursteilnehmer, egal ob jung oder alt, fühlen sich wohl, ist Grill überzeugt.

Was die Berchtesgadener und ihre Kreativität betrifft, so kann die Ramsauerin eines ganz klar feststellen: »Die Leute sind offen für Neues. So ist zum Beispiel mein letzter VHS-Kurs für Erwachsene sehr gut angenommen worden. Die Familien schicken zudem liebend gerne ihre Kinder in die Malwerkstatt.« Und die Kleinen würden auch schon ständig fragen: Wann geht es endlich wieder los? Das findet Carolin Grill jetzt in dieser Corona-Zeit auch besonders schade: »Dass es keinen Kontakt zu den Leuten gibt« und »dass nichts los ist«. Und wie hat sich die Pandemie auf ihre eigene Kunst ausgewirkt? »Ich male mehr«, antwortet die 47-Jährige. »Ich brauche das Kreative.«

Wer nun denkt, ihre Bilder sind trüb und grau, der irrt – nach eigener Aussage sind diese derzeit »bunter«, mit viel Rosa und Grün darin. »Vielleicht ist es mein positives Denken – ›es werd scho wieda‹«, vermutet die Ramsauerin und lacht. Und außerdem sei sonst alles schon so grau.

Pandemie-Bilder sind bunter

Ihre Stilrichtung beschreibt Carolin Grill mit abstrakt bis gegenständlich. Bei ihren Kunstwerken gilt: Hauptsache bunt. Ihre Inspiration holt sie sich auch aus den sozialen Medien. Dazu sagt sie: »Ich bin ja auch nur ein Mensch. Ich such mir dann im Internet schöne Bilder heraus und verwende sie als Vorlage, wenn ich will.« Allerdings sei ihre »Version« des Bildes immer eine ganz eigene. So werde aus einem blauen Pferd in der Vorlage schnell mal ein grünes oder auch lilafarbenes. Auch Ausflüge in die Natur beeinflussen die Malerin, oder Besuche im Museum.

Ihre farbenfrohen Bilder stehen derzeit wild durcheinander in der Malwerk-statt. Wer auch eines haben möchte, der muss die Ramsauer Künstlerin nur per E-Mail oder Telefon kontaktieren, denn sie verkauft ihre Werke auch oder malt auf Bestellung. Erreichbar ist Carolin Grill per E-Mail an malwerkstatt-carolin(at)t-online.de oder unter Telefon 08657/1520. Übrigens: Sie bietet auch Gutscheine für ihre Malkurse an, die, so hofft sie inständig, bald wieder stattfinden können. Neuigkeiten gibt es auf ihrer Facebookseite »Malwerkstatt von Carolin Grill« zu lesen.

Eine gute Neuigkeit: Der Kurs »Ausdrucksmalen«, den Carolin Grill zusätzlich in der Volkshochschule Berchtesgaden anbietet, musste aufgrund der Pandemie bereits mehrmals nach hinten verschoben werden. Jetzt soll er am Montag, 12. April, um 19.30 Uhr stattfinden. Hoffentlich bleibt es dabei.

Annabelle Gabriel

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