weather-image
13°

Bewusstlose, verletzte und erschöpfte Urlauber und Bergsteiger fordern Ramsauer Bergwacht

4.0
4.0
Ramsau: Bergretter rücken wegen Schönwetter-Wochenende zu sieben Einsätzen aus
Bildtext einblenden
Foto: BRK BGL

Ramsau – Viel zu tun hatte die Bergwacht Ramsau am vergangenen Schönwetter-Wochenende: Zu insgesamt sieben Einsätzen mussten die ehrenamtlichen Bergretter zusammen mit dem Traunsteiner Rettungshubschrauber »Christoph 14« und dem Landrettungsdienst des Roten Kreuzes am Samstag und Sonntag ausrücken. Am Samstagmittag waren die Retter dabei zeitweise sogar bei drei Notfällen am Berg gleichzeitig gefordert.


Drei Einsätze zugleich

In rund 1700 Metern Höhe brauchte am Samstagmittag ein stark erschöpfter 46-jähriger Urlauber aus Baden-Württemberg im Hochkalter-Ofental Hilfe. Der Notruf war gegen 12 Uhr zunächst über die Leitstelle Tirol eingegangen. Die Leitstelle Traunstein konnte daraufhin das Handy des Mannes orten.

Anzeige

»Christoph 14« war bereits in Berchtesgaden und setzte den Ramsauer Einsatzleiter mit der Notärztin schwebend über die Kufe in der Nähe des Patienten ab. Die Einsatzkräfte versorgten den Mann und konnten mit ihm einige Meter aufsteigen, wo der Pilot nach einer Zwischenlandung am Auzingerfeld am Hintersee besser anlanden und alle über die Kufe einsteigen lassen konnte.

Die Notärztin versorgte den Mann in der Ramsauer Bergrettungswache. Im Anschluss ging es mit einem Rettungswagen des Reichenhaller Roten Kreuzes weiter zur Kreisklinik Berchtesgaden. Der Einsatz dauerte gute zwei Stunden.

Noch währenddessen ging gegen 14 Uhr ein weiterer Notruf von der Kührointalm am Kleinen Watzmann ein, wo eine 27-jährige Frau aus München mit einer Bänderverletzung Hilfe brauchte. Die Bergretter fuhren mit der Bergwacht-Notärztin, die wegen des vorherigen Einsatzes noch in der Wache war, zum Einsatzort, versorgten die Frau und fuhren sie ins Tal. Mit einem Rettungswagen wurde sie ab der Wimbachbrücke weiter zur Kreisklinik Berchtesgaden gefahren. Die Bergwacht war eine gute Stunde lang gefordert.

Ebenfalls gleichzeitig ging kurz nach 14 Uhr ein Notruf aus dem Wimbachgries ein, wo rund eine halbe Stunde von der Grieshütte entfernt ein internistisch vorerkrankter 65-jähriger Urlauber aus Hessen mehrfach bewusstlos geworden war. »Christoph 14« stand noch an der Rettungswache und der Pilot konnte sofort mit Notärztin und Bergretter starten. Gleichzeitig fuhr die Bergwacht mit dem Pinzgauer ins Gries los.

Noch während die Retter zum Patienten unterwegs waren, brach die Leitstelle den Einsatz ab, da über einen erneuten Anruf mitgeteilt worden war, dass der Patient keine Hilfe mehr wünscht. Der Pilot war bereits am Wimbachschloss vorbeigeflogen und kehrte zum Tallandeplatz zurück. Bei allen drei Einsätzen waren insgesamt acht Ramsauer Bergretter inklusive ihrer Notärztin gefordert.

Weitere zwei Notfälle am Samstagabend

Gegen 17.45 Uhr brauchte dann am Abend eine erschöpfte 29-jährige Wanderin aus Oberbayern an der Wimbachgrieshütte Hilfe. Die Bergwacht holte die Frau mit dem Fahrzeug ab und fuhr sie ins Tal. Sie wollte sich dann selbst ins Krankenhaus begeben und musste nicht weiter transportiert werden. Zwei Einsatzkräfte waren rund eineinhalb Stunden gefordert; ein weiterer Bergretter blieb für mögliche Folgeeinsätze an der Wache.

Um 19.48 Uhr ging dann noch ein Notruf vom Watzmann-Südspitzabstieg ein, wo ein 31-jähriger Urlauber aus Baden-Württemberg mit einer Knieverletzung nach der Watzmann-Überschreitung nicht mehr weiterkam. Der Einsatzleiter konnte im Rückruf den Einsatzort im Bereich Goldbründl eingrenzen und ließ den »Christoph 14«-Piloten direkt anfliegen. Der Mann konnte mit der Notärztin in den gelandeten Heli einsteigen und wurde dann im letzten Tageslicht zur Kreisklinik Bad Reichenhall geflogen. Sechs Bergretter standen eine gute Stunde in Bereitschaft.

Akut erkrankte 25-Jährige am Grat zum Hochkalter-Gipfel

Gleich am Sonntagmorgen ging es für die Einsatzkräfte mit der Einsatzflut weiter. Gegen 8.45 Uhr war ein Notruf aus rund 2400 Metern Höhe vom Grat zwischen Rotpalfen und Hochkalter-Gipfel eingegangen, wo eine akut erkrankte 25-jährige Urlauberin aus Niederbayern mit starken Schmerzen notärztliche Hilfe brauchte.

Eine Handy-Ortung schlug fehl und die Heli-Crew und der Einsatzleiter konnten die Frau auch nicht wie zunächst vermutet in der Rinne unterhalb des Schönen Flecks finden. Bei der weiteren Suche am Grat zwischen Rotpalfen und Hochkalter-Gipfel fanden die Retter dann die Einsatzstelle. Notarzt und Bergretter stiegen über die Kufe aus und versorgten die junge Frau. Der Pilot holte dann nach einer Zwischenlandung an der Blaueishütte die liegende Patientin und den Arzt am 25-Meter-Tau ab und flog sie ins Tal.

Danach wurden noch der Bergretter und der Begleiter am Tau zur Blaueishütte ausgeflogen und von dort aus weiter ins Tal. Eine Rettungswagen-Besatzung des Reichenhaller Roten Kreuzes lieferte die Patientin ins Krankenhaus ein. Fünf Bergretter waren bis 11 Uhr gefordert und mussten den Heli mit dem Kerosinanhänger wieder auftanken.

Nach einem trotz des anhaltend schönen Wetters ungewöhnlich ruhigen Sonntag ging es um 19.22 Uhr für die Ramsauer Bergwacht weiter: Ein 84-jähriger Urlauber aus Unterfranken war auf dem Soleleitungsweg zwischen Klausgraben und dem Parkplatz am Taubensee auf den Kopf gestürzt und zunächst bewusstlos liegengeblieben. Ein Urlauber-Pärchen und ein Landwirt aus der Nachbarschaft fanden den Mann, leisteten Erste Hilfe und lotsten die Bergwacht und den Rettungswagen des Berchtesgadener Roten Kreuzes von der Alpenstraße aus zum Unfallort.

Die Bergwacht versorgte den Mann, bis der Landrettungsdienst aus Berchtesgaden eintraf und forderten den Bergwacht-Notarzt nach, da der Patient kurze Zeit bewusstlos war. Danach ging es mit dem Rettungswagen zur Kreisklinik Bad Reichenhall. Fünf Bergretter waren rund zwei Stunden gefordert.

red/BRK BGL

Mehr aus Ramsau